Ras Mohammed tauchen: Barrakuda-Tornados, Yolanda-Wrack & Sichtweiten bis 40 m an der Spitze des Sinai. Alles zu Spots, Eintritt & bester Reisezeit!
Auf einen Blick
- Lage: Spitze der Sinai-Halbinsel, 15–30 min per Boot von Sharm el-Sheikh
- Tiefe: 5–30 m und tiefer (Außenwände bis 40 m)
- Sichtweite: 20–40 m – eine der besten im gesamten Roten Meer
- Wassertemperatur: 22–28°C (Winter ca. 22°C, Sommer bis 28°C)
- Schwierigkeit: Alle Level – je nach Spot (OWD bis AOWD+)
- Nationalpark-Eintritt: ca. 7–10 USD (Stand 2026, wird beim Einlass erhoben)
- Gegründet: 1983, erster Nationalpark Ägyptens
- Beste Reisezeit: Oktober bis April
Ras Mohammed tauchen – das Wichtigste auf einen Blick
Ras Mohammed ist für mich der faszinierendste Tauchspot Ägyptens – und ich habe hier, an der südlichen Spitze der Sinai-Halbinsel, schon weit über hundert Tauchgänge gemacht. Wo der Golf von Suez und der Golf von Akaba aufeinandertreffen, entstehen nährstoffreiche Strömungen, die einen Unterwasser-Artenreichtum erzeugen, den du in Europa schlicht nicht findest. Sichtweiten bis 40 Meter, Barrakuda-Tornados aus Tausenden von Fischen, Weißspitzen-Riffhaie an der Außenwand und das weltberühmte Yolanda-Wrack: Das hier ist kein gewöhnliches Korallenriff, sondern ein einzigartiger Lebensraum, der seit 1983 als erster Nationalpark Ägyptens geschützt wird.
Warum Ras Mohammed einzigartig ist
Ras Mohammed – arabisch für „Kap des Mohammed" – liegt ganz am südlichen Ende der Sinai-Halbinsel, nur 15 Bootsminuten von Sharm el-Sheikh entfernt. Die geographische Besonderheit dieses Kaps macht den Unterschied: Zwei Meeresarme prallen hier aufeinander. Der tiefere, kältere Golf von Suez schiebt nährstoffreiches Tiefenwasser nach oben, der wärmere Golf von Akaba sorgt für exzellente Sichtweiten. Das Ergebnis ist eine Biomasse, die für das Rote Meer außergewöhnlich ist.
Die Zahlen sprechen für sich: rund 1.000 Fischarten und über 220 Korallenarten hat die ägyptische Umweltbehörde EEAA in Ras Mohammed dokumentiert. Ich habe in vielen Teilen des Roten Meeres getaucht – Elphinstone, Brothers, Daedalus –, aber die Dichte und Gesundheit der Korallen in Ras Mohammed ist noch einmal eine eigene Kategorie. Die HEPCA-Umweltschutzregeln des Nationalparks tragen dazu bei: Wer Korallen berührt, Fische füttert oder Tiere anfasst, riskiert empfindliche Geldstrafen. Das ist gut so, denn genau diese Regeln haben Ras Mohammed zu dem Naturwunder gemacht, das Taucher noch in Jahrzehnten erleben werden.
Die besten Tauchspots im Nationalpark
Shark Reef & Yolanda Reef
Das bekannteste Riff-Duo von Ras Mohammed und für die meisten Taucher der Hauptgrund, herzukommen. Shark Reef und Yolanda Reef liegen nebeneinander und werden üblicherweise als ein langer Drift-Dive angetaucht, der dich von der Außenwand des Shark Reef entlang zum Yolanda-Riff führt.
Die Außenwand des Shark Reef fällt senkrecht auf 60 Meter und tiefer – hier patrouillieren morgens regelmäßig Weißspitzen-Riffhaie, und in der blauen Wassersäule tauchen gelegentlich Hammerhaie auf. Die Barrakuda-Tornados, für die Ras Mohammed berühmt ist, sind ein Anblick, der sich in mein Gedächtnis eingebrannt hat: Tausende Großer Barrakudas, dicht gedrängt zu einem silbrig rotierenden Schwarm, der sich im Sonnenlicht dreht.
Das Yolanda Reef trägt seinen Namen von einem Frachter, der in den frühen 1980er-Jahren auf dem Riff strandete. Ein Großteil der Fracht liegt heute verstreut auf dem Meeresboden: Badezimmerarmaturen, Toilettenschüsseln, Waschbecken – eine der surrealsten Unterwasserszenerien, die du dir vorstellen kannst. Mehr über die Geschichte der spektakulärsten Wracks des Roten Meeres liest du in meinem Beitrag über die besten Wracks im Roten Meer. Im Nationalpark gilt die HEPCA-Regel: nur reef-safe Sonnencreme erlaubt – ich nutze die NEW LAYER LSF 50+, die ohne Octinoxat und Oxybenzon auskommt.
