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Druckausgleich beim Tauchen: Techniken gegen Ohrenprobleme
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Einsteiger 01. August 2026 Marc 9 Min. Lesezeit

Druckausgleich beim Tauchen: Techniken gegen Ohrenprobleme

Druckausgleich beim Tauchen: Valsalva vs. Frenzel einfach erklärt. Warum Ohrenprobleme der häufigste Abbruchgrund sind – und wie du es richtig machst.

Auf einen Blick

  • Drei Techniken: Valsalva (Nase + Mund zu, leicht pusten), Frenzel (Zungenstoß), Toynbee (schlucken mit zugehaltener Nase)
  • Goldene Regel: Früh und häufig ausgleichen — niemals bis zum Schmerz warten
  • Bei Erkältung: Lieber einen Tauchtag ausfallen lassen als ein Barotrauma riskieren
  • Häufigster Fehler: Zu schnell abtauchen ohne kontinuierlichen Ausgleich
  • Prävention: Ear-Pro-Ohrenspray vor und nach dem Tauchen schützt den Gehörgang

Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten Kurs: Fünf Meter unter der Oberfläche, und plötzlich zieht es mich so am rechten Ohr, dass ich instinktiv zurücktauche. Druckausgleich war damals etwas, das mein Divemaster mir mal kurz erklärt hatte — aber unter Wasser vergisst man alles, was man oben nur halb verstanden hat. Heute, nach über 2.000 Tauchgängen im Roten Meer, ist der Druckausgleich so selbstverständlich wie das Atmen. Ich gleiche alle 30 bis 50 Zentimeter aus, bevor ich auch nur das Geringste spüre. Diese Automatik kann jeder lernen — es braucht nur das richtige Verständnis und etwas Übung.

Was ist der Druckausgleich beim Tauchen?

Der Druckausgleich beim Tauchen ist das gezielte Öffnen der Eustachischen Röhren, damit der Luftdruck im Mittelohr mit dem steigenden Wasserdruck gleichzieht. Schon bei einem Meter Tiefe lastet 0,1 Bar Überdruck auf dem Trommelfell. Bei fünf Metern sind es 0,5 Bar, bei zehn Metern ein ganzes Bar extra. Ohne Ausgleich wölbt sich das Trommelfell schmerzhaft nach innen — das Ergebnis ist der typische Druckschmerz, den Anfänger kennen. Länger ignoriert, droht ein Barotrauma: Risse im Trommelfell, Einblutungen oder Schäden am Innenohr. Der Druckausgleich ist deshalb keine optionale Komforttechnik — er ist die Grundvoraussetzung für sicheres Tauchen.

Die Eustachische Röhre ist eine enge Verbindung zwischen dem Mittelohr und dem Rachen. Im Alltag öffnet sie sich reflexartig beim Schlucken oder Gähnen — das kennst du vom Druckgefühl im Ohr beim Bergauffahren oder beim Start im Flugzeug. Beim Tauchen muss man diesen Vorgang aktiv herbeiführen, weil der Druckanstieg zu schnell und zu stark ist, um ihn passiv auszugleichen.

Warum Ohrenprobleme so viele Taucher stoppen

Barotrauma — wenn man zu lange wartet

Ohrenschmerzen beim Abtauchen sind das Alarmsignal, das die meisten Anfänger viel zu lange ignorieren. Das klassische Szenario: Man spürt bei drei Metern etwas, taucht weiter, bei fünf Metern zieht es stärker, und bei sieben Metern ist der Schmerz so heftig, dass man hochmuss. Wer diesen Punkt überschreitet, riskiert ein Barotrauma: Das Trommelfell reißt ein, kühles Seewasser strömt ins Mittelohr und löst einen heftigen Drehschwindel aus. Das ist nicht nur schmerzhaft — unter Wasser verliert man sofort die Orientierung und kann nicht mehr kontrolliert auftauchen. Ein Barotrauma heilt meistens von selbst, aber es dauert Wochen, kostet teure Tauchtage und kann in schweren Fällen einen operativen Eingriff erfordern.

