Tauchen in Ägypten im Sommer: 30 °C warmes Wasser, Shorty statt 5mm und Hammerhai-Saison. Mit diesen Hitze-Tipps meisterst du Juli und August!
Auf einen Blick
- Wassertemperatur: Norden 27–29 °C, Süden 29–31 °C – wärmer wird das Rote Meer nie
- Lufttemperatur: 33–38 °C in Hurghada und Sharm, im Süden um Marsa Alam bis über 40 °C
- Anzug: 2,5–3mm Shorty reicht – nur Frierer und Safari-Taucher nehmen 3mm lang
- Größtes Risiko: Dehydration – mindestens 3–4 Liter Wasser pro Tag trinken
- Highlight: Hammerhai-Hochsaison an Daedalus, Brothers und Jackson Reef
Jedes Jahr im Juni bekomme ich dieselben Nachrichten: „Marc, ist es im Juli in Ägypten nicht viel zu heiß zum Tauchen?“ Meine Antwort nach über 2.000 Tauchgängen im Roten Meer – viele davon mitten im Hochsommer: Nein. Unter Wasser ist der Sommer sogar die schönste Zeit des Jahres. Das eigentliche Thema ist nicht der Tauchgang, sondern alles drumherum: die Stunden an Deck, der Weg über den glühenden Steg, das Trinken, der Sonnenschutz. Genau darum geht es in diesem Guide – damit dein Sommerurlaub am Roten Meer nicht an der Hitze scheitert, sondern von ihr profitiert.
Kann man beim Tauchen in Ägypten im Sommer die Hitze aushalten?
Ja – Tauchen in Ägypten im Sommer funktioniert hervorragend, wenn du dich an ein paar Regeln hältst. Das Wasser hat im Juli und August 29–31 °C im Süden um Marsa Alam und 27–29 °C im Norden um Hurghada und Sharm el-Sheikh – ein dünner Shorty reicht völlig. Dazu ist Hochsommer Hammerhai-Hochsaison an den Offshore-Riffen, die See ist ruhig und die Sicht erstklassig. Die Herausforderung ist die Hitze an Land: Bei Lufttemperaturen von 35 bis über 40 °C entscheiden Trinkdisziplin, Sonnenschutz und kluges Timing darüber, ob deine Tauchwoche großartig oder anstrengend wird.
Wasser- und Lufttemperaturen: Region für Region
„Ägypten im Sommer“ ist nicht überall gleich heiß. Zwischen dem Sinai im Norden und Hamata tief im Süden liegen über 500 Kilometer – und ein paar entscheidende Grad Unterschied.
Der Norden: Hurghada, El Gouna und Sharm el-Sheikh
Im Norden erreicht das Rote Meer im Juli und August 27–29 °C an der Oberfläche – badewannenwarm, aber durch die Strömungen der Straße von Gubal und Tiran immer mit etwas Bewegung im Wasser. Die Luft klettert in Hurghada und El Gouna auf 33–38 °C, in Sharm el-Sheikh ähnlich. Der ständige Nordwind, der das ganze Jahr über die Küste streicht, macht die Hitze an Deck erstaunlich erträglich: Auf dem fahrenden Tagesboot fühlt sich der August-Nachmittag deutlich milder an als am windstillen Hotelpool. Beim Abtauchen spürst du ab etwa 25 Metern oft eine Sprungschicht mit kühlerem Wasser – genau dort stehen übrigens im Sommer die Hammerhai-Schulen.
Der Süden: Marsa Alam und Hamata
Der tiefe Süden ist die heißeste Ecke des Landes. Das Wasser erreicht um Marsa Alam und Hamata 29–31 °C – wärmer wird es nirgendwo im Roten Meer. Die Luft steigt im August regelmäßig auf 40 °C und mehr. Klingt brutal, ist aber trockene Wüstenhitze: Die Luftfeuchtigkeit liegt oft unter 20 Prozent, dein Schweiß verdunstet sofort, und im Schatten mit Wind ist es gut auszuhalten. Auf den Safaribooten Richtung Daedalus oder St. Johns mildert der Fahrtwind die Hitze zusätzlich. Trotzdem gilt: Der Süden im Hochsommer ist nichts für Hitzeempfindliche – wer bei 40 °C leidet, tauscht Marsa Alam besser gegen den windigeren Norden oder verschiebt auf September.
