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Brother Islands tauchen: Wracks, Haie & Safari-Guide
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Tauchspots 09. Juli 2026 Marc 8 Min. Lesezeit

Brother Islands tauchen: Wracks, Haie & Safari-Guide

Brother Islands tauchen: Wracks Numidia & Aida, Hammerhaie und Steilwände. Alles zu Liveaboard, Saison und Ausrüstung für deine Safari.

Auf einen Blick

  • Ort: Zwei Felseninseln (Big Brother, Little Brother) rund 60 km vor El Quseir, offenes Rotes Meer
  • Anfahrt: Ausschließlich per Liveaboard — kein Tagesausflug, keine Landbasis
  • Level: Fortgeschritten (AOWD + ca. 50 Tauchgänge), Nitrox empfohlen
  • Highlights: Wracks Numidia & Aida, Steilwände mit Weichkorallen, Hammerhaie, Graue Riffhaie, Longimanus
  • Beste Reisezeit: März–November (Hai-Highlights im Sommer), Longimanus ab Herbst

Was sind die Brothers Islands und warum sind sie so besonders?

Die kurze Antwort: Die Brothers Islands sind zwei winzige Felseninseln — Big Brother und Little Brother — rund 60 Kilometer vor der Küste von El Quseir, mitten im offenen Roten Meer. Erreichbar nur per Liveaboard, bieten sie zwei legendäre Wracks (Numidia und Aida), spektakuläre Steilwände voller Weichkorallen und Gorgonien sowie einige der zuverlässigsten Haibegegnungen Ägyptens: Hammerhaie, Graue Riffhaie und im Herbst Longimanus.

Ich habe die Brothers über die Jahre auf zahlreichen Safaris betaucht, und sie gehören für mich zu den absoluten Kronjuwelen des Roten Meeres. Was diese beiden Felsnadeln so besonders macht: Sie ragen aus mehreren hundert Metern Tiefe steil auf. Nährstoffreiches Tiefenwasser trifft hier auf die Riffkanten — und das zieht Großfisch an. Gleichzeitig sind die Wände so dicht mit Weichkorallen bewachsen wie kaum ein anderer Spot Ägyptens. Wracktauchen, Wandtauchen und Haitauchen an einem Ort: Das ist selten.

Big Brother: Die Wracks Numidia und Aida

Big Brother ist die größere der beiden Inseln, erkennbar am markanten Leuchtturm. An ihrer Nord- und Westseite liegen zwei der schönsten Wracks des Roten Meeres — beide über eine steil abfallende Riffwand betaucht, beide traumhaft mit Korallen überwachsen.

Die Numidia — das Frachtschiff an der Nordspitze

Die Numidia war ein britischer Frachtdampfer, der 1901 an der Nordspitze von Big Brother auf Grund lief und sank. Heute liegt das Wrack extrem steil an der Riffwand: Der obere Teil beginnt bei rund 10 Metern, während der Rumpf in die Tiefe bis etwa 85 Meter abfällt. Für Sporttaucher sind die oberen 30 Meter relevant — hier findest du das Deck, Winden und Ladeluken, alles überzogen von einem Teppich aus bunten Weichkorallen. Es ist eines der farbenprächtigsten Wracks, das ich kenne. Die tiefen Teile ab 40 Metern bleiben technischen Tauchern vorbehalten.

Die Aida — an der Südwestwand

Die Aida war ein ägyptisches Versorgungsschiff, das 1957 beim Anlegemanöver an der Südwestwand von Big Brother verunglückte und sank. Ihr Wrack liegt ebenfalls an einer Steilwand, mit dem gut erhaltenen Bug ab etwa 30 Metern und dem Heck, das bis rund 65 Meter abfällt. Der obere Bereich um 30 Meter ist mit Fortgeschrittenen-Zertifizierung machbar, aber tiefenbedingt kurz — Nitrox verlängert hier die Grundzeit spürbar. Wie Numidia und Aida im Ranking der Top-Wracks Ägyptens einzuordnen sind, beschreibe ich in meinem Überblick über die besten Wracks im Roten Meer.

Der Leuchtturm aus der Kolonialzeit

Über Wasser prägt ein historischer Leuchtturm aus der britischen Kolonialzeit das Bild von Big Brother. Er wird bis heute von einer kleinen Besatzung bewohnt. Ein Landgang ist normalerweise nicht gestattet — die Brothers stehen unter Naturschutz —, aber vom Boot aus ist der Turm ein markantes Fotomotiv und ein schöner Kontrast zu den Farben unter Wasser.

Little Brother: Steilwände, Fächerkorallen und die Haie

Little Brother liegt rund einen Kilometer südöstlich von Big Brother und ist die kleinere, aber tauchtechnisch oft noch spektakulärere Schwester. Wracks gibt es hier keine — dafür einige der schönsten Steilwände und die verlässlichsten Haibegegnungen der Region.