Der häufigste Fehler ist einfach: Man wartet zu lange. Die Schmerzgrenze ist keine Ampel für den richtigen Ausgleichszeitpunkt — sie ist das Signal, dass man ihn bereits verpasst hat. Korrekt ist: ausgleichen, bevor man irgendetwas spürt. Also in den ersten Zentimetern des Abtauchens, und dann alle 30 bis 50 Zentimeter weiter.

Wenn die Eustachische Röhre blockiert ist

Manche Menschen haben von Natur aus engere Eustachische Röhren und müssen einfach mehr Geduld und Technik einsetzen als andere. Kritisch wird es jedoch bei Erkältungen, Sinusitis oder Allergien: Die Schleimhäute um die Röhren schwellen an und blockieren die Verbindung vollständig. In diesem Zustand ist kein Druckausgleich möglich, egal wie sehr man es versucht — und tauchen bedeutet ein sicheres Barotrauma. Ich habe auf Safaris schon Leute gesehen, die mit Otrivin und Aspirin im Vollrausch versucht haben, doch noch tauchen zu können. Das ist keine gute Idee. Ein Tauchtag ist es nie wert.

Die drei wichtigsten Druckausgleich-Techniken

Das Valsalva-Manöver — der Klassiker für Einsteiger

Das Valsalva-Manöver ist die weltweit am häufigsten gelehrte Technik, weil sie intuitiv und einfach zu erklären ist: Nase zuhalten, Mund schließen, und dann sanft so tun, als wollte man ausatmen. Der entstehende Luftdruck presst sich in die Eustachischen Röhren und öffnet sie. Du hörst oder spürst ein leises Knacken oder Klicken im Ohr — das Zeichen, dass der Ausgleich funktioniert hat.

Das Wichtigste dabei: sanft. Wer beim Valsalva zu viel Kraft einsetzt, kann einen zu hohen Druck in die Innenohrschnecke pressen und ein sogenanntes umgekehrtes Barotrauma auslösen. Die Faustregel: Wenn du bei leichtem Druck kein Knacken bekommst, schwimm 30 Zentimeter zurück nach oben und versuche es dort erneut. Niemals pressen.

Das Frenzel-Manöver — die professionellere Methode

Das Frenzel-Manöver ist technisch anspruchsvoller, aber für das Ohr schonender und in tieferen Lagen deutlich effizienter. Anstatt Bauchdruck zu nutzen, aktivierst du beim Frenzel gezielt den Zungenrücken und den Kehlkopf: Nase zuhalten, Mund schließen, dann den Kehlkopf verschließen (wie wenn du K oder G formst) und die Zunge nach oben gegen den Gaumen schnellen lassen. Diese Bewegung erzeugt einen sehr präzisen, kontrollierten Druckimpuls — ohne Belastung der Lunge.

Freediver nutzen ausschließlich Frenzel, weil das Valsalva bei hohem Umgebungsdruck in der Tiefe schlicht nicht mehr funktioniert: Die Lunge ist zu klein komprimiert, um noch Druck zu erzeugen. Für Sporttaucher ist Frenzel eine sehr gute Alternative, die sich vor allem dann auszahlt, wenn man schneller abtauchen möchte oder häufig Probleme mit Valsalva hat. Das Erlernen dauert etwas länger — ich empfehle, die Zungenbewegung zunächst an Land vor dem Spiegel zu üben, bis sie sitzt.

Toynbee-Manöver und weitere Methoden

Das Toynbee-Manöver kombiniert das Zuhalten der Nase mit einer Schluckbewegung. Das Schlucken öffnet die Eustachische Röhre kurz, während der geschlossene Nasengang einen leichten Druckunterschied erzeugt. Es funktioniert vor allem beim Auftauchen, wenn sich im Mittelohr ein leichter Überdruck aufgebaut hat, der abgelassen werden muss. Als alleinige Abtauchtechnik reicht es in tieferen Lagen meist nicht aus.

Weitere natürliche Methoden wie einfaches Schlucken, Gähnen oder seitliche Kieferbewegungen (Jaw Thrust) können in den ersten ein bis zwei Metern helfen und sind gut als Vorbereitung vor dem Abtauchen geeignet. In mittleren und größeren Tiefen sind sie keine verlässliche Technik.

