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Rotes Meer Fische erkennen: 6 Arten sicher bestimmen
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Tierwelt 26. September 2026 Marc 8 Min. Lesezeit

Rotes Meer Fische erkennen: 6 Arten sicher bestimmen

Rotes Meer Fische erkennen: Diese 6 Arten am Riff sicher bestimmen, mit Bestimmungsmerkmalen und Sicherheitstipps von Marc.

Auf einen Blick

  • Ort: Riffe im gesamten Roten Meer, von Sharm el-Sheikh bis Marsa Alam
  • Tiefe: 3–25 m, die meisten Charakterfische im Bereich 5–15 m
  • Beste Reisezeit: ganzjährig, Sichtweiten 20–40 m von Oktober bis April am stabilsten

Rotes Meer Fische erkennen: Diese 6 Arten kannst du sofort bestimmen

Wer im Roten Meer Fische erkennen will, kann sich auf sechs Arten verlassen, die an fast jedem Riff auftauchen und sich jeweils an einem einzigen eindeutigen Merkmal bestimmen lassen. Das sind der Napoleon-Lippfisch mit seinem Stirnhöcker, Kugel- und Igelfisch mit ihrer Fähigkeit sich aufzublasen, der Papageifisch mit seinem Schnabelmaul, der Falterfisch mit Augenfleck und Paar-Verhalten, der Kaiserfisch mit seinem Streifenmuster sowie der Rotfeuerfisch mit seinen giftigen, gefiederten Stachelflossen. Ich tauche seit über zwanzig Jahren im Roten Meer und begegne diesen sechs Arten bei praktisch jedem Tauchgang, sie sind der perfekte Einstieg, bevor man sich an seltenere Arten wagt.

Napoleon-Lippfisch: Der sanfte Riese

Der Napoleon-Lippfisch (Cheilinus undulatus) ist an seinem markanten Stirnhöcker, den dicken Lippen und den blau-grünen, labyrinthartigen Linien im Gesicht sofort zu erkennen. Ausgewachsene Tiere werden bis zu 2 Meter lang und über 180 Kilogramm schwer. Damit ist er einer der größten Rifffische überhaupt, den man im Roten Meer antrifft. An der Riffkante von Ras Mohammed sind mir Exemplare begegnet, die locker so groß waren wie ich selbst, und beim ersten Mal bleibt einem tatsächlich kurz die Luft weg.

Begegnest du ihm, dann meist an Riffkanten und Drop-offs zwischen 10 und 30 Metern Tiefe, oft einzelgängerisch und erstaunlich neugierig. Typische Spots sind Ras Mohammed, das Thistlegorm-Umfeld und die Außenriffe bei Marsa Alam. Napoleons sind von Natur aus zutraulich, weil sie an vielen Tauchplätzen jahrelang nicht bejagt wurden. Trotzdem gilt: beobachten, nicht anfassen und nicht füttern, auch wenn manche Guides das früher gemacht haben. Die Art steht auf der Roten Liste als gefährdet, jede Begegnung ist etwas Besonderes.

Igelfisch & Kugelfisch: Die Stachel-Verwechslung

Igelfisch und Kugelfisch werden ständig verwechselt, lassen sich aber eindeutig unterscheiden: Der Igelfisch (Diodontidae) trägt feste, immer sichtbare Stacheln, die beim Aufblasen nur abstehen, während der Kugelfisch (Tetraodontidae) eine glatte Haut hat und erst im Ernstfall Wasser einsaugt, um sich kugelrund aufzupumpen. Beide Familien schwimmen normalerweise entspannt und leicht plump zwischen den Korallen, meist einzeln, oft in Höhlen oder unter Überhängen tagsüber ruhend.

Das Aufblasen ist für beide Arten ein reiner Notfallmechanismus und körperlich enorm belastend. Ich habe erlebt, wie unerfahrene Schnorchler einen Kugelfisch aus Spaß angefasst haben, damit er sich aufbläst. Das ist Stress pur fürs Tier und in Ägypten als Nationalpark-Gebiet (etwa Ras Mohammed) explizit verboten. Handflächen also am besten in den eigenen Neoprenhandschuhen lassen und die Tiere einfach in Ruhe vorbeiziehen lassen.

