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Salem Express: Das bewegendste Wrack im Roten Meer
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Wracktauchen 30. Juli 2026 Marc 8 Min. Lesezeit

Salem Express: Das bewegendste Wrack im Roten Meer

Salem Express Wrack tauchen: Wie du die Tragödie von 1991 würdevoll erlebst – Tiefe, Sichtweite, Ethik und praktische Tipps ab Safaga. Jetzt lesen.

Auf einen Blick

  • Ort: Hyndman-Riff nahe Safaga, Ägypten – Anfahrt 30–45 Min. per Tagesboot
  • Tiefe: 15–30 m (Bug ~15 m, Heck ~28–30 m)
  • Level: AOWD empfohlen, OWD möglich am Bug
  • Beste Reisezeit: Oktober–April (beste Sicht, angenehme Temperaturen)
  • Sichtweite: 15–30 m
  • Wasser: 22–26 °C (Winter), 26–30 °C (Sommer) – 3mm Neopren

Es gibt Tauchgänge, über die man danach nicht viel redet. Die Salem Express ist so einer. Ich war mehrfach dort – und jedes Mal steige ich mit einem anderen Gefühl aus dem Wasser als bei jedem anderen Wrack im Roten Meer. Nicht weil die Korallen dichter oder die Fische größer wären. Sondern weil dieses Schiff kein abenteuerlustiger Stahlkoloss aus dem Zweiten Weltkrieg ist wie die Thistlegorm. Die Salem Express ist ein Unglücksort. Dieser Guide erklärt dir, was du dort erwartet – und gibt dir die Informationen, die du brauchst, um eine eigene Entscheidung zu treffen.

Darf man die Salem Express tauchen – und was erwartet dich?

Ja, das Tauchen auf der Salem Express ist legal. Es gibt kein offizielles Verbot in Ägypten. Die Ro-Ro-Fähre liegt auf Steuerbordseite auf dem Hyndman-Riff nahe Safaga, in einer Tiefe von 15 bis 30 Metern. Der Bug liegt am flachsten bei etwa 15 Metern, das Heck reicht auf 28 bis 30 Meter hinab. Erreichbar ist das Wrack per Tagesboot von Safaga in 30 bis 45 Minuten Fahrtzeit. Die Sichtweite liegt im Roten Meer typischerweise bei 15 bis 30 Metern – weit genug, um die imposante, 100 Meter lange Silhouette des Wracks auf einen Blick zu erfassen. Empfohlen wird das AOWD-Brevet, am flacheren Bug ist aber auch der OWD möglich.

Die Katastrophe vom 16. Dezember 1991

Rückreise zum Eid-Fest – und eine Nacht, die alles veränderte

Die Salem Express war eine Ro-Ro-Fähre – ein Schiff, das Fahrzeuge auf einem eigenen Autodeck transportiert und dazu Passagiere befördert. Gebaut 1964 in Frankreich, war sie auf der Route zwischen Dschidda in Saudi-Arabien und Safaga eingesetzt. In der Nacht vom 15. auf den 16. Dezember 1991 war sie vollständig besetzt: Hunderte ägyptische Gastarbeiter waren auf dem Heimweg zu ihren Familien, um das Eid-Fest zu feiern – eines der wichtigsten Feste des islamischen Kalenders. Viele hatten monatelang auf diesen Moment gewartet.

Gegen zwei Uhr morgens, in der Dunkelheit und bei schwerem Wellengang, lief die Salem Express auf das Hyndman-Riff auf. Der Aufprall öffnete die Bugklappe – jene große Klappe, über die Fahrzeuge be- und entladen werden. Wasser flutete in Sekunden das Innere. Das Schiff sank in weniger als dreißig Minuten. Viele der Passagiere schliefen. Es gab keine Zeit zur geordneten Evakuierung.

Warum die Opferzahl bis heute unklar ist

Die offizielle Opferzahl der ägyptischen Behörden liegt bei 462 Todesopfern. Inoffizielle Schätzungen gehen jedoch von bis zu 1.800 Toten aus – eine erschreckend große Bandbreite, die bis heute nicht endgültig aufgeklärt wurde. Der Grund: Das Schiff war massiv überbelegt. Es existierten keine vollständigen Passagierlisten. Viele Passagiere hatten einfach Platz gesucht, wo sie standen – auf dem Autodeck, in Gängen, auf offenen Decks. Wie viele Menschen tatsächlich an Bord waren, weiß niemand mit Sicherheit. Diese Ungewissheit macht die Katastrophe bis heute so schwer begreifbar.

Das Wrack heute – Lage, Tiefe und Wrackinventar

Außenrumpf: Korallen, Muränen, Barracudas

Mehr als drei Jahrzehnte nach dem Unglück hat das Meer die Salem Express in sich aufgenommen. Der Außenrumpf ist dicht mit Weichkorallen besetzt – orange, violett und weiß. Schwärme von Glasfischen ziehen durch die eingestürzten Luken, Muränen gucken aus den Bullaugen, und im Blauwasser rund um das Wrack kreisen Barracudas in losen Schwärmen. Löwenfische schweben reglos an Winkeln und Kanten. Das Wrack liegt auf Steuerbordseite, was bedeutet, dass die Backbordseite des Rumpfes nach oben zeigt und als natürliche Führungslinie dient.