Der richtige Anzug: Shorty, Rashguard oder doch lang?
Bei 29–31 °C Wassertemperatur ist die Anzugfrage einfach – auf den ersten Blick. Für ein bis zwei Tauchgänge am Tag reicht ein 2,5–3mm-Shorty völlig aus, manche tauchen im August sogar nur im Rashguard. Ich selbst bin im Hochsommer fast immer mit meinem Cressi Shorty in 2,5mm unterwegs: schnell an- und ausgezogen, schützt vor Nesselkontakt und Sonnenbrand an den Schultern und trocknet auf dem Deck in zwanzig Minuten.
Der zweite Blick gilt den Safari-Tauchern: Bei drei bis vier Tauchgängen täglich kühlt dein Körper über die Woche schleichend aus – auch in 30 °C warmem Wasser, denn das liegt immer noch sieben Grad unter deiner Körpertemperatur. Wer schnell friert oder eine ganze Safariwoche mit Nachttauchgängen plant, nimmt deshalb besser einen langen 3mm-Anzug mit. Spätestens beim vierten Tauchgang des Tages wirst du ihn lieben. Welche Neoprenstärke zu welchem Reisemonat passt, habe ich in meinem Guide Neoprenanzug fürs Rote Meer: Welche Stärke wann? ausführlich aufgeschlüsselt.
Dehydration: Das unterschätzte Deko-Risiko im Sommer
Jetzt zum wichtigsten Kapitel dieses Artikels – dem, das kaum ein Urlauber auf dem Schirm hat. Im ägyptischen Sommer dehydrierst du schneller, als du merkst, und zwar aus drei Gründen gleichzeitig:
- Staubtrockene Flaschenluft: Die Atemluft aus deiner Flasche hat praktisch null Prozent Luftfeuchtigkeit. Dein Körper feuchtet jeden Atemzug an – und verliert dabei pro Tauchtag spürbar Wasser.
- Unsichtbares Schwitzen: Bei 20 Prozent Luftfeuchtigkeit verdunstet dein Schweiß, bevor du ihn siehst. Du fühlst dich trocken und verlierst trotzdem literweise Flüssigkeit.
- Klimaanlage: Auch klimatisierte Kabinen- und Hotelluft ist extrem trocken und entzieht dir über Nacht weiter Wasser.
Warum das für Taucher mehr als ein Komfortproblem ist: Dehydration dickt dein Blut ein, die Durchblutung der Gewebe verschlechtert sich – und damit der Abtransport des Stickstoffs nach dem Tauchgang. Ein dehydrierter Taucher trägt bei identischem Tauchprofil ein indirekt erhöhtes Risiko für Dekompressionsprobleme. Meine Regeln aus zwanzig Sommern am Roten Meer: 3–4 Liter Wasser pro Tag, dazu bei Safaris Elektrolyte (eine Brausetablette pro Tag reicht), Alkohol abends nur in homöopathischen Dosen und Kaffee als Genuss, nicht als Durstlöscher. Der beste Indikator ist banal: deine Urinfarbe. Hellgelb heißt weitermachen, dunkelgelb heißt sofort trinken.
Und noch ein ernstes Wort: Die Symptome einer Hitzeerschöpfung – Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel, Erschöpfung – überlappen sich mit denen eines Dekompressionsunfalls. Wer nach dem Tauchgang solche Beschwerden hat, muss das ernst nehmen und im Zweifel den Divemaster oder Arzt einschalten, statt es auf „war halt heiß heute“ zu schieben.
