Das Elphinstone Riff bei Marsa Alam gilt als bester Haitauchspot Ägyptens. Hier erfährst du alles über Saison, Ausrüstung und die Longimanus-Begegnungen.
Auf einen Blick
- Lage: Ca. 35 km nördlich von Marsa Alam, Südliches Rotes Meer
- Form: Zigarrenförmig, ca. 150 m lang, max. 30 m breit
- Tiefe: 25–80 m und tiefer (senkrechte Offshore-Wände)
- Schwierigkeit: AOWD+ – mindestens 50 Logbuch-Tauchgänge, Strömungserfahrung Pflicht
- Beste Haichancen: September bis November am Südplateau
- Anreise: Ca. 2 Std. per Boot ab Marsa Alam oder direkt per Liveaboard
Was macht das Elphinstone Riff so besonders?
Das Elphinstone Riff ist das bekannteste Offshore-Riff Südägyptens: ein zigarrenförmiges Korallenplateau, 35 Kilometer vor Marsa Alam, mit senkrechten Wänden, die bis in 80 Meter und tiefer abfallen. Was es einzigartig macht, ist die Kombination aus weltklasse Korallendichte am Nordplateau, verlässlichen Longimanus-Begegnungen am Südplateau von September bis November und Sichtweiten von 25 bis 40 Metern — das Rote Meer von seiner allerbesten Seite.
Das Riff am Ende der Welt
Das Elphinstone Riff liegt weit draußen, weit genug vom Festland entfernt, um eine ganz eigene Welt zu sein. Das zigarrenförmige Plateau ist rund 150 Meter lang und kaum 30 Meter breit, fällt aber an allen Flanken senkrecht ins tiefe Blau ab. Die Tiefen unter 80 Metern erzeugen aufsteigende Nährstoffströme, die das Elphinstone zu einem der produktivsten Riffe im gesamten Roten Meer machen — jede Menge Nahrung, jede Menge Leben, jede Menge Großfisch.
International bekannt wurde das Elphinstone, als Anfang der 2000er-Jahre Berichte über regelmäßige Begegnungen mit ozeanischen Weißspitzenhaien Taucher aus aller Welt anlockten. Seitdem zählt es zu den besten Spots weltweit für diese pelagischen Raubfische — und für mich persönlich zu den Orten, an die ich immer wieder zurückkehre, obwohl oder gerade weil ich das Riff inzwischen sehr gut kenne. Jeder Tauchgang ist anders.
Der Star: Der Ozeanische Weißspitzenhai (Longimanus)
Der ozeanische Weißspitzenhai (Carcharhinus longimanus) ist eine der urtümlichsten Haiarten der Ozeane. Jacques Cousteau nannte ihn einst den häufigsten pelagischen Hai der Welt — heute steht er auf der Roten Liste der IUCN als gefährdet eingestuft, durch Jahrzehnte der Überfischung dezimiert. Das Rote Meer ist eines der letzten Orte, wo du ihm mit realistischer Wahrscheinlichkeit begegnen kannst. Das macht jeden Longimanus-Tauchgang am Elphinstone zu einem seltenen Privileg.
- Typische Körperlänge: 1,5–2 m, selten bis 3 m
- Erkennungszeichen: Abgerundete, charakteristisch weiß gefärbte Flossenspitzen
- Verhalten: Neugierig, kreisend, langsam — oft in Begleitung von Pilotfischen
- Beste Sichtungschancen: September bis November am Südplateau
- Empfohlener Sicherheitsabstand: Mindestens 2–3 m, ruhige, kontrollierte Bewegungen
Für scharfe Longimanus-Videos im Blauwasser nehme ich immer ein Unterwasser-Videolicht mit — im offenen Wasser fehlt das Umgebungslicht für gute Aufnahmen, und gerade bei den Weißspitzen, die in 15–20 Metern Tiefe im Blau kreisen, macht ein zusätzliches Licht den Unterschied zwischen einem verwackelten Grauschleier und einem echten Erinnerungsvideo.
Profi-Tipp von Marc
"Wenn ein Weißspitzenhai auf dich zukommt, bleib ruhig und halte die Gruppe kompakt. Diese Haie sind von Natur aus neugierig, aber zeigen kein aggressives Verhalten gegenüber Tauchern. Der häufigste Fehler: Taucher schwimmen panisch weg — das signalisiert Beute. Einfach locker im Wasser bleiben, Blickkontakt halten und den Hai vorbeiziehen lassen. Ich habe am Elphinstone Weißspitzen auf Armeslänge gehabt, die mich ruhig beäugt haben und dann ins Blau verschwunden sind. Unvergesslich."
