Liveaboard Tagesablauf an Bord im Roten Meer: Von 5:30 Uhr Frühstart bis Nachttauchgang – so sieht ein typischer Safari-Tag aus Marcs Erfahrung aus.
Auf einen Blick
- Ort: Rotes Meer, Ägypten – Sharm el-Sheikh, Hurghada oder Marsa Alam als Abfahrthafen
- Tauchgänge pro Tag: 3–4 (plus optionaler Nachttauchgang)
- Wasser: 22–28 °C, Sichtweite 20–40 m – weltklasse
- Beste Reisezeit: Oktober–April für ruhige See und optimale Sichtweiten
- Neopren: 3 mm ganzjährig, im Winter evtl. 5 mm
Wie sieht ein typischer Liveaboard-Tag im Roten Meer aus?
Ein typischer Liveaboard-Tag im Roten Meer beginnt um 5:30 Uhr mit dem ersten Tauchgang noch vor dem Frühstück, gefolgt von einem zweiten Tauchgang am Vormittag, einer Mittagspause mit Ruhe und Planung, einem dritten Tauchgang am Nachmittag und – nach Abendessen und Briefing – einem optionalen Nachttauchgang. Das ergibt drei bis vier Tauchgänge täglich, zwischen 45 und 80 Minuten pro Gang, bei Wassertemperaturen von 22–28 °C und Sichtweiten bis 40 Metern. Kein anderer Urlaub bringt dir so viel Unterwasserzeit in so kurzer Zeit.
Ich habe diesen Rhythmus auf über 40 Safaris im Roten Meer gelebt – von den Brothers bis Daedalus, von Elphinstone bis Abu Nuhas. In diesem Artikel nehme ich dich Stunde für Stunde mit durch einen vollständigen Safari-Tag, damit du weißt, was dich erwartet, und bestens vorbereitet an Bord gehst.
5:30 Uhr – Frühstart vor dem Sonnenaufgang
Wenn der Wecker um halb sechs klingelt, ist der Horizont noch dunkelblau. An Deck riecht es nach Salz und frischem Kaffee – den stellt die Crew immer bereit, bevor die Taucher aufwachen. Das Briefing für den ersten Tauchgang findet meist um 5:45 Uhr statt: Spot, Tiefe, Strömungsrichtung, besondere Tierarten. Kurz und präzise. Dann geht es ins Wasser.
Der Frühstart hat einen handfesten Grund: Das Licht ist in den ersten Stunden nach Sonnenaufgang unvergleichlich. Die Sonne steht flach, die Strahlen brechen durch das kristallklare Rote Meer und tauchen das Riff in Gold. Viele Tiere sind in den frühen Morgenstunden am aktivsten – Haie patrouillieren, Adlerrochen ziehen in Formation, Barrakuda-Schulen hängen reglos im Strömungsschatten.
Der erste Tauchgang im Morgenlicht
Der erste Tauchgang des Tages ist für mich meistens der stärkste. Die Tiefe liegt je nach Spot zwischen 18 und 30 Metern, die Nullzeit ist frisch und das Gewebe unbelastet. Am Elphinstone etwa tauche ich gerne in dieser Stunde die Außenwand hinab – unten patrouilliert regelmäßig ein Grauer Riffhai, während oben die Sonne die Wand in Licht zerteilt. Sichtweiten von 30–40 Metern sind morgens im Roten Meer keine Seltenheit, sondern die Regel.
Nach dem Auftauchen wird das Zodiac zur Seite des Bootes gepaddelt, Ausrüstung rauf, Jacke an – der Wind auf dem Deck ist früh morgens schärfer als man denkt, auch wenn die Luft 28 °C warm ist. Wer sich hier nicht abtrocknet und wärmt, landet nach dem zweiten Tauchgang bibbernd in der Kabine.