Papageifisch: Der laute Korallenfresser

Den Papageifisch (Scaridae) erkennst du sofort am verwachsenen Schnabelmaul, mit dem er Algenbewuchs von den Korallen abraspelt. Oft hörst du ihn sogar, bevor du ihn siehst, weil das Knirschen seines Schnabels an der Korallenoberfläche unter Wasser erstaunlich weit trägt. Männchen sind meist kräftig blau-grün mit orangefarbenen Akzenten gefärbt, Weibchen dagegen unscheinbarer rötlich-braun; viele Papageifische wechseln im Lauf ihres Lebens sogar das Geschlecht und damit die Farbe.

Ökologisch sind Papageifische fürs Riff unverzichtbar: Ihr Kot besteht großteils aus feinem Korallensand. Ein einzelner großer Papageifisch produziert davon pro Jahr mehrere hundert Kilogramm. Ohne sie würden viele Sandstrände am Roten Meer schlicht nicht existieren. Nachts ziehen sich manche Arten sogar eine Schleimhülle als Schutzkokon über, was man bei Nachttauchgängen im Roten Meer gut beobachten kann.

Weitere typische Rotes-Meer-Rifffische zum Merken

Neben den drei Hauptarten oben lohnt sich der Blick auf drei weitere Fische, die an jedem Riff im Roten Meer auftauchen und sich mit wenig Übung sicher bestimmen lassen.

Falterfisch (Chaetodontidae): Fast immer paarweise unterwegs, flach und hochrückig gebaut, mit einem schwarzen "Augenband" über dem echten Auge und oft einem zusätzlichen Fleck am Schwanzansatz, der Fressfeinde verwirren soll. Falterfische binden sich oft ein Leben lang an ihren Partner. Siehst du einen allein, ist der zweite meist nur wenige Meter entfernt. Im Roten Meer triffst du besonders häufig den Diagonalbinden-Falterfisch (Chaetodon fasciatus) mit seinen schrägen schwarzen Streifen und den Blaustreifen-Falterfisch (Chaetodon semilarvatus), der als einzige verbreitete Art hier oft in großen, leuchtend gelben Schulen auftritt statt paarweise – eine Ausnahme, die viele Taucher zunächst verwirrt.

Kaiserfisch (Pomacanthidae): Jungtiere und ausgewachsene Tiere derselben Art sehen oft komplett unterschiedlich aus: Der Halbmond-Kaiserfisch etwa trägt als Jungtier ein dunkelblaues Muster mit weißen Kreisen, als Alttier dagegen kräftige gelb-blaue Längsstreifen. Diese Umfärbung verwirrt selbst erfahrene Taucher, ist aber ein Klassiker, an den man sich einmal gewöhnt. Ähnlich läuft es beim Kaiser-Kaiserfisch (Pomacanthus imperator): dunkelblau mit konzentrischen weißen Ringen als Jungtier, gelb-blau gestreift mit schwarzer Gesichtsmaske als Alttier. Auch der im Roten Meer heimische Königin-Kaiserfisch (Pomacanthus maculosus) mit gelbem Fleck am Körper und blau gesäumtem Schwanz lohnt einen zweiten Blick.

Rotfeuerfisch (Pterois): Auffällig durch die gefiederten, rot-weiß gestreiften Flossenstrahlen, die er meist entspannt entfaltet an Riffwänden und Wracks stehen lässt. Die Rückenstacheln sind giftig und ein Stich schmerzt heftig, ist für gesunde Erwachsene aber in aller Regel nicht lebensgefährlich. Trotzdem: Abstand halten, niemals anfassen, und beim Fotografieren nicht zu nah mit der Kamera heranrücken.

Gerade am Anfang verwechseln viele Taucher Falter- und Kaiserfische, weil beide flach, hochrückig und auffällig gemustert sind. Der zuverlässigste Unterschied liegt am Übergang zwischen Kopf und Kiemendeckel: Kaiserfische tragen dort einen kräftigen Dorn, den Falterfische nie haben. Eine zweite häufige Verwechslung betrifft Jungtiere: Junge Kaiserfische wirken in ihrem dunklen Blau mit weißen Kreisen auf den ersten Blick eher wie exotische Falterfische als wie ihre eigenen, komplett anders gefärbten Eltern. Wer sich das Dorn-Merkmal einmal einprägt, verwechselt beide Familien danach kaum noch.

So gelingt die Fischbestimmung unter Wasser

Am besten merkst du dir Fische nicht im Kopf, sondern hältst sie mit einer kompakten Unterwasserkamera fest und bestimmst sie danach in Ruhe an Land. Ich habe seit einigen Saisons die OM System Tough TG-7 im Gepäck (Preisbereich meist 400–500 €, wasserdicht bis 15 m auch ohne Zusatzgehäuse). Die Makrofunktion ist genau richtig, um etwa die feinen Musterunterschiede zwischen Jung- und Alttier-Kaiserfischen scharf einzufangen, ohne dass du dafür extra nah ranmusst und die Tiere störst. Für tiefere Tauchgänge bis 45 m lohnt sich zusätzlich ein Unterwassergehäuse.