Profi-Tipp von Marc
"Mein Sommer-Ritual auf jedem Boot: ein großes Glas Wasser direkt nach jedem Tauchgang, noch bevor ich den Anzug ausziehe – und eines vor dem Anziehen des nächsten. Das sind vier Gläser, an die du dich nie erinnern musst, weil sie an eine feste Handlung gekoppelt sind. Trinken nach Durstgefühl funktioniert in der Wüste nicht: Wenn du Durst spürst, bist du schon dehydriert."
Sonnenschutz über und unter der Wasserlinie
Der UV-Index erreicht im ägyptischen Hochsommer Werte von 11 und mehr – die höchste Kategorie. Ungeschützte mitteleuropäische Haut verbrennt mittags in unter 15 Minuten, und die Reflexion der Wasseroberfläche verstärkt die Strahlung noch. Ein Sonnenbrand am ersten Tag ruiniert nicht nur den Urlaub, er verschlechtert auch die Thermoregulation und beschleunigt die Dehydration – alles hängt zusammen.
Beim Thema Sonnencreme bin ich kompromisslos: reef-safe ist Pflicht. Herkömmliche Cremes mit Oxybenzon oder Octinoxat schädigen nachweislich Korallen – und in den flachen Buchten und an den Hausriffen landet alles, was auf deiner Haut ist, direkt im Ökosystem. Ich nutze seit Jahren eine reef-friendly Sonnencreme mit LSF 50+ für Gesicht und Nacken. Für den Rest des Körpers gilt: Textil schlägt Creme. Ein Rashguard mit UPF 50 schützt Rücken und Schultern beim Schnorcheln und in den Oberflächenpausen zuverlässiger als jede Creme – und ersetzt im August sogar den Shorty für den zweiten Tauchgang. Auf Zodiac-Fahrten zu den Außenriffen gehört zusätzlich eine Kopfbedeckung auf den Schädel: Zwanzig Minuten ungeschützt in der Mittagssonne auf dem Schlauchboot reichen für einen ordentlichen Sonnenstich.
Praktische Hitze-Hacks für den Tauchalltag
Nach unzähligen Sommerwochen am Roten Meer haben sich diese Gewohnheiten bewährt:
- Früh tauchen: Der erste Tauchgang um 6 bis 8 Uhr ist im Sommer der beste des Tages – kühle Luft, ruhige See, aktives Riff und die höchste Chance auf Großfisch. Die Mittagshitze zwischen 12 und 15 Uhr gehört der Siesta im Schatten, nicht dem Tauchen.
- Ausrüstung aus der Sonne: Ein schwarzes Deck erreicht im August Temperaturen, bei denen LCD-Displays von Tauchcomputern Schaden nehmen und O-Ringe spröde werden. Computer, Kamera und Atemregler gehören in den Schatten oder unter ein feuchtes Handtuch – niemals stundenlang aufs Sonnendeck.
- Kamera-Falle Klimaanlage: Schließe dein Unterwassergehäuse nie in der eiskalten, klimatisierten Kabine – die kalte, eingeschlossene Luft führt beim Abtauchen ins 30 °C warme Wasser garantiert zu Beschlag von innen. Gehäuse im Schatten an Deck zusammenbauen und ein bis zwei Silica-Gel-Beutel einlegen.
- Die Klimaanlagen-Erkältung: Der Klassiker unter den Tauchausfällen im Sommer: 40 °C draußen, 18 °C in der Kabine – nach zwei Nächten ist die Nase zu und der Druckausgleich blockiert. Stell die Klimaanlage nachts nicht unter etwa 24 °C und richte den Luftstrom nie direkt aufs Bett. Eine Erkältung kostet dich im Zweifel drei Tauchtage.
