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Oktopus & Tintenfisch im Roten Meer beim Tauchen
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Tierwelt 06. Oktober 2026 Marc 8 Min. Lesezeit

Oktopus & Tintenfisch im Roten Meer beim Tauchen

Oktopus und Tintenfisch beim Tauchen im Roten Meer entdecken: beste Spots, Arten und die richtige UW-Lampe für den perfekten Nachttauchgang.

Auf einen Blick

  • Ort: Riffkanten und Sandflächen bei Hurghada, Marsa Alam und Dahab, Rotes Meer
  • Tiefe: meist 5–20 m, manche Oktopusse auch flacher auf 2–5 m
  • Beste Zeit: ganzjährig, Dämmerung und Nachttauchgänge liefern die sichersten Sichtungen

Wo und wann siehst du Oktopus und Tintenfisch im Roten Meer am besten?

Die kurze Antwort: an Riffkanten und auf Sandflächen in der Dämmerung oder bei Nacht. Cephalopoden im Roten Meer sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv und ziehen sich tagsüber in Spalten, unter Korallenblöcke oder in selbst gebaute Höhlen zurück. Deine besten Chancen hast du ganzjährig, am verlässlichsten aber beim Nachttauchgang mit einer kräftigen UW-Lampe, wenn die Tiere aktiv auf Jagd gehen.

Ich tauche seit über 15 Jahren im Roten Meer, und ehrlich gesagt: Oktopusse waren für mich lange die unsichtbaren Bewohner des Riffs. Man schwimmt dran vorbei, ohne sie zu bemerken. Erst wenn man lernt, worauf man achten muss, ändert sich das. Ein frisch geöffneter Sandtrichter vor einem Loch, ein paar herausragende Muschelreste, eine Delle im Sand mit zu glatten Rändern: Das sind die Spuren, die mich heute öfter zum Oktopus führen als jede Zufallssichtung.

Welche Cephalopoden-Arten leben im Roten Meer?

Am häufigsten begegnest du im Roten Meer dem Tagkraken (Octopus cyanea), der trotz seines Namens auch nachts aktiv ist. Er fällt durch sein extrem schnelles Farb- und Texturwechseln auf, innerhalb von Sekunden springt er von sandfarben und glatt zu dunkel und zottelig um. Mit etwas Geduld erkennst du ihn oft zuerst an der Bewegung, nicht an der Farbe, weil er sich binnen Millisekunden an den Untergrund anpasst.

Die zweite regelmäßig gesichtete Art ist der Weißgefleckte Oktopus (Octopus macropus bzw. Callistoctopus macropus), nachtaktiv, mit auffällig langen, schlanken Armen und charakteristischen weißen Punkten auf rötlich-brauner Haut. Bei Tintenfischen ist die Pharaonen-Sepia (Sepia pharaonis) der Star: ein beeindruckend großes Tier, das bis zu 45 Zentimeter Mantellänge erreichen kann und bei Balzverhalten in schillernden Streifenmustern über die Haut pulsiert, ein Schauspiel, das ich jedem einmal zeigen will, der bei mir mittaucht.

Was ich hier offen ansprechen muss, weil im Internet viel Unsinn kursiert: Der berühmte Mimic-Octopus (Thaumoctopus mimicus), der andere Tiere imitiert, stammt aus dem Indopazifik, vor allem aus Indonesien und von den Philippinen. Im Roten Meer gibt es keine bestätigten, wissenschaftlich dokumentierten Populationen. Vereinzelte Berichte von Guides sind unter Taucherkollegen umstritten und nicht verifiziert. Geh also nicht mit der Erwartung ins Wasser, hier einen Mimic-Octopus zu finden. Gleiches gilt für den namensgebenden Blauring-Oktopus (Gattung Hapalochlaena): Er ist im Roten Meer nicht heimisch, seine Verbreitung liegt im Indopazifik, vor allem rund um Australien und Südostasien. Was du im Roten Meer siehst, ist der deutlich größere und ungefährlichere Tagkrake. Fass trotzdem nicht voreilig jeden kleinen Kraken an: Verwechslungen mit dem giftigen Blauring-Oktopus will niemand riskieren.

Wie tarnen und jagen Oktopus und Tintenfisch?

