Tauchen in Ägypten im Winter: Weniger Boote, günstigere Preise und bis zu 25 m Sichtweite. Was dich von Dezember bis März im Roten Meer erwartet.
Auf einen Blick
- Wassertemperatur: 22–24 °C im Golf von Suez, 24–26 °C im Süden (Marsa Alam) — kein Trockenanzug nötig
- Empfohlener Neopren: 5mm Ganzanzug + 3mm Haube, Handschuhe optional
- Vorteile: Leere Tauchspots, bis zu 40 % günstigere Boots- und Hotelpreise, hervorragende Sichtweite
- Beste Spots: Marsa Alam bleibt warm, Hurghada-Wracks ohne Touristenandrang
- Tipp: Liveaboard-Preise im Dezember/Januar bis zu 30 % unter Sommerhöchststand
Wenn im Dezember die letzten Sommerurlauber abreisen und die meisten Taucher ihre Ausrüstung für den Winter einmotten, fahre ich erst richtig gerne ins Rote Meer. Nach über 2.000 Tauchgängen in Ägypten bin ich überzeugt: Die Monate Dezember bis März sind für viele Taucher die beste Zeit des Jahres — wenn man weiß, was einen erwartet und sich richtig vorbereitet.
Lohnt sich Tauchen in Ägypten im Winter?
Ja, definitiv — aber mit dem richtigen Equipment und den richtigen Erwartungen. Das Rote Meer ist auch im Winter deutlich wärmer als jedes mitteleuropäische Gewässer: Im Golf von Suez (Hurghada, Sharm el-Sheikh) kühlt das Wasser auf 22–24 °C ab, im Süden rund um Marsa Alam hält sich die Temperatur bei 24–26 °C. Ein 5mm-Neoprenanzug reicht vollkommen aus — Trockenanzüge sind hier fehl am Platz. Dafür warten halbleere Tauchboote, entspannte Guides und Preise, die im Hochsommer unvorstellbar wären.
Wassertemperatur im Roten Meer: Dezember bis März
Die Temperaturen variieren je nach Region deutlich. Im Norden (Sharm el-Sheikh, Dahab, Tiran-Straße) kühlt das Wasser am stärksten ab und erreicht im Februar seinen Tiefpunkt bei etwa 21–22 °C. Im Süden bleibt es milder: Marsa Alam, Elphinstone und die Fury Shoals liegen das ganze Jahr über zwischen 24 und 27 °C, weil der Einfluss des offenen Indischen Ozeans dort größer ist.
Die richtige Neopren-Stärke für den Winter
Meine klare Empfehlung für Ägypten im Winter: ein 5mm-Ganzanzug. Bei drei bis vier Tauchgängen täglich kühlt man zwischen den Tauchgängen auf dem windigen Deck ab — da macht die extra Millimeter einen spürbaren Unterschied. Zur Mahlzeit empfehle ich außerdem eine 3mm-Neoprenhaube: Über 30 % der Körperwärme geht über den Kopf verloren, und eine Haube macht bei 22 °C Wasser den Komfortunterschied zwischen einem guten und einem miserable Tauchtag. Füße warm halten ist ebenfalls wichtig — 5mm-Neoprenfüßlinge verhindern, dass man nach dem fünften Tauchgang mit eiskalten Zehen in Gummistiefeln wieder an Bord steigt. Welche Neopren-Stärke zu welchem Reisemonat passt, erkläre ich ausführlicher in meinem Guide zu Neoprenanzügen fürs Rote Meer.
Die drei größten Vorteile des Wintertauchens in Ägypten
1. Leere Spots und entspannte Tauchatmosphäre
Im August kämpfst du am Elphinstone-Riff mit zwölf anderen Booten um die besten Plätze an der Mooringboje. Im Dezember bist du mit etwas Glück der einzige. Das ist kein Übertreiben — ich habe am Elphinstone im Januar Tauchgänge gemacht, bei denen unsere Gruppe die einzige an der gesamten Riffspitze war. Das bedeutet: kein gegenseitiges Aufscheuchen der Tierwelt, kein Schlange stehen beim Abstieg, kein trübes Wasser von den Flossen dutzender Vortaucher. Der Guide hat Zeit, dir die kleinen Dinge zu zeigen, die im Hochsommer untergehen.
