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Muränen im Roten Meer: Arten & Fototipps
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Tierwelt 18. Oktober 2026 Marc 9 Min. Lesezeit

Muränen im Roten Meer: Arten & Fototipps

Welche Muränenarten gibt es beim Tauchen im Roten Meer, sind sie gefährlich und wie fotografiert man sie? Marcs Praxis-Guide aus 2.000+ Tauchgängen.

Auf einen Blick

  • Ort: Riffe und Wracks im gesamten Roten Meer, von Hurghada bis Marsa Alam und am Sinai
  • Tiefe: meist 3–25m, oft schon am Riffdach in 5–8m
  • Beste Reisezeit: ganzjährig, aktivste Beobachtung bei Nachttauchgängen

Welche Muränenarten gibt es beim Tauchen im Roten Meer, und sind sie gefährlich?

Im Roten Meer begegnest du am häufigsten der Riesenmuräne (Gymnothorax javanicus) und der Geflecktmuräne (Gymnothorax fimbriatus), daneben leben hier noch gut ein Dutzend weitere, meist kleinere Arten. Gefährlich sind Muränen für Taucher praktisch nie. Sie sind scheue Lauerjäger, die sich bei Ruhe in ihre Höhle zurückziehen. Ein Bissrisiko entsteht fast ausschließlich dann, wenn Taucher füttern, in Spalten greifen oder Tiere bedrängen.

Ich tauche seit über zwei Jahrzehnten im Roten Meer und habe in über 2.000 Tauchgängen genau zwei Situationen gesehen, in denen eine Muräne wirklich zugeschnappt hat, beide Mal, weil jemand eine Hand in ein Loch gesteckt hat, in dem er die Muräne nicht sehen konnte. Das Tier selbst sucht den Konflikt nie von sich aus. Wer Abstand hält und die Hände bei sich lässt, hat an so gut wie jedem Riff im Roten Meer ein entspanntes Fotomotiv vor der Linse.

Die häufigsten Muränenarten im Roten Meer

Wer regelmäßig an den Riffen von Hurghada, Marsa Alam oder rund um Sharm el-Sheikh taucht, lernt schnell, einige Muränenarten auf den ersten Blick zu unterscheiden. Die folgenden drei Gruppen deckst du bei fast jedem Tauchurlaub im Roten Meer ab.

Riesenmuräne (Gymnothorax javanicus)

Die Riesenmuräne ist mit bis zu 3 Metern Länge und über 30 Kilogramm Gewicht die größte Muränenart im Roten Meer. Sie ist auch die Art, die den meisten Tauchern zuerst einfällt, wenn sie an "Muräne" denken. Du erkennst sie an ihrem dunkelbraun-grau marmorierten Körper mit kleinen schwarzen Flecken und dem massigen Kopf. Riesenmuränen besetzen feste Unterstände an Riffwänden und in Wracks und bleiben oft über Jahre am selben Platz. Am Thistlegorm etwa zeigen Guides seit Jahren dieselben Tiere an denselben Stellen.

Geflecktmuräne (Gymnothorax fimbriatus)

Deutlich schlanker und mit auffälligem schwarz-weißem oder gelblichem Fleckenmuster versehen ist die Geflecktmuräne, die selten über 80 Zentimeter hinauswächst. Sie versteckt sich tagsüber meist tiefer in Spalten als die Riesenmuräne und streckt oft nur den Kopf heraus. Für Makrofotografen ist das ein klassisches Motiv, weil sich Kopf und Zeichnung formatfüllend ablichten lassen, ohne das Tier stören zu müssen.

Weitere Arten am Riff

Daneben triffst du im Roten Meer unter anderem auf die Zebramuräne (Echidna zebra) mit ihrem markanten Ringmuster, die filigrane Napfmuräne (Gymnothorax undulatus) und die kleine, dunkelbraune Weißgepunktete Muräne (Gymnothorax chilospilus) mit ihren feinen weißen Tupfen, die selten länger als 30 Zentimeter wird und sich meist tief in engen Riffspalten versteckt. Die Fischarten-Übersicht fürs Rote Meer hilft dir, Muränen von ähnlich gemusterten Riffbewohnern wie Drachenköpfen oder Steinfischen zu unterscheiden, die an denselben Stellen lauern.