Anemone City
Anemone City ist der zugänglichste und familienfreundlichste Spot des Nationalparks. Die maximale Tiefe liegt bei etwa 18 Metern, die Strömung ist meist moderat, und das, was du hier siehst, macht den Spot trotz der geringen Tiefe zu einem echten Highlight: dichte Felder von Teppichanemonen, bewohnt von Anemonenfischen in leuchtenden Orange- und Weißtönen, dazu Chromis-Schwärme, Korallenfische in allen Farben und immer wieder Schildkröten, die ruhig durchs Riff gleiten. Für Einsteiger und Wiedereinsteiger ist Anemone City meine erste Empfehlung in Ras Mohammed.
The Shark Observatory
Der Shark Observatory ist streng genommen kein Tauchspot, sondern ein Kliff-Aussichtspunkt, von dem aus man im klaren Wasser Riffhaie in zwei bis drei Metern Tiefe beobachten kann – ganz ohne Ausrüstung. Das macht ihn zum einzigen Ort im Nationalpark, an dem auch Nicht-Taucher die Haie aus nächster Nähe erleben. Als Taucher habe ich an dieser Stelle trotzdem gerne angehalten: Die Riffhaie, die sich in der flachen Lagune tummeln, reagieren entspannt auf Beobachter und bieten Einblicke in ihr alltägliches Verhalten, die man im normalen Tauchgang selten bekommt.
Ras Ghozlani
Ras Ghozlani ist der ruhigste und am wenigsten besuchte Spot des Nationalparks – und genau das macht ihn so besonders. Während Shark Reef und Yolanda mittags von Tagestouren-Booten besucht werden, herrscht am Ghozlani oft Stille. Die Tiefe ist moderat (bis 25 m), der Korallenbewuchs intakt und das Artenprofil reich an Makromotiven: Froschfische, Kraken, Geisterpfeifenfische und Gehörnte Lippfische. Für Unterwasserfotografen, die in Ruhe arbeiten wollen, ist Ras Ghozlani mein Geheimtipp im Park.
Profi-Tipp von Marc
"Am Shark Reef solltest du immer die Außenwand im Blick behalten, besonders die ersten 20 Minuten des Tauchgangs. Die Weißspitzen-Riffhaie patrouillieren morgens am aktivsten, oft in fünf bis acht Metern Abstand zur Wand. Bleib ruhig, tauche langsam und lass sie von selbst herankommen. Mein bisher unvergesslichster Moment: ein Schwarm von sieben Weißspitzen, die gemächlich in Formation an mir vorbeizogen, während im Hintergrund der Barrakuda-Tornado sich langsam drehte."
Typische Tierwelt: Was du sehen kannst
Ras Mohammed ist weltweit bekannt für seine Fischschwärme – und das zu Recht. Die Barrakuda-Tornados sind das Markenzeichen des Parks: Hunderte bis Tausende Großer Barrakudas (Sphyraena barracuda) kreisen in einem dicht gedrängten, silbrig glitzernden Wirbelkegel, vor allem im Winter und Frühjahr. Daneben warten:
- Weißspitzen-Riffhaie (ganzjährig, besonders morgens aktiv an der Außenwand)
- Adlerrochen in Schulen von bis zu 20 Tieren
- Napoleon-Lippfisch (Humphead Wrasse) – oft über einen Meter lang, sehr zutraulich
- Riff-Mantarochen (saisonal, Oktober bis März)
- Meeresschildkröten an Anemone City und den flacheren Riffen
- Hunderte Glasfische und Anthias-Wolken in den Korallengärten
- Gelegentlich Hammerhaie tief an der Außenwand des Shark Reef
Beim Drift-Dive am Shark Reef ist eine Signalboje Pflicht – ich verwende die Cressi SMB, die sich zuverlässig auch bei Strömung entfaltet. Am Ende des Drift-Tauchgangs wirst du an der Oberfläche aufgetaucht – ohne sichtbare Boje findet dich das Zodiac in der Dünung nicht.
Beste Reisezeit für Ras Mohammed
Ras Mohammed ist ganzjährig betauchbar, aber Oktober bis April bietet die besten Bedingungen. In diesen Monaten sind die Sichtweiten am höchsten (regelmäßig 30–40 m), die Fischschwärme am dichtesten und die Wassertemperatur mit 22–25°C angenehm für einen 3mm-Neopren. Im Sommer (Juli bis September) steigt das Wasser auf bis zu 28°C – angenehm warm, aber Nordwinde können die Bedingungen für Tagesboote teils erschweren, und die Sichtweite sinkt gelegentlich etwas. Oktober und November sind für mich die heimlichen Monate: Das Meer ist noch vom Sommer aufgewärmt, die großen Barrakuda-Schwärme kehren zurück, und die Touristenzahlen sind niedriger als im Frühjahr.
