Seepferdchen im Roten Meer sind selten und perfekt getarnt. Die besten Spots in Dahab und Marsa Alam – plus Tipps, wie du sie beim Tauchgang findest.
Auf einen Blick
- Ort: Dahab-Lagune (Sinai), Seegraswiesen bei Abu Dabbab und Marsa Shouna (Marsa Alam)
- Tiefe: 3–12 m, meist im ruhigen Flachwasser über Seegras und Sand
- Beste Reisezeit: ganzjährig möglich, ruhige See von Mai bis Oktober begünstigt das Spotten
Wo du Seepferdchen im Roten Meer am ehesten siehst
Die besten Chancen auf ein Seepferdchen im Roten Meer hast du in der Dahab-Lagune im Sinai und in den Seegraswiesen von Abu Dabbab und Marsa Shouna bei Marsa Alam, jeweils in 3 bis 12 Metern Tiefe zwischen Seegras, Algenbewuchs und Gorgonien. Eine Garantie gibt es trotzdem nie. Selbst an diesen Spots ist eine Sichtung Glückssache und hängt stark davon ab, wie langsam und aufmerksam du und dein Guide den Grund absuchen.
Ich tauche seit über zehn Jahren im Roten Meer, und Seepferdchen gehören für mich zu den Tieren, bei denen ich nach jedem gefundenen Exemplar kurz innehalte, weil es eben nicht selbstverständlich ist. Anders als bei Doktorfischen oder Füsilieren, die dir am Riff in Schwärmen entgegenkommen, musst du bei Seepferdchen aktiv und geduldig suchen. Oft reicht sogar ein einziger Tauchgang nicht.
Warum Seepferdchen so selten gesichtet werden
Im Vergleich zu anderen Fischarten ist die Bestandsdichte von Seepferdchen im Roten Meer gering. Es gibt hier kein Massenvorkommen wie bei Doktorfischen oder Falterfischen, die du an fast jedem Riff in großer Zahl findest. Seepferdchen leben verstreut, oft einzeln oder paarweise, und sind an sehr spezifische Lebensräume gebunden: Seegraswiesen, Algenfelder und manchmal Weichkorallen oder Gorgonien in ruhigem, geschütztem Wasser.
Dazu kommt ein ausgeprägtes Meideverhalten. Seepferdchen bewegen sich kaum, schwimmen extrem langsam und bleiben bei Störung oft einfach bewegungslos stehen, statt zu fliehen. Das macht sie zwar leichter zu beobachten, sobald du eines gefunden hast, aber eben auch unglaublich schwer zu entdecken, weil sie sich nicht durch Bewegung verraten. Ein ähnliches Prinzip der Tarnung durch Stillhalten statt Flucht findest du übrigens auch bei Oktopussen und anderen Tintenfischen im Roten Meer, nur dass die zusätzlich noch aktiv die Farbe wechseln können.
Meister der Tarnung: Wie sich Seepferdchen unsichtbar machen
Seepferdchen passen Farbe und Hautstruktur direkt an ihren Hintergrund an, an Gorgonienäste, Algenbewuchs oder sandigen Untergrund. Mit einer Größe von meist nur 2 bis 15 Zentimetern und fast keiner Eigenbewegung verschmelzen sie optisch so stark mit ihrer Umgebung, dass selbst erfahrene Taucher oft nur wenige Zentimeter entfernt vorbeischwimmen, ohne sie zu bemerken.
Charakteristisch ist auch, wie sie sich festhalten: Mit dem Schwanz umklammern sie Seegrashalme, Algenästchen oder Gorgonienzweige und lassen sich praktisch nicht von der Strömung wegtreiben. Dadurch bleiben sie stundenlang an derselben Stelle (gut für dich, wenn ein Guide einmal eines gefunden hat, aber schlecht, wenn du selbst suchst), weil sich an diesem einen Fleckchen Seegras eben nichts bewegt, das dein Auge anziehen würde.