2. Hervorragende Sichtweite
Paradoxerweise sind die Sichtbedingungen im Winter im Roten Meer oft besser als im Sommer. Im Hochsommer sorgt Planktonblüte für milchige Sicht mit 10–15 m Reichweite. Im Winter dagegen ist das Wasser kristallklar — 25 bis 40 m Sichtweite sind keine Seltenheit, vor allem im Süden. Besonders beim Wracktauchen (Thistlegorm, Abu Nuhas) macht das einen enormen Unterschied: Wenn du von der Riffkante aus das komplette Wrack in einem Blick sehen kannst, entstehen Fotos, für die Sommertaucher töten würden.
3. Günstigere Preise und bessere Verfügbarkeit
Liveaboard-Preise im Dezember und Januar liegen oft 25–40 % unter dem Sommermaximum. Hotels mit Hausriff in Hurghada und Marsa Alam bieten Nebensaisontarife an, die im August undenkbar wären. Flüge nach Hurghada, Sharm el-Sheikh und Marsa Alam sind günstiger und die Auswahl an Last-Minute-Plätzen auf Safaribooten größer. Wer flexibel ist, kann im Januar eine Woche Liveaboard für denselben Preis buchen, den er im August für vier Tage zahlen würde.
Die besten Tauchspots im Winter
Marsa Alam: Die Winterkönigin
Marsa Alam ist meine erste Wahl für einen Wintertauchurlaub. Die Wassertemperatur bleibt hier das ganze Jahr über am mildesten, der Wind kommt seltener als im Norden, und die Tierwelt zeigt sich im Winter von ihrer besten Seite: Dugongs an Abu Dabbab, Schildkröten an Marsa Mubarak und die Longimanus-Haie am Elphinstone sind zu dieser Jahreszeit noch aktiv. Der Hafen in Marsa Alam hat außerdem kaum internationale Touristenmassen — du landest fast direkt am Tauchspot.
Hurghada und die Wracks: Winterparadies für Wracktaucher
Die Wracks rund um Hurghada — Abu Nuhas mit Giannis D und Carnatic, das Thistlegorm — sind im Winter ein Traum. Die Sichtweite im klaren Winterwasser macht die Wrackarchitektur so beeindruckend, dass ich manche Wracks erst wirklich verstanden habe, als ich sie im Januar statt im Juli besucht habe. El Gouna als Basis funktioniert auch im Winter hervorragend — die Tagesboot-Angebote zu Abu Nuhas und dem Thistlegorm laufen das ganze Jahr.
Sharm el-Sheikh und Ras Mohammed: Kälter, aber atemberaubend
Sharm ist im Winter die anspruchsvollste Region: 21–22 °C sind spürbar kühl, wenn man mehrfach täglich taucht. Für Erfahrene, die mit 5mm-Anzug und Haube gut vorbereitet sind, bietet Ras Mohammed im Winter aber Eindrücke, die kaum zu überbieten sind. Die berühmte Shark Reef / Yolanda Reef-Kombination ohne Touristenandrang, die Tiran-Straße mit ihrer Strömung und das dramatische Riff-Panorama — das ist Weltklasse-Tauchen, für das es im August Massenaufläufe gibt.
Welche Tierwelt erwartet dich im Winter?
Eine häufige Sorge von Wintertauchern: Zieht die Tierwelt ab, wenn es kühler wird? Die Antwort: Nein — sie wechselt nur. Die großen pelagischen Haie (Hammerhaie, Longimanus) werden im Herbst seltener, aber Riffhaie, Weißspitzen-Riffhaie und Adlerrochen bleiben das ganze Jahr. Schildkröten sind ganzjährig aktiv. Napoleonfische, Feuerfische und alle Riffbewohner interessiert die Wintertemperatur kaum — sie bleiben an ihren Hausriffen. Was wirklich gewinnt: die Invertebratendichte. Nudibranchen, Krevetten und Kleinkrebse, die sich im Plankton des Sommers verstecken, sind im klaren Winterwasser leichter zu finden und zu fotografieren.
Marcs Wintertipp
"Im Januar bin ich in Marsa Alam morgens um 7 Uhr ins Wasser — allein am gesamten Hausriff. 26 °C, 30 m Sicht, ein Dugong 15 m vor mir im Seegras. Kein anderer Taucher in Sichtweite. Das ist die Art von Erfahrung, für die man im August drei Jahresgehälter bezahlen würde und sie trotzdem nicht bekommt."