Was die Farbwechsel von Oktopus und Tintenfisch so faszinierend macht, ist die Technik dahinter: In ihrer Haut liegen tausende Chromatophoren, pigmentgefüllte Zellen, die von winzigen Muskeln umspannt sind. Zieht sich der Muskel zusammen, dehnt sich die Pigmentzelle aus und die Farbe wird sichtbar; entspannt er sich, zieht sich die Zelle zusammen und die Farbe verschwindet wieder. Darunter liegen reflektierende Iridophoren und weiße Leukophoren, die zusätzlich Glanz und Helligkeit der Haut steuern. Weil das Nervensystem diese Muskeln direkt ansteuert, läuft der Wechsel in Sekundenbruchteilen ab, viel schneller, als es über Hormone oder Pigmentproduktion je möglich wäre. Zusätzlich können Oktopusse über kleine Muskelpapillen in der Haut sogar die Textur verändern und so von glatt auf zottelig und korallenartig umschalten, eine Fähigkeit, die Tintenfischen fehlt.

Bei der Jagd nutzen beide Gruppen ihre Tarnung unterschiedlich. Der Tagkrake bewegt sich oft langsam tastend über den Sand, prüft mit den Saugnäpfen jede Spalte und jedes Loch und stülpt bei einer Entdeckung sein komplettes Armnetz wie einen Fallschirm über die Stelle, sodass die Beute keine Fluchtmöglichkeit hat. Das sehe ich bei Tagtauchgängen in Marsa Alam öfter als bei der Nachtschicht am Riff. Die Pharaonen-Sepia jagt anders: Sie nähert sich kleinen Fischen und Garnelen langsam und lässt dabei hypnotisierende, pulsierende Streifenmuster über den Mantel laufen, die ihre Beute offenbar kurz irritieren, bevor sie mit den beiden ausschießenden Fangarmen zuschlägt. Für deine eigene Beobachtung bedeutet das: Wer sich ruhig verhält und etwas Abstand hält, bekommt mit Glück genau diesen Moment zu sehen, in dem Tarnung zu Aktion wird. Wer diese Farbwechsel auch fotografisch festhalten will, findet die passende Kamera- und Lichteinstellung in meinem Einstieg in die Unterwasser-Fotografie.

Die besten Spots für Oktopus- und Tintenfisch-Sichtungen

In Hurghada liefern die flachen Riffkanten rund um Giftun Island und die Hausriffe entlang der Promenade regelmäßig Sichtungen, oft schon auf wenigen Metern Tiefe direkt über dem Sand, der ans Riff grenzt. In Marsa Alam sind es die Sandflächen bei Abu Dabbab und Sha'ab Samadai, wo Tagkraken tagsüber Krabben und Muscheln jagen. Hier lohnt sich ein langsamer, geduldiger Tauchstil mehr als schnelles Riff-Abschwimmen.

Dahab ist für mich persönlich der zuverlässigste Spot: Die Sandflächen zwischen den Riffkörpern am Lighthouse und in der Lagune sind voller kleiner Löcher und Höhlen. Ich habe hier an einem einzigen Tauchgang schon drei verschiedene Oktopusse gefunden, weil das Terrain einfach ideal zum Verstecken und Jagen ist. Generell gilt: Sandflächen direkt neben Riffstrukturen schlagen reine Hartkorallen-Bereiche, weil Cephalopoden dort sowohl Deckung als auch Beute finden.

Warum Nachttauchgänge die besten Chancen bieten

Tagsüber verstecken sich die meisten Cephalopoden, weil sie selbst Jagdbeute für größere Fische sind. Sobald die Sonne untergeht, kehrt sich das Kräfteverhältnis um: Viele ihrer tagaktiven Fressfeinde ziehen sich zurück, während Oktopus und Tintenfisch aktiv auf Jagd gehen und dabei ihre Tarnung zeitweise aufgeben müssen, um Beute zu greifen. Das macht die Dunkelheit paradoxerweise zur Stunde, in der sie am leichtesten zu entdecken sind.

Bei meinen Nachttauchgängen im Roten Meer erlebe ich das immer wieder: Der Lichtkegel der Lampe fällt auf eine Sandfläche, und plötzlich bewegt sich dort, wo eine Sekunde vorher nichts war, ein Arm. Tintenfische schweben dabei oft regungslos im Wasser, bis das Licht sie erfasst. Dann starten sie ihr charakteristisches Farbenspiel, bevor sie sich mit einem Düsenstoß zurückziehen. Wichtig dabei: Nicht direkt ins Gesicht der Tiere leuchten und den Lichtkegel ruhig halten, sonst verschwinden sie, bevor du überhaupt reagieren kannst.