Welche Seepferdchen-Arten im Roten Meer vorkommen und wie gefährdet sie sind
Am häufigsten begegnet dir im Roten Meer das Rotmeer-Seepferdchen, Hippocampus fuscus, ein kleiner, meist bräunlich bis gelblich gefärbter Vertreter der Gattung Hippocampus, der genau das oben beschriebene Tarnverhalten über Seegras und Algen zeigt. Daneben gibt es Hinweise auf dornigere Verwandte wie Hippocampus histrix, die durch feine, stachelartige Hautfortsätze noch schwerer von bewachsenen Gorgonienästen zu unterscheiden sind als die glatteren Arten. Für dich als Taucher ist eine sichere Artbestimmung während des Tauchgangs allerdings kaum zu leisten, weil dafür Zeit, Nähe und Ruhe nötig wären, die du dem Tier aus Rücksicht gar nicht zumuten solltest.
Alle Arten der Gattung Hippocampus stehen seit 2004 unter Anhang II des Washingtoner Artenschutzübereinkommens CITES, der internationale Handel ist also streng reguliert. Für dich als Taucher ist aber der Lebensraumschutz direkt greifbarer: Seegraswiesen wie in der Dahab-Lagune oder bei Abu Dabbab sind empfindliche Ökosysteme, die durch Ankerschäden, aufgewirbeltes Sediment oder unachtsame Flossenschläge schnell beschädigt werden. Deshalb gilt an den meisten Spots eine klare Regel: nicht auf dem Grund stehen, nicht mit der Flosse durch die Wiese pflügen, und ein gefundenes Seepferdchen nur aus respektvollem Abstand beobachten.
Für mich persönlich macht genau das den Unterschied: Eine Seepferdchen-Sichtung im Roten Meer fühlt sich anders an als die meisten anderen Begegnungen am Riff, weil du nicht nur ein seltenes Tier siehst, sondern auch einen Lebensraum, der selbst Rücksicht braucht. Das ändert auch mein eigenes Verhalten im Wasser: ruhiger schwimmen, mehr auf die Flossenspitzen achten und lieber zwei Minuten länger in sicherem Abstand bleiben, als für ein besseres Foto näher heranzudrängen.
Die besten Spots: Dahab und Marsa Alam
In Dahab sind die Lagune und die angrenzenden flachen Sandzonen mit Seegras- und Algenbewuchs die zuverlässigsten Stellen. Das ruhige Flachwasser dort erlaubt ein langsames, systematisches Absuchen des Grunds, ohne dass dich Strömung aus der Spur bringt. Genau das brauchst du für eine Seepferdchen-Sichtung. Auch Abu Galandal, etwas südlich der Lagune, zählt zu den Spots, an denen ich und lokale Guides immer wieder fündig geworden sind.
Bei Marsa Alam liegen die besten Chancen in den Seegraswiesen von Abu Dabbab und Marsa Shouna. Beide Buchten sind vor allem für ihre Schildkröten und gelegentlichen Dugong-Sichtungen bekannt, bieten aber mit ihrem ausgedehnten Seegrund genau den Lebensraum, den auch Seepferdchen bevorzugen. Wer hier langsam über den Riffboden und entlang der Riffbasis gleitet, hat gute Chancen, zwischen Schildkröten und Seekühen auch das deutlich unauffälligere Seepferdchen zu entdecken.
Geduld zahlt sich aus: Was ein gutes Guide-Briefing ausmacht
An Spots wie Dahab oder Abu Dabbab briefen erfahrene Guides ihre Gruppe vor dem Tauchgang gezielt auf Seepferdchen: langsames, ruhiges Vorwärtskommen, Augen nah am Grund und an der Riffbasis, kein hektisches Schwimmen quer durchs Wasser. Wer mit normalem Reisetempo über das Riff gleitet, wird so gut wie nie ein Seepferdchen finden. Du musst bewusst langsamer werden, als dir am Anfang vielleicht angenehm erscheint.
Genauso wichtig ist der zweite Teil des Briefings: Geduld und Respekt vor dem Habitat. Seepferdchen und ihr Lebensraum dürfen nicht berührt werden, auch nicht, um sie für ein besseres Foto in Position zu bringen. Ein guter Guide erklärt das vorher klar, nicht erst, wenn jemand schon die Hand ausstreckt. Ich sage meinen Gruppen immer: Wenn wir eines finden, bleiben wir ruhig auf Abstand stehen und lassen das Tier einfach in seiner Haltung. Alles andere stört mehr, als es bringt.