Wer lieber direkt am Riff Notizen macht (etwa Farbmuster, Größe oder Fundort, um es später mit dem Fischbestimmungsbuch abzugleichen), für den ist eine mehrlagige Unterwasser-Schreibtafel mit Handgelenksband (meist unter 15 €) die einfachste Lösung: ein paar Stichworte reichen, den Rest ergänzt du an Oberfläche. Gerade bei Gruppen mit mehreren ähnlichen Falterfisch-Arten am selben Riff hat sich das bei mir bewährt, weil das Gedächtnis nach dem dritten oder vierten Tauchgang des Tages ziemlich löchrig wird.

Wenn du deine Kamera-Einstellungen für Unterwasseraufnahmen noch nicht optimal im Griff hast, findest du in meinem Artikel zu GoPro-Einstellungen fürs Tauchen alle Werte, die ich selbst für Riff- und Wrackaufnahmen im Roten Meer nutze. Die Prinzipien lassen sich unmittelbar auf Kompaktkameras wie die TG-7 übertragen.

Profi-Tipp von Marc

"Am Anfang habe ich versucht, mir jeden Fisch sofort zu merken. Das klappt nicht. Ich fotografiere heute einfach schnell drauflos und bestimme abends am Handy in Ruhe. So merkst du dir die Merkmale viel besser, als wenn du unter Wasser hektisch im Kopf durchgehst, welcher Kaiserfisch das jetzt war."

Mit diesen sechs Charakterfischen im Kopf gelingt dir bei jedem Tauchgang im Roten Meer die erste Bestimmung fast automatisch. Und mit steigender Zahl an Tauchgängen wächst dieses Wissen ganz von selbst weiter, bis du am Riff kaum noch einen Fisch siehst, den du nicht zuordnen kannst.

Häufige Fragen

Ist der Napoleon-Lippfisch gefährlich für Taucher?+

Nein, der Napoleon-Lippfisch gilt als völlig harmlos und oft sogar neugierig zutraulich. Er nähert sich Tauchern teils von selbst, sollte aber trotzdem nicht berührt oder gefüttert werden, weil das sein natürliches Verhalten stört und die Art ohnehin als gefährdet eingestuft ist.

Darf man Kugelfische oder Igelfische im Roten Meer berühren?+

Nein. Das Berühren von Kugel- und Igelfischen ist in geschützten Gebieten wie Ras Mohammed ausdrücklich verboten und auch sonst schädlich, weil das erzwungene Aufblasen für die Tiere körperlich sehr belastend ist. Beobachten reicht völlig, am besten aus etwas Abstand mit der Kamera.

An welchen Spots im Roten Meer sieht man am häufigsten Napoleon-Lippfische?+

Gute Chancen bestehen an Riffkanten und Drop-offs, etwa bei Ras Mohammed nahe Sharm el-Sheikh, im Umfeld des Thistlegorm-Wracks sowie an den Außenriffen bei Marsa Alam. Meist begegnet man ihnen einzeln zwischen 10 und 30 Metern Tiefe, oft in der Nähe von Höhlen oder Überhängen.

Sind Rotfeuerfische für Taucher gefährlich?+

Die Rückenstacheln des Rotfeuerfischs sind giftig und ein Stich verursacht starke, brennende Schmerzen, ist für gesunde Erwachsene jedoch in aller Regel nicht lebensgefährlich. Solange man die auffällig gefiederten Flossen nicht berührt und ausreichend Abstand hält, geht von den Tieren keine akute Gefahr aus.

Womit kann ich Fischarten im Roten Meer am einfachsten bestimmen?+

Am praktischsten ist eine kompakte Unterwasserkamera wie die OM System Tough TG-7, mit der du unklare Arten fotografierst und erst an Land in Ruhe mit einem Fischführer abgleichst. Alternativ helfen kurze Notizen auf einer Unterwasser-Schreibtafel zu Farbe, Größe und Fundort, die du danach nachschlägst.

Über den Autor

🤿

Marc

PADI Divemaster · Rotes Meer

Seit Jahren tauche ich im Roten Meer und kenne jeden Spot, jede Strömung. Mein Ziel: dir den perfekten Tauchurlaub zu ermöglichen.

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