Schritt für Schritt: So lernst du den Druckausgleich

Die gute Nachricht: Druckausgleich ist eine Motorik wie Fahrradfahren — einmal wirklich gelernt, verlernt man es nicht mehr. So gehst du vor:

  • An Land üben: Halte die Nase zu und versuche ganz sanft auszublasen, ohne Mund zu öffnen. Du solltest das Knacken in den Ohren spüren. Kein Kraftaufwand nötig — wenn es beim ersten sanften Versuch nicht klappt, kurz schlucken und nochmals versuchen.
  • Im Schwimmbad oder der Wanne: Tauche den Kopf ins Wasser und gleiche bei 20 bis 30 Zentimetern Tiefe aus. So gewöhnst du dich an das Timing im Wasser, ohne Druck.
  • Im Kurs nicht verstecken: Beim PADI Open Water übst du Druckausgleich in den Confined Water Tauchgängen. Sag deinem Divemaster sofort, wenn du Probleme hast — das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von gutem Selbstmanagement. Divemaster haben Techniken, die im Unterricht oft nicht erklärt werden.
  • Beim Abtauchen früh starten: Gleiche aus, bevor du auch nur das Geringste spürst. In den ersten zehn Zentimetern unter der Oberfläche, und dann rhythmisch alle 30 bis 50 Zentimeter weiter.
  • Wenn es klemmt: Stop. 30 Zentimeter zurück nach oben. Schlucken, neu versuchen. Nie mit Schmerzen weitertauchen — wirklich nie.

Profi-Tipp von Marc

"Der größte Fehler, den ich bei Anfängern immer wieder sehe: Sie warten auf den Schmerz als Signal. Der Schmerz bedeutet aber, dass es schon zu spät ist. Ich fange meinen Druckausgleich buchstäblich an, bevor mein Gesicht die Wasseroberfläche berührt hat — Valsalva beim Aufsetzen der Maske. Dann nochmals bei 20 Zentimetern, bei einem halben Meter, bei einem Meter. Mit dieser Routine habe ich in 2.000 Tauchgängen nie wieder Ohrschmerzen gehabt."

Wenn der Ausgleich einfach nicht klappt — Ursachen und Lösungen

Manche Tage sind schlecht. Das kennt jeder Taucher. Die häufigsten Ursachen und was wirklich hilft:

  • Erkältung oder Allergie: Abgeschwollene Schleimhäute als einzige Lösung. Dekongestiva (Nasentropfen) können kurzfristig helfen, aber der Reboundereffekt ist gefährlich: Klingen die Tropfen beim Tauchen ab, schwillt die Schleimhaut schnell wieder an — manchmal im schlechtesten Moment. Lieber an Land bleiben.
  • Zu schnelles Abtauchen: Verlangsame deinen Abstieg. Halte dich an der Leine und nimm dir Zeit. Viele Probleme lösen sich allein durch langsameres Abtauchen.
  • Kopfhaltung: Ein nach vorne geneigter Kopf (typisch beim Kopf-unten-Abtauchen) macht den Ausgleich schwerer. Tauche mit einem leicht rückwärts geneigten Kopf, oder drehe den Kopf abwechselnd links und rechts — das öffnet die Röhren mechanisch etwas.
  • Anspannung: Stress führt zu Muskelkontraktionen rund um die Eustachische Röhre. Wenn du merkst, dass du angespannt bist, halte kurz auf einem Tiefenlevel inne, atme ruhig und entspanne bewusst den Kiefer.

Wer regelmäßig taucht — zum Beispiel auf einer Tauchsafari mit drei bis vier Tauchgängen täglich — sollte auch an den Gehörgang selbst denken. Salzwasser verändert das natürliche pH-Milieu im Gehörgang und macht ihn anfälliger für bakterielle Entzündungen (Otitis externa, auch Schwimmerohr genannt). Diese Entzündung hat nichts mit dem Druckausgleich zu tun, ist aber extrem unangenehm und kann eine ganze Safari ruinieren.

Meine Präventionsroutine auf jeder Safari: Ich sprühe vor dem ersten Tauchgang des Tages und nach dem letzten ein paar Stöße Ear Pro Ohrenspray in jeden Gehörgang. Das Spray schafft eine leichte Schutzbarriere, die Bakterien und Pilzen den Eintritt erschwert. Seit ich das konsequent mache, hatte ich kein einziges Schwimmerohr mehr — vorher war es fast auf jeder längeren Safari ein Thema.