Nord- und Südplateau: Zwei Welten an einem Riff
Das Elphinstone bietet an seinen beiden Enden völlig unterschiedliche Tauchlandschaften — und genau deshalb sind zwei bis drei Tauchgänge hier sinnvoller als einer.
Nordplateau: Hier wachsen prächtige Weichkorallen und Gorgonienfächer in allen Farben des Spektrums — tiefviolett, orange, gelb. Die Korallendichte ist außergewöhnlich hoch, die Sichtweite in aller Regel über 25 Meter, was Fotomotiven ohne Ende bedeutet. Adlerrochen gleiten regelmäßig vorbei, und in der Tiefe lauern gelegentlich Hammerhaie. Das Nordplateau ist auch bei moderater Strömung gut tauchbar, da du dich an der windabgewandten Seite des Riffs orientieren kannst.
Südplateau: Das ist der eigentliche Hotspot für Haisichtungen. Von September bis November sammeln sich hier regelmäßig ozeanische Weißspitzenhaie. Biologen vermuten, dass die Tiere zur Paarung oder auf der Suche nach Beute herkommen. Die Strömungen am Südplateau können stark sein — und genau hier leistet ein Riffhaken unschätzbare Dienste. Du hakst dich an totem Fels ein und beobachtest das Haischauspiel, ohne Luft zu verbrauchen und ohne gegen die Strömung ankämpfen zu müssen. Eingehakt wird ausschließlich an totem Stein oder Sand — niemals an lebender Koralle.
Strömung und Sicherheit am Elphinstone
Das Elphinstone ist kein Riff für jeden. Die senkrechten Wände, die weiten Wege vom Riff zur Wasseroberfläche und die teils kräftige Strömung verlangen Erfahrung und eine ruhige, kontrollierte Technik. Als Faustregel gilt: Advanced Open Water Diver plus mindestens 50 Logbuch-Tauchgänge, davon einige in Strömung. Viele Tagestour-Anbieter überprüfen das Logbuch — und das ist gut so.
Die Strömung am Elphinstone ist schwer vorherzusagen. Sie kann morgens kaum spürbar sein und mittags mit voller Kraft einsetzen. Meine Drift-Taktik: Immer zuerst gegen die Strömung schwimmen, dann mit der Strömung zurücktreiben — so kommst du nie in die Situation, erschöpft gegen den Strom ankämpfen zu müssen. Der Guide macht das obligatorische Briefing — hör genau zu, auch wenn du das Elphinstone schon kennst. Die Bedingungen ändern sich täglich.
Beim Blauwasser-Aufstieg am Südplateau — wenn die Strömung dich von der Wand weggetragen hat — ist eine SMB-Signalboje keine Option, sondern Pflicht. Nur so findet dich das Zodiac-Boot im Wellengang zuverlässig. Ich schieße die Boje immer auf 5 Metern Tiefe, bevor ich in den Sicherheitsstopp gehe — sauber aufgerollt auf der Spule, ohne Verhaken. Das trainiert man vorher, nicht am Elphinstone zum ersten Mal.
Tierwelt abseits der Haie
Wer kein Glück mit Weißspitzen-Haien hat — was selten vorkommt —, wird am Elphinstone dennoch belohnt. Das Riff ist außergewöhnlich artenreich:
- Adlerrochen in Gruppen von bis zu zehn Tieren, elegant über die Riffkante gleitend
- Riesige Thunfisch-Schulen in der Freiwasserzone, besonders am frühen Morgen
- Hammerhaie (Sphyrna lewini) gelegentlich in der Tiefe unter 30 Metern
- Wunderschöne Anthias-Wolken über den Gorgonienfächern am Nordplateau
- Muränen, Feuerfische und Steinbutt im Riffdach
Nur wenige Kilometer südlich von Elphinstone liegt Marsa Abu Dabbab, einer der zuverlässigsten Dugong-Spots Ägyptens. Wer die Region bereist, sollte diesen Halt einplanen. Und wer im Sommer Pech mit dem Longimanus hat, dem empfehle ich einen Blick auf meinen Walhai-Guide — auch Walhaie tauchen am Elphinstone auf, wenn auch unregelmäßiger als an Daedalus Reef.
