Der PADI Deep Diver Specialty Rotes Meer Kurs öffnet dir Elphinstone & Daedalus bis 40 m. Ablauf, Kosten und Sicherheit von Marc erklärt.
Auf einen Blick
- Ort: Marsa Alam oder Sharm el-Sheikh, meist mit Daytrip/Liveaboard zu Elphinstone & Daedalus Reef
- Tiefe: 18–40 m an vier Tauchgängen
- Dauer: 2–3 Tage
- Kosten: ca. 300–450 €, kombinierbar mit Nitrox
- Beste Reisezeit: April–Juni und September–November
Was der PADI Deep Diver Specialty Kurs bringt
Der PADI Deep Diver Specialty Kurs bringt dir kontrolliertes Narkose-Management, sichere Tieforientierung und einen klaren Notfallplan für Tauchgänge zwischen 18 und 40 Metern. Er öffnet dir damit Spots wie Elphinstone Reef und Daedalus Reef im Roten Meer, die Guides ohne diese Zertifizierung aus gutem Grund nicht anbieten. In drei bis vier Tauchgängen lernst du genau das, was zwischen "ich darf" und "ich kann sicher" den Unterschied macht.
Ich tauche seit über 15 Jahren im Roten Meer und habe genug Leute an der 30-Meter-Marke beobachtet, die zwar die nötige Zertifizierung besaßen, aber nie geübt hatten, wie sich Stickstoffnarkose eigentlich anfühlt. Genau diese Lücke schließt der Kurs. Du lernst dabei nicht nur, tief zu tauchen. Du lernst vor allem, deine eigenen Grenzen in der Tiefe realistisch einzuschätzen, bevor es ein Problem wird.
Voraussetzungen für den Kurs
Du brauchst die PADI Advanced Open Water Zertifizierung (oder ein vergleichbares Brevet eines anderen Verbandes) und musst mindestens 15 Jahre alt sein. Rund 20 bis 25 geloggte Tauchgänge solltest du mitbringen, auch wenn PADI formal keine feste Zahl vorschreibt. Die meisten Tauchbasen im Roten Meer verlangen das trotzdem aus eigener Erfahrung, damit du beim ersten 30-Meter-Tauchgang nicht gleichzeitig noch mit der Tarierung kämpfst.
Was ich jedem empfehle, der es ernst meint: Mach vorher den Nitrox-Kurs. Mit angereicherter Luft hast du bei den Referenztiefen des Deep Diver Kurses mehr Nullzeit und eine geringere Stickstoffbelastung, was gerade bei zwei bis drei Tauchgängen am Tag im Roten Meer einen echten Unterschied macht. Ob sich die Zertifizierung für dich lohnt und was sie kostet, habe ich in meinem Artikel zum Nitrox-Kurs im Detail aufgeschrieben.
So läuft der Kurs ab
Der Deep Diver Specialty besteht aus Theorie-Einheiten am ersten Tag und drei bis vier Tauchgängen in steigender Tiefe, typischerweise 18, 26, 30 und als Abschluss 40 Meter. In der Theorie geht es um Gasphysik, Dekompressionstabellen bei Tieftauchgängen, Narkose-Erkennung und Notfallprotokolle. Das klingt trocken, ist aber der Teil, der dir später am Riff tatsächlich das Leben erleichtert.
Im Wasser übst du gezielte Skills: Tieforientierung ohne visuelle Referenzen, das bewusste Wahrnehmen von Farbverlust in der Tiefe (Rot verschwindet schon ab etwa 5 Metern, Orange und Gelb folgen), einfache Rechenaufgaben zur Einschätzung deiner kognitiven Leistungsfähigkeit unter Narkose-Einfluss und das Durchspielen von Notfallszenarien wie Luftnot oder Verlust des Tauchpartners auf 30 Metern. Jeder Tauchgang wird am Boot ausführlich gebrieft und nachbesprochen. Genau hier merkst du, ob dein Guide wirklich Erfahrung mit Tieftauchgängen hat oder nur den Kurs auf dem Papier abhakt.