Ausrüstung, die indirekt beim Druckausgleich hilft

Der Druckausgleich selbst ist kostenlos — er passiert in deinem Körper. Aber zwei Ausrüstungsgegenstände helfen indirekt:

Ein Tauchcomputer zeigt dir unter anderem deine Abstiegsgeschwindigkeit an. Wer zu hastig abtaucht, sieht das sofort an schnell wachsenden Tiefenwerten — ein Hinweis, die Beine kurz stillzuhalten. Für Einsteiger empfehle ich die Cressi Leonardo: Sie ist übersichtlich, einfach zu bedienen und zeigt Tiefe und Abstiegsrate klar an. Ein gleichmäßiger Abstieg von maximal 18 Metern pro Minute gibt deinen Ohren die Zeit, die sie für einen entspannten Druckausgleich brauchen.

Das Fundament für alle weiteren Fortschritte ist eine solide Grundausbildung. Im PADI Open Water Kurs in Ägypten lernst du Druckausgleich in sicherer Umgebung mit einem Instructor der dir sofort Feedback geben kann. Und wer wissen will, was in Ägypten sonst noch auf Einsteiger wartet, findet alle wichtigen Informationen in meinem Anfänger-Guide fürs Tauchen in Ägypten.

Häufige Fragen

Wie mache ich den Druckausgleich beim Tauchen richtig?+

Die einfachste Methode ist das Valsalva-Manöver: Nase zuhalten, Mund schließen und leicht so tun, als würdest du ausatmen. Ein sanftes Knacken im Ohr signalisiert den erfolgreichen Ausgleich. Wichtig: Früh anfangen (schon bei 20–30 cm Tiefe), regelmäßig wiederholen (alle 30–50 cm) und nie bis zum Schmerz warten. Bei tieferen Tauchgängen ist das Frenzel-Manöver mit gezieltem Zungenstoß die professionellere Alternative.

Was tun, wenn der Druckausgleich nicht klappt?+

Sofort 30 Zentimeter nach oben schwimmen, einmal schlucken und es erneut versuchen. Wenn es dann immer noch nicht klappt, den Tauchgang für diesen Tag abbrechen. Niemals mit Schmerzen weitertauchen — das ist der sicherste Weg zum Barotrauma. Häufige Ursachen: zu schnelles Abtauchen, Erkältung, Anspannung oder ein nach vorne geneigter Kopf.

Darf ich mit Erkältung tauchen?+

Nein. Bei einer Erkältung oder Sinusitis sind die Schleimhäute rund um die Eustachischen Röhren angeschwollen — ein Druckausgleich ist dann kaum möglich. Das Ergebnis wäre fast sicher ein Barotrauma. Dekongestiva (Nasentropfen) können kurzfristig helfen, sind aber gefährlich, weil sie mitten im Tauchgang nachlassen können. Lieber einen Tauchtag ausfallen lassen.

Was ist der Unterschied zwischen Valsalva und Frenzel?+

Beim Valsalva-Manöver erzeugst du Druck über die Bauchmuskulatur — einfach zu lernen, aber bei hohem Umgebungsdruck in der Tiefe weniger effektiv. Das Frenzel-Manöver nutzt stattdessen eine gezielte Bewegung von Zunge und Kehlkopf, was schonender und in der Tiefe effektiver ist. Freediver tauchen ausschließlich mit Frenzel. Für Sporttaucher ist Valsalva als Einstieg vollkommen ausreichend.

Hilft Ohrenspray beim Tauchen wirklich?+

Ohrenspray wie Ear Pro schützt nicht den Druckausgleich selbst, sondern den Gehörgang vor Entzündungen (Schwimmerohr). Bei regelmäßigem Tauchen — besonders auf Safaris mit mehreren Tauchgängen täglich — verändert Salzwasser das pH-Milieu im Gehörgang und erhöht das Infektionsrisiko. Ein paar Sprühstöße vor dem ersten und nach dem letzten Tauchgang des Tages wirken prophylaktisch.

Über den Autor

🤿

Marc

PADI Divemaster · Rotes Meer

Seit Jahren tauche ich im Roten Meer und kenne jeden Spot, jede Strömung. Mein Ziel: dir den perfekten Tauchurlaub zu ermöglichen.

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