Die richtige Ausrüstung für Cephalopoden-Beobachtung

Das wichtigste Ausrüstungsstück für diese Art der Beobachtung ist eine helle, aber nicht übermäßig grelle UW-Lampe. Zu schwaches Licht, und du siehst die Tiere erst, wenn du fast drüber schwimmst. Zu grell und zu hart fokussiert, und sie fliehen sofort, sobald der Strahl sie trifft. Ich tauche seit Jahren mit der Wurkkos DL10R mit 4500 Lumen als Primärlampe. Sie hat genug Leistung, um auch in zwanzig Metern Tiefe Farben originalgetreu zu zeigen, lässt sich aber über mehrere Stufen dimmen, was bei empfindlichen Cephalopoden Gold wert ist. Als Backup-Lampe, die ich bei jedem Nachttauchgang zusätzlich am Gurt trage, nutze ich die kompaktere Wurkkos DL30 mit 3600 Lumen, damit du nie im Dunkeln bist, falls die Primärlampe mal ausfällt. Wer eine kleinere, günstigere Lösung mit Magnetschalter sucht, findet mit der ORCATORCH D550 (1000 Lumen, IP68) eine solide Alternative für kürzere Tauchgänge oder als Zweitlampe.

Bei den Wassertemperaturen im Roten Meer von 22 bis 28 Grad reicht ganzjährig ein 3-mm-Neoprenanzug, im Winter kombiniert mit einer Weste oder einem 5-mm-Anzug, wenn du längere Tauchgänge planst und schnell frierst. Verzichte auf jeden Fall auf Kaltwasser-Ausrüstung. Die brauchst du hier nicht. Für die Beobachtung selbst gilt eine einfache Regel: Hände bei dir behalten. Oktopusse und Tintenfische reagieren auf Berührung mit Stress, manche Arten setzen Tinte frei oder ziehen sich sofort zurück und zeigen sich den Rest des Tauchgangs nicht mehr. Halte Abstand von mindestens einer Armlänge, bewege dich langsam und lass das Tier entscheiden, ob es sich weiter zeigt.

Profi-Tipp von Marc

"Wenn du einen frischen 'Müllhaufen' aus leeren Muschel- und Krebsschalen vor einem Loch im Sand siehst, warte einfach fünf Minuten ruhig davor. Das ist der Essensabfall eines Oktopus vor seiner Höhle. Die Chance, dass er noch drin sitzt oder gleich zurückkommt, ist ziemlich hoch."

Häufige Fragen

Ist der Mimic Octopus im Roten Meer zu sehen?+

Nein, nicht verlässlich. Der Mimic-Octopus (Thaumoctopus mimicus) ist eigentlich im Indopazifik beheimatet, vor allem rund um Indonesien und die Philippinen. Vereinzelte Berichte aus dem Roten Meer sind unter Tauchern umstritten und wissenschaftlich nicht bestätigt. Plane deinen Tauchgang besser mit der Erwartung, Tagkraken oder Pharaonen-Sepien zu sehen.

Sind Oktopusse im Roten Meer gefährlich?+

Die im Roten Meer vorkommenden Arten wie der Tagkrake sind für Taucher harmlos, solange man sie nicht anfasst oder einengt. Der giftige Blauring-Oktopus, dessen Biss gefährlich werden kann, ist im Roten Meer nicht heimisch, sondern im Indopazifik verbreitet. Trotzdem gilt: Hände bei dir, nicht berühren.

Welche Jahreszeit ist am besten für Cephalopoden-Sichtungen?+

Oktopusse und Tintenfische sind im Roten Meer ganzjährig präsent, es gibt keine ausgeprägte Saison. Die Sichtchancen hängen weniger vom Monat als von der Tageszeit ab. Dämmerung und Nachttauchgänge schlagen die Mittagszeit deutlich.

Wie fotografiere ich Oktopus und Tintenfisch, ohne sie zu stressen?+

Nutze eine dimmbare Lampe und vermeide Dauerblitze aus kurzer Distanz. Halte mindestens eine Armlänge Abstand, bewege dich langsam ohne hektische Annäherung und beobachte zuerst ein bis zwei Minuten, bevor du die Kamera hebst. Reagiert das Tier mit Farbwechsel, Rückzug oder Tintenausstoß, ist der Abstand zu gering.

Tag- oder Nachttauchgang: Was bringt mehr Cephalopoden-Sichtungen?+

Der Nachttauchgang bietet klar die besseren Chancen, weil Oktopus und Tintenfisch dann aktiv jagen und ihre Tarnung dabei zeitweise aufgeben müssen. Tagsüber findest du sie eher über indirekte Spuren wie frische Muschelreste vor einer Höhle als durch direkte Sichtung.

Über den Autor

🤿

Marc

PADI Divemaster · Rotes Meer

Seit Jahren tauche ich im Roten Meer und kenne jeden Spot, jede Strömung. Mein Ziel: dir den perfekten Tauchurlaub zu ermöglichen.

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