Rotfilter oder Videolicht unterwasser? So holst du die Farben am Riff zurück, mit Tiefen-Tabelle für deine Entscheidung.
Auf einen Blick
- Ort: Rotes Meer, Riffkanten und Wracks (Sinai & Marsa Alam)
- Tiefe: Rotfilter bis ca. 10 m, Videolicht ab 10–15 m Pflicht
- Wassertemperatur: 22–28 °C, 3 mm Neopren reicht ganzjährig
Rotfilter oder Videolicht unterwasser: Was funktioniert wirklich?
Ein Rotfilter reicht im Freiwasser bis etwa 10 Meter Tiefe bei guter Sonneneinstrahlung. Er kompensiert die fehlende Rotabsorption rein optisch. Ab etwa 15 Metern, in Wracks, Höhlen oder bei bewölktem Himmel bringt ein Filter nichts mehr, weil schlicht kein Rotanteil mehr im Umgebungslicht steckt, den er umverteilen könnte. Dann brauchst du eine aktive Lichtquelle, die selbst rotes Licht aussendet.
Die Physik: Warum verschwindet Rot zuerst?
Wasser absorbiert Licht nicht gleichmäßig, sondern wellenlängenabhängig. Rotes Licht hat die längste Wellenlänge im sichtbaren Spektrum und wird am schnellsten verschluckt: Schon ab etwa 3–5 Metern ist der Rotanteil spürbar reduziert, ab 10 Metern praktisch verschwunden. Orange folgt kurz danach, Gelb hält sich bis etwa 15–20 Meter, Grün und Blau kommen am weitesten. Deshalb wirkt jedes Unterwasserfoto ohne Korrektur blaustichig bis türkis. Im Roten Meer kommt dazu, dass die Sichtweiten oft 20–40 Meter betragen. Das Licht hat also viel klares Wasser, aber eben auch viel Strecke, um selektiv absorbiert zu werden, bevor es dein Motiv erreicht.
Entscheidend ist dabei nicht nur die Tauchtiefe, sondern die gesamte Lichtstrecke: Ein Riffdach in 12 Metern Tiefe unter senkrechter Mittagssonne bekommt mehr Rotanteil ab als eine Steilwand in 8 Metern, die im Schatten liegt. Genau deshalb ist die Tiefenangabe in jeder Tabelle nur ein grober Richtwert, keine physikalische Grenze.
Rotfilter: Funktionsweise, Grenzen, wann er ausreicht
Ein Rotfilter ist ein optisches Farbfilter, das vor die Linse geschraubt oder geklippt wird. Er blockiert selektiv Blau- und Grünanteile, sodass die Kamera die verbleibenden Farben ausgewogener interpretiert. Er fügt aber kein neues Licht hinzu, sondern verschiebt nur die Balance dessen, was ohnehin ankommt. Das funktioniert gut bei:
- Freiwasser-Tauchgängen bis ca. 10 Meter mit klarer Sonneneinstrahlung
- Riffdächern und Flachwasserzonen am Vormittag und frühen Nachmittag
- Reiseaufnahmen, bei denen du kein zusätzliches Gerät mitschleppen willst
Ich tauche beim Hausriff-Schnorcheln und auf flachen Riffkanten in Marsa Alam fast immer mit einem einfachen Rotfilter-Set für meine GoPro. Für GoPro HERO 9 bis 12 funktioniert das Rotfilter-Set von YALLSAME mit Rot- und Magenta-Filter zuverlässig: Der Magenta-Filter gleicht leicht trübes Wasser aus, der klassische Rotfilter ist für klare Bedingungen gedacht. Für rund 15–20 Euro ist das die günstigste Möglichkeit, Hautfarben und Korallenrot ohne Nachbearbeitung einzufangen. Sobald du aber tiefer gehst, Schatten wirft oder in ein Wrack abtauchst, ist der Filter am Ende seiner Physik: Er kann nichts mehr zurückholen, was gar nicht mehr da ist.