Anreise und Voraussetzungen
Das Elphinstone Riff ist ausschließlich per Boot erreichbar. Die meisten Anbieter in Marsa Alam fahren das Riff als Tagestour mit zwei Tauchgängen an — Fahrtzeit rund zwei Stunden je Weg. Das funktioniert, aber die intensivere Erfahrung bietet ein Liveaboard: Du kannst auch in der Abenddämmerung ins Wasser, bist früh morgens vor den Tagesbooten am Riff und hast mehrere Tage Zeit, das Riff in verschiedenen Strömungssituationen kennen zu lernen. Wie du das passende Boot auswählst und was an Bord auf dich zukommt, beschreibe ich ausführlich in meinem Liveaboard-Guide.
Wassertemperatur am Elphinstone: 24–27°C im Sommer, 22–24°C im Winter — ein 3mm Neopren ist das ganze Jahr die richtige Wahl. Im Winter oder bei vier Tauchgängen am Tag auf einem Liveaboard kann ein 5mm Anzug sinnvoll sein. Das Riff liegt auf einem Marine-Park-Gebiet; das Permit organisiert der Anbieter. Eine Marine-Park-Schutzgebühr von wenigen US-Dollar wird vor Ort erhoben.
Wichtig: Das Elphinstone ist kein Anfängerriff. Mindestvoraussetzung ist ein Advanced Open Water Diver-Zertifikat, Erfahrung mit Strömungstauchgängen und mindestens 50 Logbuch-Tauchgänge. Das Briefing des Guides vor Ort ist bindend — wer die Bedingungen für einzelne Taucher als zu anspruchsvoll einschätzt, wird sie aus dem Wasser holen. Das ist kein bürokratischer Akt, sondern Fürsorge für die Sicherheit aller.
Häufige Fragen
Ist das Elphinstone Riff gefährlich?+
Bei richtiger Ausrüstung, Erfahrung und professioneller Führung nicht. Die ozeanischen Weißspitzen-Haie sind neugierig, aber zeigen kein aggressives Verhalten gegenüber ruhig bleibenden Tauchern. Die eigentliche Herausforderung ist die Strömung — deshalb gilt die Mindestanforderung von AOWD und 50 Logbuch-Tauchgängen. Mit einem erfahrenen Guide und einem Riffhaken im Gepäck ist das Elphinstone ein gut beherrschbarer Spot.
Wann sind die Chancen auf Longimanus-Sichtungen am besten?+
Die Hochsaison für ozeanische Weißspitzenhaie am Elphinstone Riff ist September bis November. In diesen Monaten sind die Haie am Südplateau am zuverlässigsten anzutreffen, oft für mehrere Minuten pro Tauchgang. Außerhalb dieser Saison sind Sichtungen möglich, aber deutlich seltener.
Kann ich das Elphinstone Riff als Tagestour machen?+
Ja, viele Anbieter in Marsa Alam bieten Tagesausflüge zum Elphinstone mit zwei Tauchgängen an — Fahrtzeit ca. 2 Stunden je Weg. Für ein intensiveres Erlebnis und bessere Haichancen empfehle ich jedoch ein Liveaboard: Du bist früh morgens vor den Tagesbooten am Riff, kannst mehrere Tage bleiben und nutzt die besten Strömungsfenster aus.
Welche Ausrüstung brauche ich für das Elphinstone Riff?+
Pflichtausrüstung: Signalboje (SMB) mit Spule für Blauwasser-Aufstiege, Riffhaken für strömungsreiche Situationen am Südplateau, Tauchcomputer (Nitrox-fähig empfohlen), 3mm Neopren (im Winter 5mm). Optional, aber sehr empfehlenswert: ein Unterwasser-Videolicht für gute Aufnahmen der Haie im offenen Wasser.
Wie kombiniere ich das Elphinstone mit anderen Spots?+
Das Elphinstone ist häufig Teil der klassischen "BDE"-Liveaboard-Route — Brothers, Daedalus und Elphinstone in einer Woche. Von Marsa Alam aus lässt sich das Riff gut mit einem Landaufenthalt kombinieren: ein bis zwei Tage Elphinstone-Tagestour, dann Schnorcheln mit Dugongs in Marsa Abu Dabbab, danach Boarding für einen Liveaboard zu den Süd-Spots.