Der Gorgonien-Garten am Südplateau

Die Nord- und Ostwand von Little Brother sind mit riesigen Gorgonien-Fächern bewachsen — Fächerkorallen, die zwei Meter und mehr Durchmesser erreichen. Dazu kommen dichte Polster aus Weichkorallen in Rot, Orange und Violett. Am Südplateau, wo die Wand in ein flacheres Riffdach übergeht, sammeln sich Fischschwärme, und genau hier beginnt oft die Haisichtung. Bei guten Bedingungen hast du hier Sichtweiten von 30 bis 40 Metern — Rotes Meer in Bestform.

Hammerhaie und Graue Riffhaie

Little Brother ist einer der besten Spots Ägyptens, um Hammerhaie zu sehen. Von Mai bis September ziehen Schulen von Bogenstirn-Hammerhaien im Blauwasser am Südplateau vorbei — manchmal einzeln, manchmal in Gruppen von einem Dutzend und mehr. Ganzjährig patrouillieren zudem Graue Riffhaie entlang der Wände. Der Trick: früh am Morgen ins Wasser, an der Riffkante bleiben und geduldig ins Blau schauen, statt der Wand zu folgen.

Der Fuchshai im Blauwasser

Das seltenste Highlight ist der Fuchshai (Thresher Shark) mit seiner peitschenartig verlängerten Schwanzflosse. Er hält sich meist im offenen Blauwasser abseits der Wand auf und zeigt sich vor allem in den frühen Morgenstunden. Eine Begegnung ist nie garantiert — aber wenn ein Thresher lautlos aus dem Blau auftaucht, vergisst du sie nie.

Strömung, Tiefe und Anspruch — für wen sind die Brothers geeignet?

Ich sage es ehrlich: Die Brothers sind kein Ziel für Einsteiger. Als Faustregel gilt Advanced Open Water Diver plus mindestens rund 50 geloggte Tauchgänge, davon idealerweise einige im Strömungs- und Blauwassertauchen. Viele Safari-Veranstalter verlangen genau das. Die Wände fallen steil und tief ab, es gibt keinen flachen Boden zum Abstützen, und die Strömung kann kräftig sein.

Diese Strömung ist Fluch und Segen zugleich: Sie bringt die Haie, macht das Tauchen aber anspruchsvoll. An exponierten Ecken wie der Nordspitze von Big Brother oder dem Südplateau von Little Brother baut sich mitunter starke Strömung auf. Genau dann leistet ein Riffhaken unschätzbare Dienste: Du hakst dich an einer toten Stelle der Riffkante ein, stellst die Beine in die Strömung und beobachtest entspannt das Haitreiben, ohne Luft und Kraft zu verschwenden. Eingehakt wird nur an totem Fels oder Sand — nie an lebender Koralle.

Nitrox ist an den Brothers dringend zu empfehlen: Die interessanten Tiefen liegen oft um 25 bis 35 Meter, und angereichertes Atemgas verlängert deine Grundzeit deutlich und verkürzt die Oberflächenpausen zwischen den Tauchgängen. Wer regelmäßig Nitrox taucht, sollte einen nitroxfähigen Computer wie den Suunto Zoop Novo nutzen, um Sättigung und Restzeit im Blick zu behalten. Wenn du zum Ende des Tauchgangs im Blauwasser auftauchst — was an den Brothers oft passiert, weil die Strömung dich von der Wand wegträgt —, führt kein Weg an einer Signalboje vorbei. Meine Namvo SMB Signalboje ist bei jedem Brothers-Tauchgang am Mann: Beim Blauwasser-Aufstieg schießt du sie, damit dich der Zodiac im Wellengang zuverlässig findet. Das ist kein Zubehör, sondern Sicherheitsausrüstung.

Profi-Tipp von Marc

"Plane deine Brothers-Woche nicht als ersten Ägypten-Trip. Ich empfehle allen, vorher ein paar Tauchgänge an ruhigeren Strömungsspots wie Elphinstone oder den Riffen vor Marsa Alam zu sammeln. Wer mit dem Riffhaken und dem Bojenschuss im Blauwasser routiniert ist, genießt die Brothers — wer beides zum ersten Mal macht, ist gestresst statt begeistert. Die Haie laufen dir nicht weg."

Anreise, beste Reisezeit und Ausrüstung für die Brothers

Anreise: Nur per Liveaboard

Es gibt keinen anderen Weg zu den Brothers als per Tauchsafari-Boot. Ein Tagesausflug ist wegen der 60 Kilometer offener See unmöglich, eine Landbasis existiert nicht. Die meisten Boote starten in Hurghada, Marsa Alam oder Port Ghalib. Klassisch werden die Brothers als Teil der berühmten „BDE"-Route gefahren — Brothers, Daedalus und Elphinstone —, meist als sieben Nächte lange Safari. Für die Brothers ist zudem ein spezielles Marine-Park-Permit nötig, das der Veranstalter organisiert. Wie du die passende Safari auswählst und was an Bord auf dich zukommt, erkläre ich ausführlich in meinem Liveaboard-Guide für das Rote Meer.