Videolicht: wann es unverzichtbar wird
Ein Videolicht erzeugt aktiv weißes LED-Licht mit vollem Farbspektrum und macht dich damit unabhängig vom Umgebungslicht. Das ist in folgenden Situationen keine Option, sondern Pflicht:
- Wracktauchen: Im Inneren der SS Thistlegorm oder des Dunraven herrscht selbst in wenigen Metern Tiefe absolute Dunkelheit (ich habe das Thistlegorm über 50-mal betaucht), ohne Licht siehst du dort nur Grau- und Blautöne
- Tiefere Riffkanten ab 15–20 Metern: an Abbruchkanten in Marsa Alam oder Dahab ist kaum noch Rot im Umgebungslicht
- Höhlen und Spalten: etwa am Blue Hole in Dahab oder in der Canyon-Formation, wo du ohnehin aus Sicherheitsgründen eine verlässliche Lichtquelle brauchst, die Farbwiedergabe ist da fast ein Nebeneffekt
- Nachttauchgänge: ohne Zusatzlicht gibt es keine Farbe, nur Silhouetten im Tauchlampenkegel
- Makrofotografie: Nacktschnecken, Garnelen und Krebse zeigen ihre eigentliche Farbenpracht erst, wenn du sie aus 10–20 cm Abstand anstrahlst
Für GoPro und andere Action-Cams nutze ich ein kompaktes LED-Unterwasser-Videolicht als Fülllicht, das sich direkt an die Kamerahalterung schrauben lässt. Wichtig beim Kauf: Achte auf eine Tiefenfreigabe von mindestens 30–40 Metern, auch wenn du selbst nicht so tief tauchst, weil die Dichtungen dann auch den Druck in 15–20 Metern mit Reserve vertragen, und die Leuchtkraft sollte bei mindestens 1.000 Lumen liegen, sonst wirkt das Licht in 20–40 Meter Sichtweite wie eine Taschenlampe im Fußballstadion. Wer mit Videolicht und Kamera gleichzeitig arbeiten will, findet einen ausführlichen Praxistest verschiedener Modelle in meinem Vergleichstest von Unterwasser-Videolicht für die GoPro.
Entscheidungstabelle: Tiefe, Lichtverhältnisse, Budget
- 0–10 m, Sonne, Freiwasser: Rotfilter reicht, günstigste Lösung ab ca. 15 Euro
- 10–15 m, wechselnde Bewölkung: Rotfilter plus Nachbearbeitung, Videolicht verbessert Ergebnis spürbar
- 15–25 m, Riffkante/Steilwand: Videolicht Pflicht, Rotfilter zusätzlich sinnvoll als Backup ohne Akku
- Wrack, Höhle, Nachttauchgang: ausschließlich Videolicht, Filter ist hier wirkungslos
- Makro, jede Tiefe: Videolicht, da punktuelle Ausleuchtung nötig ist
- Kleines Budget, nur Urlaubstaucher: Rotfilter-Set zuerst, Videolicht bei Bedarf nachrüsten
In der Praxis kombinieren viele erfahrene Taucher beides: Rotfilter für Flachwasser-Schwimmzüge, Videolicht sobald es tiefer oder dunkler wird. Einsteiger, die sich noch gar nicht mit Unterwasserfotografie beschäftigt haben, finden die Grundlagen zu Kameraeinstellungen, Weißabgleich und Positionierung in meinem Artikel Einstieg in die Unterwasserfotografie.