Was du im Winter beachten solltest
Winter im Roten Meer bedeutet auch mehr Wind, besonders im Golf von Suez. Schnellboote können bei starkem Wind (Beaufort 4–5) ausfallen oder in andere Reviere umgeleitet werden. Für Liveaboards ist das weniger relevant — das Safariboot sucht windgeschützte Ankerplätze und passt die Route an. Als Tagesausflugs-Taucher solltest du in der Hauptsaison (August) keine Tauchgänge aus witterungsbedingten Gründen verpassen, im Winter aber 1–2 Ersatztage einplanen. Die Lufttemperatur tagsüber ist angenehm (25–28 °C), aber der Wind kühlt auf dem Bootsdeck ab — eine windabweisende Jacke über dem Neopren ist Pflicht. Welcher Winter-Monat die beste Balance aus Wasser-, Luft- und Windtemperatur bietet, findest du in meiner Reisezeitenübersicht für Ägypten-Taucher.
Liveaboard oder Tagestauchen im Winter?
Im Winter sprechen besonders viele Argumente für ein Liveaboard: Die Preise sind deutlich günstiger als im Sommer, die Boote sind weniger ausgebucht und die Crew hat mehr Zeit für einzelne Gäste. Gleichzeitig kann man als Liveaboard-Gast die Route flexibel an die Wetterbedingungen anpassen — wenn im Norden starker Wind herrscht, fährt man Richtung Süden zu den Brothers oder dem St. Johns-Riff, wo es windstiller ist. Tagesausflugs-Taucher haben dagegen weniger Flexibilität, bekommen aber günstige Tagesboot-Tickets und können ihren Urlaubsort bequem im Hotel lassen. Für Einsteiger empfehle ich im Winter Marsa Alam als Basis mit Tagesbooten: Warmeres Wasser, weniger Wind, perfekte Hausriffe.
Häufige Fragen
Wie kalt ist das Wasser in Ägypten im Winter?+
Im Norden (Hurghada, Sharm el-Sheikh) kühlt das Rote Meer im Winter auf 21–23 °C ab, im Süden (Marsa Alam) bleibt es bei 24–26 °C. Zum Vergleich: Das wärmste Nordsee-Wasser im August liegt bei 20 °C. Ein 5mm-Neoprenanzug reicht für mehrere Tauchgänge täglich vollkommen aus — einen Trockenanzug braucht kein Mensch im Roten Meer.
Welchen Neopren-Anzug brauche ich für Ägypten im Winter?+
Ich empfehle einen 5mm-Ganzanzug plus eine 3mm-Neoprenhaube. Die Haube verhindert, dass du bei mehrfachem Tauchen täglich über den Kopf auskühlt — das macht bei 22 °C Wasser den entscheidenden Komfortunterschied. Füßlinge in 5mm sind ebenfalls sinnvoll. Ein 3mm-Anzug reicht für Gelegenheitstaucher im Süden noch aus, bei vier Tauchgängen täglich wird er aber zu dünn.
Was kostet ein Liveaboard in Ägypten im Winter?+
Winterpreise liegen 25–40 % unter den Sommermaximum-Preisen. Eine gute 7-Tage-Safari kostet im Januar je nach Boot und Route 700–1.200 Euro (Vollpension, 3–4 Tauchgänge täglich inklusive). Im August zahlt man für dieselben Boote oft 1.000–1.800 Euro. Dazu kommen meist günstigere Flugpreise aus Deutschland.
Ist die Sichtweite im Winter schlechter als im Sommer?+
Im Gegenteil: Im Winter ist die Sichtweite oft besser. Im Sommer sorgt Planktonblüte für milchige Sicht von 10–15 m. Im Winter ist das Wasser kristallklar — 25–40 m Sichtweite sind keine Seltenheit. Besonders für Wracktauchen (Thistlegorm, Abu Nuhas) sind die Winterbedingungen ideal, weil die komplette Wrackarchitektur in einem Blick erfassbar ist.
Welche Tiere sieht man im Winter im Roten Meer?+
Riffhaie, Weißspitzen-Riffhaie, Adlerrochen, Schildkröten, Napoleonfische und alle Riffbewohner sind ganzjährig aktiv. Hammerhaischwärme sind von Oktober bis März seltener. Was im Winter gewinnt: klares Wasser macht Makro-Tiere (Nudibranchen, Feuerfische, Krebse) leichter sichtbar. Dugongs an Abu Dabbab in Marsa Alam sind das ganze Jahr zu sehen.