Stickstoffnarkose & Tiefenrausch verstehen
Stickstoffnarkose entsteht durch den erhöhten Partialdruck von Stickstoff in der Tiefe und wirkt ähnlich wie Alkohol: Sie beginnt oft schon ab 20 Metern mit leichter Euphorie oder Kribbeln und kann ab 30 bis 40 Metern zu verzögerten Reaktionen, Tunnelblick und Fehleinschätzungen führen, wobei die Stärke von Taucher zu Taucher unterschiedlich und kaum verlässlich vorhersagbar ist. Deshalb testet der Kurs das unter Aufsicht, nicht als Mutprobe, sondern damit du deine persönliche Reaktion kennst, bevor du ohne Instructor unterwegs bist.
Was viele unterschätzen: Auch der Druckausgleich wird in der Tiefe anstrengender, weil sich der Druckunterschied pro Meter mit zunehmender Tiefe zwar nicht ändert, aber Verspannung und eine hastige Abstiegsgeschwindigkeit schneller zu Problemen führen. Wenn du beim Abtauchen regelmäßig Druck auf den Ohren spürst oder dein Ausgleich nicht zuverlässig klappt, lies dir vorher meine Techniken zum Druckausgleich durch. In der Tiefe ist dafür keine Zeit mehr, das muss vorher sitzen.
Profi-Tipp von Marc
"Mach den ersten 40-Meter-Tauchgang nicht am ersten Urlaubstag. Ich lasse meine Kursteilnehmer immer erst zwei, drei Gewöhnungstauchgänge im Flachwasser machen, bevor wir überhaupt zur tiefen Referenzstrecke fahren. Wer am Jetlag-Tag gleich auf 40 Meter will, merkt seine eigene Stickstoffnarkose oft gar nicht mehr richtig. Genau das ist der gefährliche Punkt."
Beste Spots im Roten Meer für Tieftauchgänge
Elphinstone Reef vor Marsa Alam ist für mich der Referenzspot für den Deep Diver Kurs: zwei Steilwände, die bis auf über 60 Meter abfallen, mit Sichtweiten von meist 25 bis 35 Metern und guten Chancen auf Graue Riffhaie und saisonal Hammerhaie an der Nordspitze. Erreichbar ist er über Daytrips aus Marsa Alam oder als Stopp auf einem Süd-Liveaboard. Bei Wind von Norden kann die Anfahrt aber ruppig werden, das solltest du bei der Buchung einplanen.
Daedalus Reef, weiter draußen in der offenen See zwischen Marsa Alam und Hurghada, ist nur per Liveaboard erreichbar und bietet noch dramatischere Abhänge sowie regelmäßige Hammerhai-Sichtungen in der Blauwasserzone jenseits von 30 Metern. Beide Spots verlangen Erfahrung mit Strömung und offenem Wasser, genau das Profil, für das der Deep Diver Kurs dich vorbereitet. Wasser- und Wetterbedingungen sind von April bis Juni und September bis November meist am stabilsten, mit Wassertemperaturen von 24 bis 28 °C, bei denen ein 3-mm-Neoprenanzug völlig ausreicht.
Sicherheit & Ausrüstung für Tieftauchgänge
Auf 40 Metern verzeiht dir die Ausrüstung weniger Fehler als auf 12 Metern beim Anfängertauchgang. Drei Dinge gehören für mich zur Pflichtausstattung, sobald du regelmäßig in diesen Tiefenbereich gehst. Und das sage ich nicht, weil es sich gut liest, sondern weil ich genau diese drei Situationen schon selbst hatte.
Erstens ein Tauchcomputer mit verlässlichem Dekompressions-Algorithmus für Tieftauchgänge und Nitrox-Unterstützung. Ich tauche für genau diesen Einsatzbereich meinen Shearwater Tern, weil er die Dekompressionsstopps bei wechselnden Tiefenprofilen zuverlässig nachrechnet und auch bei Nitrox-Gemischen korrekt anzeigt. Für den Einstieg reicht aber auch ein günstigerer Computer mit Nitrox-Modus. Wichtig ist nur, dass er speziell für Tieftauchgänge ausgelegt ist und nicht nur ein einfacher Freizeit-Rechner ohne anpassbare Algorithmen.