Frühstück und der zweite Tauchgang
Frühstück auf einem guten Liveaboard ist reichhaltig: frisches Brot, Eier, Aufschnitt, Obst, Joghurt. Nach dem ersten Tauchgang sitzt man entspannt zusammen, tauscht Sichtungen aus – "Habt ihr den Thunfisch gesehen?" – und lädt den Tauchcomputer auf. Zwischen Frühstück und dem zweiten Tauchgang liegen meist 45 bis 60 Minuten Pause, je nach Boottransit zum nächsten Spot.
Der zweite Tauchgang findet oft an einem anderen Spot statt: Während das Boot zur nächsten Abbruchkante fährt, trocknest du Ausrüstung, prüfst Akkus der Kamera und schreibst kurz ins Logbuch. Der Briefing-Rhythmus wiederholt sich. Zweiter Tauchgang, wieder 60–80 Minuten, diesmal vielleicht flacher – 12 bis 20 Meter – weil der erste Tauchgang tiefer war und die Stickstoffsättigung steigt. Dein Tauchcomputer gibt dir genaue Null- und Sicherheitsstoppzeiten vor.
Mittagspause, Planung, Schlafen
Nach dem zweiten Tauchgang ist Mittagessen. Das klingt unspektakulär, aber auf einer guten Safari ist das Essen eine echte Stärke: Frisch zubereitetes ägyptisches Essen, Suppen, Salate, gegrilltes Fleisch oder Fisch. Die Küche der besten Boote macht deutlich, warum viele Stammgäste immer wieder buchen.
Die Stunden nach dem Mittagessen sind die ruhigsten des Tages. Viele Taucher dösen in der Kabine, hängen in der Hängematte achtern oder studieren die Route für die nächsten Tage auf der Karte. Das Safariteam nutzt diese Zeit für die eigene Planung: Wetterfenster, Gezeitentabellen, Strömungsvorhersagen. Wer auf einer Safari mit Nitrox taucht, füllt jetzt die Flaschen für den Nachmittag.
Mein ehrlicher Rat: Schlaf in der Mittagspause. Drei bis vier Tauchgänge täglich klingen nicht anstrengend, aber die Konzentration, der Stickstoff im Gewebe, die Sonne und die Meeresluft machen müder als gedacht. Wer ausgeschlafen in den dritten Tauchgang geht, taucht besser und sicherer.
Dritter Tauchgang am Nachmittag
Der Nachmittagstauchgang startet meist zwischen 14 und 16 Uhr. Das Licht ist jetzt intensiver und von oben – die Farben unter Wasser sind leuchtender, ideal für Fotografie. Die Sonne steht hoch genug, um bis in 20 Meter Tiefe zu dringen und das Korallenriff in Farbe zu tauchen. Ich tauche hier besonders gerne mit meiner Unterwasserkamera – die Strömung hat sich meist gelegt und Wracktauchgänge wie die Abu-Nuhas-Wracks leuchten in dieser Stunde besonders schön.
Nach dem dritten Tauchgang werden die Ausrüstungen gründlich mit Süßwasser gespült – Salzreste in Drucktastern des Tauchcomputers und im Atemregler sind auf einer Wochensafari die häufigste Fehlerquelle. Das gehört zur Routine jedes erfahrenen Safaritauchers: spülen, trocknen, Akkus checken.
Abend an Bord – Briefing, Sonnenuntergang, Abendessen
Der Abend auf dem Liveaboard ist entspannt und gesellig. Das Abend-Briefing läuft oft auf dem Sundeck: Der Divemaster erklärt Spot und Bedingungen für den Nachttauchgang und den folgenden Tag, dazu gibt es Getränke und Snacks. Die Sonnenuntergänge mitten im Roten Meer – ohne Küste, ohne Lichtverschmutzung – sind ein Erlebnis für sich. Der Himmel brennt 20 Minuten lang in Orange und Rot, bevor das Wasser plötzlich dunkel wird.