Beste Reisezeit

Die Brothers-Saison läuft von März bis November — im Winter sind die Marine-Park-Routen wegen der oft rauen See und starker Winde meist geschlossen. Die Haihighlights verteilen sich über die Saison: Hammerhaie und Graue Riffhaie sind vor allem im Sommer von Mai bis September aktiv, während die ozeanischen Weißspitzenhaie (Longimanus) ab dem Spätsommer und im Herbst — grob ab September — an den Wänden auftauchen. Der Longimanus ist der neugierige, kräftige Hai, den du auch am Elphinstone Riff bei Marsa Alam triffst; an den Brothers begegnet er dir an denselben Steilwänden. Für die maximale Hai-Ausbeute ist der Zeitraum von Ende Mai bis Ende Oktober mein Favorit.

Ausrüstung

Im Sommer liegt die Wassertemperatur an den Brothers bei angenehmen 25 bis 28 Grad — ein 3mm Neopren reicht völlig aus. Ich tauche hier mit einem Cressi Morea 3mm Neoprenanzug, der bei mehreren Tauchgängen am Tag genug wärmt, ohne einzuengen. In der Übergangszeit im Frühjahr oder Spätherbst, wenn das Wasser auf 22 bis 24 Grad abkühlt, ist ein 5mm Anzug die bessere Wahl — gerade bei vier Tauchgängen täglich auf einer Safari. Dazu gehören zwingend der bereits erwähnte Riffhaken, eine Signalboje und ein nitroxfähiger Tauchcomputer. Eine komplette Übersicht, welche Neopren-Stärke wann passt, findest du in meinem Neopren-Guide für das Rote Meer.

Die Brothers sind für mich der Inbegriff dessen, wofür man das Tauchen im Roten Meer liebt: farbenprächtige Wände, historische Wracks und echte Großfisch-Action an einem einzigen, abgelegenen Ort. Sie fordern dich — aber sie belohnen dich mit Erlebnissen, die du dein ganzes Taucherleben lang nicht vergisst.

Häufige Fragen

Wie kommt man zu den Brothers Islands?+

Ausschließlich per Liveaboard. Die Brothers liegen rund 60 km vor El Quseir im offenen Roten Meer — ein Tagesausflug ist nicht möglich und es gibt keine Landbasis. Die Safaris starten meist in Hurghada, Marsa Alam oder Port Ghalib, klassisch als 7-Nächte-Tour auf der Brothers-Daedalus-Elphinstone-Route. Ein Marine-Park-Permit organisiert der Veranstalter.

Welche Erfahrung braucht man für die Brothers?+

Die Brothers sind fortgeschrittenes Terrain: Als Faustregel gelten Advanced Open Water Diver plus rund 50 geloggte Tauchgänge, idealerweise mit Erfahrung im Strömungs- und Blauwassertauchen. Nitrox ist dringend empfohlen, da die spannenden Tiefen bei 25–35 Metern liegen. Riffhaken und Signalboje gehören zur Pflichtausrüstung.

Wann sieht man an den Brothers Hammerhaie?+

Hammerhaie sind vor allem von Mai bis September aktiv, mit den besten Chancen am Südplateau von Little Brother. Man beobachtet sie im Blauwasser abseits der Wand — früh morgens ins Wasser, an der Riffkante bleiben und geduldig ins Blau schauen. Graue Riffhaie sind ganzjährig da, Longimanus baut ab September/Herbst auf.

Kann man die Wracks Numidia und Aida betauchen?+

Ja, beide liegen an Big Brother. Die Numidia (1901 gesunken) beginnt an der Nordspitze bei rund 10 Metern und fällt bis etwa 85 Meter ab; die Aida (1957) liegt an der Südwestwand ab etwa 16–30 Metern und reicht bis rund 65 Meter. Die oberen 30 Meter sind für Fortgeschrittene machbar — die tiefen Teile bleiben technischen Tauchern vorbehalten.

Welche Wassertemperatur und welchen Neopren brauche ich?+

Im Sommer (Hauptsaison) liegt die Wassertemperatur an den Brothers bei 25–28 Grad — ein 3mm Neopren reicht völlig aus. In der Übergangszeit im Frühjahr und Spätherbst kühlt das Wasser auf 22–24 Grad ab; dann ist ein 5mm Anzug die bessere Wahl, gerade bei mehreren Tauchgängen täglich auf einer Safari.

Über den Autor

🤿

Marc

PADI Divemaster · Rotes Meer

Seit Jahren tauche ich im Roten Meer und kenne jeden Spot, jede Strömung. Mein Ziel: dir den perfekten Tauchurlaub zu ermöglichen.

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Meine Ausrüstung

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