Für alle Jahreszeiten gilt: Ras Mohammed mit einem 3mm-Neopren ist eine sichere Wahl. Im Winter (Dezember bis Februar) lohnt sich bei mehreren Tauchgängen täglich auch ein 5mm-Anzug, vor allem wenn du empfindlich reagierst.
Anreise, Nationalpark-Eintritt und praktische Infos
Ras Mohammed ist ausschließlich per Boot erreichbar. Nahezu jede Tauchbasis in Sharm el-Sheikh, Sinai, bietet tägliche Tagestouren an – die Fahrtzeit beträgt je nach Spot 15 bis 30 Minuten. Der Nationalpark-Eintritt wird beim Einlass erhoben und liegt aktuell bei ca. 7–10 USD (Stand 2026); er ist üblicherweise im Preis der Tagestour enthalten, aber ratsam nachzufragen. Eigene Baranlandung ist möglich, aber ungewöhnlich und erfordert Absprache.
Die HEPCA-Umweltschutzregeln im Nationalpark sind bindend und werden von Rangern kontrolliert:
- Korallen anfassen verboten – auch unabsichtlich. Tarierung prüfen, bevor du ins Wasser gehst.
- Fische füttern verboten – kein Brot, kein Ei, keine Reste.
- Tiere anfassen verboten – Schildkröten, Haie, Rochen, alle Wirbeltiere.
- Nur reef-safe Sonnencreme – Produkte ohne Octinoxat und Oxybenzon (auch auf dem Boot schon auftragen).
- Anker verboten – Boote nutzen ausschließlich die ausgewiesenen Moorings.
Hurghada oder Sharm als Basis?
Für Ras Mohammed ist die Antwort eindeutig: Sharm el-Sheikh, Sinai, ist deine Basis. Der Park liegt keine 20 Bootsminuten entfernt. Von Hurghada aus wäre die Fahrt über den Golf von Suez mit mehreren Stunden Bootstrip verbunden – das macht keinen Sinn, wenn du Ras Mohammed in deinen Urlaub einplanen willst. Einen ausführlichen Vergleich der beiden Basen für alle anderen Spots des Roten Meeres findest du in meinem Artikel Hurghada oder Sharm el-Sheikh – er hilft dir, je nach Reiseprogramm die richtige Entscheidung zu treffen.
Wenn du neben Ras Mohammed auch die Tiran-Riffe nördlich von Sharm sehen willst – oder das Blue Hole in Dahab –, ist Sharm el-Sheikh ohnehin die logische Wahl als Hub für die gesamte Sinai-Region. Ich würde mindestens fünf bis sieben Nächte einplanen, um beide Ziele zu kombinieren und dabei nicht zu hetzen.
Häufige Fragen
Kann ich als Anfänger in Ras Mohammed tauchen?+
Ja – Anemone City und flachere Bereiche des Yolanda Reef sind auch für Open-Water-Taucher (OWD) geeignet. Die Außenwand des Shark Reef mit Strömung und Tiefen über 25 m ist erfahrenen Tauchern (AOWD+) vorbehalten. Dein Guide beurteilt vor Ort, welcher Spot zu deinem Level passt.
Was kostet der Nationalpark-Eintritt für Ras Mohammed?+
Der Eintrittspreis liegt aktuell bei ca. 7–10 USD pro Person (Stand 2026) und wird beim Einlass am Boot erhoben. Er ist meist im Preis der Tagestour enthalten – zur Sicherheit bei der Tauchschule nachfragen.
Wann ist die beste Reisezeit für Ras Mohammed?+
Oktober bis April bietet die besten Bedingungen: Sichtweiten bis 40 m, die größten Barrakuda-Schwärme und angenehme Wassertemperaturen von 22–25°C. Im Sommer (Juli–September) ist es wärmer, aber Nordwinde können die Bedingungen für Tagesboote erschweren.
Gibt es eine Chance auf Haie in Ras Mohammed?+
Ja – Weißspitzen-Riffhaie sind ganzjährig präsent und werden von erfahrenen Guides regelmäßig gefunden, besonders morgens an der Außenwand des Shark Reef. Hammerhaie tauchen gelegentlich tief an der Außenwand auf. Eine Garantie gibt es nie, aber die Sichtungschancen zählen zu den besten Ägyptens.
Was muss ich wegen der HEPCA-Regeln im Nationalpark beachten?+
Im Nationalpark gelten strenge Umweltschutzregeln: Korallen, Fische und Tiere nicht anfassen oder füttern. Nur reef-safe Sonnencreme ohne Octinoxat und Oxybenzon ist erlaubt. Boote ankern nicht, sondern nutzen feste Moorings. Ranger kontrollieren die Einhaltung und verhängen Bußgelder bei Verstößen.