Warum sich der Hochsommer trotzdem lohnt
Nach all den Warnungen die gute Nachricht: Unter Wasser ist der ägyptische Hochsommer schlicht Weltklasse. Der wichtigste Grund heißt Hammerhai: Von Mai bis September – mit Peak im Juli und August – sammeln sich die Schulen der Bogenstirn-Hammerhaie an Daedalus Reef, den Brother Islands und dem Jackson Reef in der Straße von Tiran. Wo genau du sie findest und wie du dich im Blauwasser verhältst, liest du in meinem Guide zu Hammerhaien im Roten Meer.
Dazu kommen drei handfeste Vorteile: Die See ist im Sommer meist ruhig und die Überfahrten zu den Außenriffen entspannt, die Sicht liegt konstant bei 25–40 Metern, und die Preise für Hotels und Safaris sind spürbar günstiger als in der Herbst-Hochsaison ab Oktober. Wer die Hitze managen kann, bekommt im Juli und August das beste Verhältnis aus Großfisch, Bedingungen und Budget des ganzen Jahres. Wie sich der Sommer im Jahresvergleich schlägt, zeigt mein Überblick zur besten Reisezeit für Ägypten.
Mein Fazit nach zwanzig Rotmeer-Sommern: Die Hitze im Juli und August ist kein Grund abzusagen – sie ist ein Grund, besser vorbereitet anzureisen. Trink konsequent, tauch früh, schütz dich vor der Sonne und lass die Klimaanlage nicht dein Feind werden. Dann gehören die Hammerhai-Wochen des Hochsommers zu den Tauchtagen, von denen du noch Jahre erzählst.
Häufige Fragen
Wie warm ist das Rote Meer im Juli und August?+
Im Hochsommer erreicht das Rote Meer seine Höchstwerte: 27–29 °C im Norden um Hurghada und Sharm el-Sheikh, 29–31 °C im Süden um Marsa Alam und Hamata. Ab etwa 25 Metern Tiefe liegt oft eine Sprungschicht mit spürbar kühlerem Wasser – genau dort stehen im Sommer die Hammerhai-Schulen.
Reicht ein Shorty im ägyptischen Sommer?+
Für ein bis zwei Tauchgänge am Tag ja – ein 2,5–3mm-Shorty ist im Juli und August der Standard, manche tauchen sogar nur im Rashguard. Bei drei bis vier Tauchgängen täglich auf einer Safari kühlt der Körper über die Woche jedoch schleichend aus; wer schnell friert oder Nachttauchgänge plant, nimmt besser einen langen 3mm-Anzug mit.
Ist es im August zu heiß für einen Tauchurlaub in Ägypten?+
Nein, aber es braucht Vorbereitung. Die Luft erreicht 33–38 °C im Norden und über 40 °C im Süden – allerdings als trockene Wüstenhitze, die der ständige Nordwind auf dem Boot deutlich mildert. Wer früh taucht, die Mittagshitze im Schatten verbringt, konsequent trinkt und auf Sonnenschutz achtet, kommt bestens zurecht. Hitzeempfindliche wählen eher den windigeren Norden oder den September.
Erhöht Hitze das Dekompressionsrisiko?+
Indirekt ja – über die Dehydration. Staubtrockene Flaschenluft, unbemerktes Schwitzen und Klimaanlagen entziehen dem Körper im ägyptischen Sommer viel Flüssigkeit. Dehydration dickt das Blut ein und verschlechtert den Stickstoffabtransport nach dem Tauchgang, was das DCS-Risiko erhöht. Die Gegenmaßnahme: 3–4 Liter Wasser pro Tag, Elektrolyte auf Safaris und die Urinfarbe als Kontrolle – hellgelb ist das Ziel.
Welche Sonnencreme ist im Roten Meer erlaubt und sinnvoll?+
Eine reef-safe Sonnencreme mit LSF 50+ ohne Oxybenzon und Octinoxat – diese Inhaltsstoffe schädigen nachweislich Korallen und gehören nicht ins Riff. Noch besser als Creme schützt Textil: Ein Rashguard mit UPF 50 deckt Rücken und Schultern beim Schnorcheln zuverlässig ab, Creme braucht es dann nur noch für Gesicht, Nacken und Beine.