Praxis-Tipps zur Montage: Backscatter vermeiden
Das größte Problem bei Videolicht ist nicht die Farbe, sondern Backscatter: die hellen Schwebeteilchen, die das Licht direkt vor der Linse zurückwirft wie Schnee im Scheinwerferlicht. So vermeidest du es:
- Abstand zur Linse: Montiere das Licht seitlich auf einem Arm, nie direkt über dem Kameragehäuse. Je größer der Winkel zur optischen Achse, desto weniger Partikel werden ins Bild zurückgeworfen
- Leuchtwinkel reduzieren: Ein enger Lichtkegel beleuchtet gezielt das Motiv statt die gesamte Wassersäule davor
- Abstand zum Motiv verringern: Je näher du am Objekt bist, desto weniger Wasser (und Schwebstoffe) liegen zwischen Licht und Motiv
- GoPro-Kompatibilität prüfen: Die meisten Rotfilter-Sets und Videolichter für HERO 9–12 nutzen den Standard-Rahmen mit seitlichen Befestigungsösen. Vor dem Kauf die genaue HERO-Generation abgleichen, da sich die Gehäusemaße zwischen den Modellen leicht unterscheiden
- Sedimentarme Tageszeit wählen: Vormittags, bevor viele Taucher und Boote den Sand aufgewirbelt haben, ist die Sicht am klarsten
Profi-Tipp von Marc
"Ich nehme bei jedem Tauchgang beides mit: den Rotfilter für den Einstieg am Riffdach und das Videolicht eingeklappt am Arm für den Abstieg zur Kante. Sobald ich merke, dass die Farben im Sucher ins Blaue kippen, klappe ich das Licht aus. Das passiert meistens irgendwo zwischen 10 und 14 Metern, je nach Sonnenstand."
FAQ: Rotfilter und Videolicht unterwasser
Häufige Fragen
Reicht ein Rotfilter für Tauchgänge am Hausriff oder brauche ich zusätzlich Licht?+
Für flache Hausriffe bis etwa 10 Meter bei guter Sonneneinstrahlung reicht ein Rotfilter meist aus, da noch genug natürliches Rotlicht vorhanden ist, das der Filter umverteilen kann. Sobald du an tiefere Abschnitte, Überhänge oder Schattenbereiche gehst, bringt der Filter nichts mehr und ein Videolicht liefert deutlich bessere Ergebnisse.
Ab welcher Tiefe bringt ein Rotfilter nichts mehr?+
Ab etwa 15 Metern ist im Roten Meer kaum noch Rotanteil im Umgebungslicht vorhanden, den ein Filter umverteilen könnte. Er wird dann wirkungslos. Die genaue Grenze hängt von Sonnenstand, Bewölkung und Sichtweite ab und kann bei bedecktem Himmel schon ab 10 Metern erreicht sein.
Kann ich Rotfilter und Videolicht gleichzeitig nutzen?+
Ja, das ist sogar sinnvoll: Der Rotfilter wirkt in Flachwasserbereichen, das Videolicht übernimmt sobald die Tiefe zunimmt oder Schatten auftreten. Viele erfahrene Taucher starten den Tauchgang mit Filter und schalten das Licht erst bei Bedarf zu, um Akkulaufzeit zu sparen.
Welches Videolicht passt zur GoPro HERO13?+
Entscheidend ist eine kompatible Befestigung über den Standard-GoPro-Rahmen mit seitlichen Ösen sowie eine Tiefenfreigabe von mindestens 30–40 Metern und mehr als 1.000 Lumen Leuchtkraft. Die meisten aktuellen UW-Videolichter für Action-Cams lassen sich unabhängig von der HERO-Generation über diesen Standardrahmen montieren, solange das Kameragehäuse selbst dazu passt.
Warum wirken meine Unterwasserfotos ohne Filter oder Licht immer bläulich-grün?+
Wasser absorbiert langwelliges rotes Licht am schnellsten, oft schon ab 5 Metern Tiefe fast vollständig, während blaues und grünes Licht viel weiter vordringt. Deshalb fehlt in jedem unbearbeiteten Unterwasserfoto der Rotanteil, und das Bild erscheint blaustichig. Ein Rotfilter oder aktives Videolicht gleicht genau das aus.