Danach folgt das Abendessen – oft das aufwändigste Gericht des Tages. Viele Boote servieren abends frisch gegrillten Fisch, Mezze-Platten oder ägyptische Eintöpfe. An Deck wird es ruhiger, die Gespräche drehen sich um die Highlights des Tages: der Hammerhai am Brothers, der Oktopus unter dem Wrack, die Muräne, die den Taucher drei Meter lang begleitet hat. Diese Stimmung am Abend ist für mich ein wesentlicher Teil des Liveaboard-Erlebnisses – man teilt etwas, das man draußen kaum in Worte fassen kann.
Alles zum Ablauf und zur Vorbereitung auf eine solche Safari-Woche findest du in meinem ausführlichen Artikel Liveaboard-Tipps fürs Rote Meer.
Der Nachttauchgang – das Highlight
Für viele Safari-Taucher ist der Nachttauchgang die Krönung des Tages – und das zu Recht. Das Riff verwandelt sich nach Einbruch der Dunkelheit komplett: Tagsüber ruhende Tiere werden aktiv. Langusten kriechen aus ihren Höhlen, Tintenfische jagen, Korallenfische schlafen reglos im Geäst, Stachelrochen graben sich im Sand ein. Das Licht der Lampe fällt auf Farben, die du tagsüber nicht siehst – Korallen leuchten in Orangetönen, die das Tageslicht filtert.
Der Nachttauchgang findet meist gegen 20 oder 21 Uhr statt, direkt am Boot. Die Tiefe liegt selten über 15 Metern – es geht nicht um Tiefe, sondern um Aufmerksamkeit im Kleinen. Dauer: 45 bis 60 Minuten. Pflichtausrüstung ist eine starke Primärlampe und eine Backup-Lampe; die meisten Boote verleihen Lampen, wenn du keine eigene dabei hast. Das Boot bleibt beleuchtet und dient als Orientierungspunkt.
Nach dem Nachttauchgang ist der Tag abgeschlossen. Ausrüstung gespült, Logbuch fertig, vier Tauchgänge eingetragen. Wecker auf 5:30 Uhr. Und morgen fängt alles von vorne an.
Profi-Tipp von Marc
"Beim Nachttauchgang: Schalte deine Lampe kurz aus und bleib still. Nach 30 Sekunden beginnen Korallen und Plankton zu leuchten – ein Biolumineszenz-Erlebnis, das nur wenige Taucher bewusst suchen. Das Rote Meer bietet es an fast jedem ruhigen Abend."
Seekrankheit auf dem Liveaboard: Was wirklich hilft
Seekrankheit ist auf Liveaboards ein echtes Thema – und eines, über das zu wenige offen reden. Ich habe erfahrene Taucher am Brothers-Riff mit 35-Knoten-Wind gesehen, die grün werden. Das Rote Meer ist in der Regel ruhig, aber Überfahrten von Hurghada zu den Offshore-Riffen über Nacht oder die Brise vor Daedalus können selbst gestandene Seefahrer fordern.
Was ich auf jeder Safari dabei habe und empfehle: Reisetabletten-ratiopharm mit dem Wirkstoff Dimenhydrinat. Entscheidend ist der Zeitpunkt: Nimm die Tablette eine Stunde vor der Abfahrt, nicht erst wenn dir schon flau ist. Einmal Übelkeit, ist schwer wieder loszuwerden. Weitere bewährte Maßnahmen:
- Kabine in der Bootsmitte: Weniger Schaukeln als Bug oder Heck
- Frische Luft an Deck: Drinnen wird es bei Seegang schnell schlimmer
- Blick zum Horizont: Der Gleichgewichtssinn braucht einen festen Punkt
- Leichter Magen vor der Überfahrt: Kein schweres Essen direkt vor der langen Fahrt
- Ingwer: Ingwerkekse oder Ingwertee helfen manchen Taucherinnen und Tauchern als natürliche Ergänzung
Wenn du weißt, dass du anfällig bist, sprich deinen Arzt vor der Reise an. Es gibt auch Pflaster mit Scopolamin für mehrtägige Überfahrten. Auf keinen Fall davon abhalten lassen, eine Safari zu machen – Seekrankheit ist lösbar, und die meisten ruhigen Tage im Roten Meer wirst du kaum merken, dass du auf einem Schiff bist.