Verhalten unter Wasser richtig deuten

Das ständige Öffnen und Schließen des Mauls, das viele Taucher als Drohgebärde missverstehen, ist bei Muränen reine Atemtechnik. Weil sie keine beweglichen Kiemendeckel wie andere Fische besitzen, pumpen sie Wasser aktiv über die Kiemen. Das sieht aggressiv aus, ist aber völlig normales Verhalten, selbst wenn das Tier dich direkt ansieht.

Besonders schön zu beobachten ist die Symbiose mit Putzergarnelen und Lippfischen: Viele Muränen öffnen das Maul bewusst weiter und halten still, während kleine Garnelen oder der Schwarzfleck-Putzerlippfisch Parasiten und Essensreste aus den Zähnen und Kiemen entfernen. Diese Putzerstationen findest du oft an immer denselben Riffabschnitten, ein verlässlicher Spot für ruhige Fotos, weil die Muräne in diesen Momenten kaum reagiert.

Aktiv jagen die meisten Muränenarten erst nachts. Tagsüber liegen sie fast bewegungslos in ihrer Höhle, nach Sonnenuntergang verlassen sie den Unterschlupf und schwimmen frei über das Riff, um Fische, Krebse und Tintenfische zu erbeuten. Das ist auch der Grund, warum Nachttauchgänge im Roten Meer so ergiebig für Muränen-Beobachtungen sind.

Fehlverhalten vermeiden: darauf musst du achten

Die goldene Regel lautet: nicht füttern, nicht anfassen, Hände raus aus Spalten. Fütterung konditioniert Muränen darauf, Finger mit Futter zu verwechseln. Genau das führt zu den seltenen, aber ernsten Bissverletzungen, von denen man in Tauchbasen hört. Der Kieferapparat einer ausgewachsenen Riesenmuräne ist kräftig genug, um Fleisch zu durchtrennen, und die Zähne sind nach hinten gebogen, sodass eine Wunde beim Zurückziehen zusätzlich aufreißt.

Greif nie blind in Löcher oder unter Korallenköpfe, um dich festzuhalten oder etwas Interessantes zu ergreifen. Genau dort liegen Muränen, Drachenköpfe und Skorpionsfische oft dicht an dicht. Bei Nachttauchgängen, wenn Muränen frei jagend über das Riff ziehen, halte zusätzlich Abstand und richte deine Lampe nicht dauerhaft direkt ins Gesicht des Tiers; kurze Blicke reichen, um Art und Größe zu bestimmen, ohne die Jagd zu stören.

Makrofoto-Tipps für Muränen

Muränen sind eines der dankbarsten Makromotive im Roten Meer, weil sie meist stillhalten, vorausgesetzt, du näherst dich langsam und ohne hektische Flossenschläge. Arbeite dich in Zeitlupe an die Höhle heran, warte ein, zwei Atemzüge und beobachte, ob das Tier entspannt bleibt oder sich tiefer zurückzieht. Erst dann fotografierst du.

Für Nahaufnahmen von Kopf und Augenzeichnung lohnt sich ein engerer Bildausschnitt mehr als ein Weitwinkel-Habitat-Shot. Wenn deine Kamera über keine optische Makrofunktion verfügt, bringt eine Makro-Vorsatzlinse spürbar mehr Schärfe bei kurzen Distanzen. Ich fotografiere Muränen meist mit der OM System Tough TG-7, deren Makromodus für genau solche Riffbewohner in Spalten gebaut ist. Die Kamera ist kompakt genug, um sie auch bei Strömung ruhig zu halten, mit genug Naheinstellgrenze für formatfüllende Kopfporträts.

Bei der Belichtung gilt: lieber eine etwas geschlossenere Blende (f/8 bis f/11) für mehr Schärfentiefe wählen und das fehlende Licht über eine kurze, gezielte Lichtquelle statt über eine längere Verschlusszeit ausgleichen. Muränen liegen oft in schattigen Nischen, in denen Umgebungslicht allein nicht reicht. Dafür nutze ich eine kompakte Wurkkos DL10R Tauchlampe mit 4500 Lumen: hell genug, um Farben in der Höhle überhaupt sichtbar zu machen, aber klein genug, um sie mit einer Hand zu führen, während die andere die Kamera stabilisiert. Wichtig dabei: den Lichtkegel kurz antippen, nicht dauerhaft ins Tier halten, sonst verschwindet die Muräne, bevor du den Auslöser drückst. Mehr zu Blende, Lichtführung und Geduld am Riff findest du in unserem Makrofotografie-Guide für das Rote Meer.