Zweitens eine Signalboje mit Abrollspule, Pflicht bei jedem Tauchgang an offenen Riffwänden wie Elphinstone. Ohne SMB wirst du vom Boot aus an der Oberfläche schlicht nicht gefunden, wenn dich die Strömung ein Stück versetzt hat. Ich nutze dafür ein SMB-Set mit Abrollspule für rund 25 bis 35 €, das sich auch mit Handschuhen noch gut bedienen lässt. Worauf du beim Kauf achten solltest: eine Spule mit Rutschsicherung, damit sie sich beim Aufsteigen nicht unkontrolliert abrollt.
Drittens eine kompakte Backup-Lichtquelle, selbst bei Tagestauchgängen. In 35 bis 40 Metern Tiefe ist das Licht schon deutlich gedämpft, und Farben kippen ins Blaugrün. Eine zweite Lampe hilft beim Blick in Spalten und rettet dich, falls die Hauptlampe ausfällt. Für diesen Zweck reicht eine kleine, robuste Backup-Lampe wie die Wurkkos DL30 mit rund 3.600 Lumen, die klein genug ist, um sie dauerhaft am BCD zu befestigen.
Kosten & Dauer des Kurses
Der PADI Deep Diver Specialty Kurs kostet im Roten Meer meist zwischen 300 und 450 € und dauert zwei bis drei Tage, je nachdem ob die Tauchbasis die vier Tauchgänge auf zwei oder drei Tage verteilt. Im Preis enthalten sind in der Regel Leihausrüstung, Bootstransfers zu den tieferen Spots und das Zertifizierungsmaterial, Flasche und Blei zählen bei fast allen Basen ohnehin zur Grundausstattung. Nicht enthalten sind meist Nitrox-Füllungen, falls du den Kurs (was ich empfehlen würde) direkt mit Nitrox kombinierst, das kostet dann noch einmal 5 bis 10 € pro Füllung extra.
Rechne bei Elphinstone oder Daedalus zusätzlich mit Daytrip- oder Liveaboard-Kosten, die separat von der Kursgebühr anfallen. Wer beides kombiniert (Deep Diver und Nitrox) spart meist, weil viele Basen ein Bundle für beide Specialties anbieten und sich die Theorie-Einheiten teilweise überlappen.
Häufige Fragen zum Deep Diver Specialty Kurs
Häufige Fragen
Wie viele Tauchgänge sollte ich vor dem Deep Diver Specialty schon haben?+
PADI schreibt keine feste Mindestzahl vor, nur die Advanced Open Water Zertifizierung. In der Praxis verlangen die meisten Tauchbasen im Roten Meer aber 20 bis 25 geloggte Tauchgänge, damit du dich auf 30 Metern nicht gleichzeitig noch mit der Tarierung beschäftigen musst.
Ab welchem Alter kann ich den Deep Diver Specialty Kurs machen?+
Das Mindestalter liegt bei 15 Jahren. Jüngere Taucher können die Advanced Open Water Zertifizierung zwar schon mit 12 Jahren erwerben, für den Deep Diver Kurs mit Tauchgängen bis 40 Meter gilt aber die Altersgrenze von 15 Jahren weltweit.
Wie groß ist das Risiko eines Tiefenrausches?+
Stickstoffnarkose kann bei jedem Taucher unterschiedlich stark auftreten, oft schon ab 20 Metern mit leichter Euphorie. Das Risiko ist beherrschbar, wenn du langsam absteigst, deine persönliche Reaktion im Kurs unter Aufsicht kennenlernst und bei ersten Symptomen kontrolliert aufsteigst statt weiterzutauchen.
Was ist der Unterschied zwischen Deep Diver Specialty und Advanced Open Water?+
Der Advanced Open Water enthält nur einen einzigen Tieftauchgang bis maximal 30 Meter als Pflichtmodul. Der Deep Diver Specialty vertieft das mit drei bis vier Tauchgängen bis 40 Meter, eigener Theorie zu Narkose und Dekompression sowie gezieltem Training von Notfallszenarien in der Tiefe.
Wann ist die beste Reisezeit für Elphinstone und Daedalus Reef?+
Am stabilsten sind die Bedingungen von April bis Juni und von September bis November, mit ruhigerer See und guter Sicht von 25 bis 35 Metern. Im Hochsommer und Winter kann starker Wind aus Norden die Anfahrt zu beiden Spots erschweren oder Trips absagen lassen.