Was du für die Deckszeit brauchst
Zwischen den Tauchgängen verbringst du viel Zeit auf dem Deck – in der Sonne, im Wind, manchmal in Gischt. Das richtige Kleingepäck macht den Unterschied zwischen komfortablem Warten und frustrierendem Herumsuchen nach nassen Sachen.
Für die Deckszeit zwischen den Tauchgängen ist ein Dry Bag mit Sichtfenster Gold wert: Handy, Sonnencreme, Schnack und trockene Kleidung bleiben geschützt, wenn das Zodiac beim Einstieg Wasser aufwirft oder eine Welle übers Deck kommt. Das Sichtfenster erspart das Durchwühlen nach dem Handy, ohne den Beutel zu öffnen.
Genauso unverzichtbar ist ein schnelltrocknendes Fit-Flip Mikrofaser-Handtuch. Baumwollhandtücher bleiben auf dem windigen Sonnendeck stundenlang feucht – ein Mikrofaser-Handtuch trocknet in Minuten und passt zusammengerollt in jede Neoprentasche. Bei drei bis vier Tauchgängen täglich trocknest du dich häufiger ab, als du denkst.
Was du sonst noch an Bord brauchst und wie du die Safari von Anfang an richtig planst, erkläre ich im Detail im Artikel Erste Tauchsafari: Was dich an Bord erwartet.
Häufige Fragen
Wie viele Tauchgänge macht man pro Tag auf einem Liveaboard im Roten Meer?+
Auf einem typischen Liveaboard im Roten Meer taucht man drei bis vier Mal täglich: ein Frühgang vor dem Frühstück, ein zweiter Tauchgang am Vormittag, einer am Nachmittag und optional ein Nachttauchgang nach dem Abendessen. In einer Woche kommen so 18–25 Tauchgänge zusammen – mehr als in vielen Monaten vom Tauchbasis-Urlaub aus.
Wann beginnt der erste Tauchgang auf einem Liveaboard?+
Der erste Tauchgang startet auf den meisten Liveaboards zwischen 5:30 und 6:30 Uhr morgens, noch vor dem Frühstück. Das frühe Briefing gibt es mit Kaffee. Der Grund: Das Morgenlicht im Roten Meer ist spektakulär, viele Tierarten sind in den frühen Stunden aktiv, und die Sichtweiten von 30–40 Metern sind besonders klar.
Was passiert in der Mittagspause zwischen den Tauchgängen?+
Nach dem zweiten Tauchgang gibt es ein ausgiebiges Mittagessen, gefolgt von einer Ruhepause von meist zwei bis drei Stunden. Viele Taucher schlafen, da drei bis vier Tauchgänge täglich körperlich anstrengender sind als sie wirken. Das Team nutzt die Zeit für Routenplanung, Wettercheck und das Befüllen der Nitrox-Flaschen.
Ist der Nachttauchgang auf einem Liveaboard Pflicht?+
Nein, der Nachttauchgang ist freiwillig. Er findet meist zwischen 20 und 22 Uhr direkt am Boot statt, bis 15 Meter Tiefe, 45–60 Minuten. Wer zu müde ist oder Bedenken hat, kann aussetzen – niemand wird gedrängt. Erfahrungsgemäß lohnt er sich aber sehr: Das Riff bei Nacht zeigt eine völlig andere Tierwelt als am Tag.
Was hilft gegen Seekrankheit auf dem Liveaboard?+
Dimenhydrinat-Tabletten (z. B. Reisetabletten-ratiopharm), eingenommen eine Stunde vor der Abfahrt, sind das bewährteste Mittel. Dazu helfen eine Kabine in der Bootsmitte, frische Luft an Deck, der Blick zum Horizont und ein leichter Magen vor langen Überfahrten. Bei bekannter Anfälligkeit empfiehlt sich ein Arztgespräch vor der Reise wegen Scopolamin-Pflastern.