Wo man Muränen im Roten Meer am besten findet

Praktisch jedes gesunde Riff im Roten Meer beherbergt Muränen, aber einige Spots sind für verlässliche Sichtungen bekannt. Am Wrack der Thistlegorm bei Sharm el-Sheikh liegen seit Jahren Riesenmuränen in den Laderäumen und am Rumpf. Ich habe das Wrack über 50 Mal betaucht und kaum einen Tauchgang ohne mindestens eine Muräne erlebt. Die Riffe von Ras Mohammed, besonders Shark Reef und Jolanda Reef, zeigen regelmäßig Geflecktmuränen in den oberen Riffspalten ab etwa 8 Metern Tiefe.

Rund um Marsa Alam, etwa an den Hausriffen von Marsa Shagra oder Elphinstone, findest du neben Riesenmuränen auch Zebramuränen im flacheren, sandigen Übergangsbereich zum Riff. Bei Hurghada liefern die Riffe von Giftun Island und Abu Ramada verlässliche Sichtungen, oft direkt am Riffdach in 5 bis 8 Metern, ideal für längere Beobachtungszeit, weil du dort ohne Dekompressionsdruck verweilen kannst.

Ein Tipp aus der Praxis: Frag deinen Guide am Anfangsbriefing gezielt nach bekannten Muränen-Plätzen am jeweiligen Riff. Viele Basen am Roten Meer kennen die "Stammgäste" ihrer Hausriffe über Jahre und können dich direkt zum richtigen Spalt führen, statt dass du das Riff auf eigene Faust absuchst und dabei womöglich Zeit und Luft verschwendest, die dir für ruhige Fotos fehlt.

Profi-Tipp von Marc

"Die beste Muränen-Sichtung meines Lebens hatte ich nicht am Thistlegorm, sondern an einem schlichten Hausriff in Marsa Alam: eine Riesenmuräne, die sich während der Putzerstation komplett öffnen ließ, ganze drei Minuten lang. Geduld schlägt am Riff fast immer den spektakulären Spot."

Häufige Fragen

Sind Muränen im Roten Meer gefährlich?+

Grundsätzlich nicht. Muränen sind scheue Lauerjäger, die Taucher in Ruhe lassen, solange man sie nicht füttert, anfasst oder in ihre Höhle greift. Bissverletzungen entstehen praktisch ausschließlich durch Fehlverhalten der Taucher, nicht durch unprovozierte Angriffe.

Beißen Muränen Taucher?+

Nur in Ausnahmefällen, meist nach Fütterung oder wenn Taucher versehentlich in eine Höhle greifen, in der eine Muräne lauert. Hält man Abstand und lässt die Hände bei sich, geht von Muränen im Roten Meer praktisch keine Gefahr aus.

Wie groß wird eine Riesenmuräne?+

Die Riesenmuräne (Gymnothorax javanicus) ist die größte Muränenart im Roten Meer und kann bis zu 3 Meter lang und über 30 Kilogramm schwer werden. Besonders große Exemplare findet man oft an Wracks wie der Thistlegorm, wo sie über Jahre denselben Unterstand besetzen.

Wann sind Muränen am aktivsten?+

Tagsüber verharren Muränen meist bewegungslos in ihrer Höhle und zeigen nur den Kopf. Aktiv jagend verlassen sie ihren Unterschlupf vor allem nachts, weshalb Nachttauchgänge im Roten Meer besonders ergiebig für Muränen-Beobachtungen sind.

Darf man Muränen füttern?+

Nein. Füttern ist nicht nur an vielen Tauchspots im Roten Meer untersagt, sondern konditioniert die Tiere auch darauf, Finger mit Futter zu verwechseln. Das ist die häufigste Ursache für Bissverletzungen. Beobachten und fotografieren ohne Fütterung ist die einzig empfehlenswerte Praxis.

Über den Autor

🤿

Marc

PADI Divemaster · Rotes Meer

Seit Jahren tauche ich im Roten Meer und kenne jeden Spot, jede Strömung. Mein Ziel: dir den perfekten Tauchurlaub zu ermöglichen.

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