Profi-Tipp von Marc
"Ich suche nie das ganze Riff ab, sondern wähle mir einen kleinen Abschnitt Seegras oder Algenfeld und gehe den in Zeitlupe durch. Zehn Minuten an einer Stelle bringen mir mehr als ein ganzer hektischer Tauchgang, und wenn der Guide vorher ein Exemplar markiert hat, umso besser."
Richtig fotografieren, ohne zu stören
Seepferdchen reagieren empfindlich auf Licht und vor allem auf Blitze aus kurzer Distanz. Für ein gutes Makrofoto reicht in der Regel vorhandenes Licht oder ein gedimmtes Dauerlicht, statt mit dem Blitz direkt draufzuhalten. Grundlegende Technik und Einstellungen für solche Nahaufnahmen im Roten Meer habe ich ausführlich in meinem Guide zur Makrofotografie beim Tauchen im Roten Meer zusammengefasst.
Für diese Art von Motiven nutze ich seit einiger Zeit die OM System Tough TG-7, weil ihr Makromodus auch kleine, bewegungsarme Motive wie Seepferdchen aus wenigen Zentimetern Entfernung scharf einfängt, ohne dass ich eine aufwendige Spiegelreflex-Ausrüstung mitschleppen muss. Für Tauchgänge bis in die hier relevanten 12 Meter brauchst du dafür zusätzlich ein passendes OM System PT-059 Unterwassergehäuse, das die Kamera bis 45 Meter Tiefe schützt und trotzdem alle Bedienelemente zugänglich lässt.
Wenn du statt Blitz lieber mit kontinuierlichem Licht arbeitest, um das Tier nicht zu erschrecken, lohnt sich ein kleines LED-Unterwasser-Videolicht als Fülllicht. Damit kannst du die Lichtmenge sanft dosieren, statt das Seepferdchen mit einem einzelnen hellen Blitz zu überraschen. Gerade bei einem Tier, das ohnehin schon selten genug vor die Linse kommt, macht das für mich den Unterschied zwischen einem gestressten und einem entspannten Motiv.
Häufige Fragen
Wie oft sieht man Seepferdchen beim Tauchen im Roten Meer?+
Eher selten. Die Bestandsdichte im Roten Meer ist gering, Seepferdchen leben einzeln oder paarweise in Seegraswiesen und Algenfeldern und verraten sich kaum durch Bewegung. Selbst an guten Spots wie Dahab oder Abu Dabbab ist eine Sichtung nicht pro Tauchgang garantiert, sondern Glückssache mit etwas Übung.
In welcher Tiefe leben Seepferdchen im Roten Meer?+
Meist in 3 bis 12 Metern Tiefe, also im ruhigen Flachwasser über Seegras, Algen oder Sand. Diese geringe Tiefe begünstigt auch das langsame, geduldige Absuchen des Grunds, das für eine Sichtung nötig ist.
Welche Seepferdchen-Arten kommen im Roten Meer vor?+
Im Roten Meer werden vor allem kleine, 2 bis 15 Zentimeter große Rotmeer-Seepferdchen (Hippocampus fuscus) gesichtet, gelegentlich auch dornigere Verwandte wie Hippocampus histrix. Die Farbe und Hautstruktur beider Arten passt sich stark an Gorgonien, Algen oder Sand an, was eine genaue Bestimmung im Tauchgang oft schwieriger macht als das reine Auffinden.
Darf ich ein Seepferdchen berühren oder zum Fotografieren bewegen?+
Nein. Seepferdchen und ihr Lebensraum dürfen nicht berührt werden, auch nicht für ein besseres Foto. Alle Arten der Gattung Hippocampus stehen seit 2004 unter CITES-Schutz, und ein gutes Guide-Briefing weist vor dem Tauchgang explizit darauf hin, ruhig auf Abstand zu bleiben und das Tier in seiner natürlichen Haltung zu lassen.
Wann ist die beste Reisezeit für Seepferdchen-Sichtungen im Roten Meer?+
Grundsätzlich sind Sichtungen ganzjährig möglich, da Seepferdchen nicht wandern. Ruhigere See zwischen Mai und Oktober erleichtert aber das langsame, kontrollierte Absuchen von Seegraswiesen und Algenfeldern, was die Chancen auf eine Sichtung erhöht.