Das Autodeck: Autos und Trucks als schaurige Zeitkapsel

Was die Salem Express von anderen Wracks unterscheidet, ist ihr Autodeck. Wer durch die geöffneten Seitenluken eindringt – immer mit Taschenlampe, immer mit einem erfahrenen Guide an der Seite – sieht Fahrzeuge, die seit 1991 dort stehen. Autos, Kleinbusse, Trucks. Manche sind von Korallen überzogen, manche fast unberührt. Türen, die halb offen stehen. Es ist, als würde man ein Foto aus dem Jahr 1991 von innen betrachten – nur eben unter Wasser und in 20 Metern Tiefe. Dieser Eindruck ist bedrückend und faszinierend zugleich.

Kabinen und persönliche Gegenstände

Die Passagierkabinen liegen im mittleren und hinteren Teil des Wracks. Hier ist Vorsicht und Respekt besonders wichtig: Koffer, Kleidungsstücke, persönliche Gegenstände – all das liegt noch immer dort, verteilt zwischen Sandsediment und Korallen. Ich habe auf meinen Tauchgängen dort bewusst nichts angefasst und nichts mitgenommen. Das ist für mich keine Frage des Verbots, sondern des Anstands. Diese Dinge gehörten Menschen, die nie nach Hause kamen.

Profi-Tipp von Marc

"Buche für die Salem Express einen lokalen Guide, der das Wrack kennt und respektvoll damit umgeht. Nicht jeder Anbieter in Safaga tut das. Frag vorher: Wie geht ihr mit Gegenständen im Wrack um? Die Antwort sagt dir alles."

Die Ethik-Frage: Grabstätte oder Tauchspot?

Das ist die Frage, die man sich stellen sollte, bevor man bucht – und es gibt keine einfache Antwort. Ich habe sie mir selbst mehrfach gestellt.

Die Argumente gegen das Tauchen: Menschliche Überreste sind nach Berichten erfahrener Taucher im Wrack möglicherweise noch vorhanden. Familien der Opfer haben öffentlich kritisiert, dass ihr Angehöriger unter Wasser als Touristenattraktion dient. Das Wrack wurde nie offiziell als Grabstätte deklariert, aber es ist de facto einer. Jeder, der dort eintaucht, betritt einen Ort des Massentodes – und das sollte man nicht leichtfertig tun.

Die Argumente für das Tauchen: Die Salem Express ist legal zugänglich. Das Rote Meer hat Dutzende Wracks, von denen viele ebenfalls Grabstätten sind – die Thistlegorm, die Abu Nuhas-Gruppe. Der Unterschied zur Salem Express ist nicht der Typ des Ortes, sondern die zeitliche Nähe: 1991 ist für viele Hinterbliebene noch nicht weit genug weg. Zugleich argumentieren manche Guides, dass das Tauchen Aufmerksamkeit und damit auch ein gewisses Gedenken an die Opfer erhält.

Meine persönliche Position: Ich tauche dort – aber mit einer Haltung, die ich vorher bewusst einnehme. Ich betrete das Wrack nicht als Abenteurer. Ich fasse nichts an. Ich nehme nichts mit. Ich bleibe ruhig, verzichte auf Selfies im Wrackinneren und denke daran, was hier passiert ist. Ob das die richtige Entscheidung ist, muss letztlich jeder selbst treffen. Wer unsicher ist, sollte das Wrack von außen erkunden – die Korallen und das Meeresleben am Außenrumpf rechtfertigen jeden Tauchgang auch ohne Wrackpenetration.

Was ich klar ablehne: Das Wrack von innen zu fotografieren wie ein Tourist auf einer Sehenswürdigkeit. Oder Gegenstände anzufassen. Wer das nicht verstehen kann, sollte lieber eines der anderen großartigen Wracks des Roten Meeres ansteuern – mein Überblick über die besten Wracks im Roten Meer bietet dafür gute Alternativen.

Ausrüstung für die Salem Express

Das Wrack liegt in einer Tiefe, die solide Planung erfordert. Bei 28 bis 30 Metern am Heck kommt man schnell in den Bereich, wo Nullzeiten knapp werden – gerade wenn man gründlich erkunden will. Ein zuverlässiger Tauchcomputer ist deshalb kein Luxus, sondern Pflicht. Ich empfehle Einsteigern die Cressi Leonardo als preiswertes Budget-Modell mit klarer Tiefenkontrolle und nutzerfreundlicher Bedienung – ideal als erster eigener Computer für frisch brevetierte AOWD-Taucher, die Nullzeiten und Tiefen im Blick behalten wollen.

Für die Wrackerkundung ist eine gute Taucherlampe unverzichtbar. Im Wrackinneren – Autodeck, Gänge, Kabinen – fällt wenig natürliches Licht. Ich fahre mit der Wurkkos DL10R, einer kompakten, per USB-C aufladbaren Taucherlampe mit starkem Lichtstrahl und gutem Preis-Leistungs-Verhältnis. Sie passt bequem in die BCD-Tasche und liefert genug Licht für Wrackinnenräume in 20 Metern Tiefe.

Da das Wrack einige Hundert Meter vom Riff entfernt liegt und im offenen Wasser aufgetaucht wird, ist eine SMB-Signalboje Pflicht. Das Zodiac oder das Tagesboot muss dich an der Oberfläche finden können – in der Dünung vor Safaga ist das ohne sichtbares Signal schwieriger als es klingt. Setze die Boje spätestens bei 5 Metern Tiefe im Sicherheitsstopp.

Zur Wassertemperatur: Das Rote Meer hat im Sommer 26 bis 30 °C, im Winter 22 bis 26 °C. Ein 3mm-Neopren reicht das ganze Jahr. Im Winter (Dezember bis März, also in den Monaten rund um den Jahrestag der Katastrophe) empfehle ich einen 5mm-Anzug, besonders bei mehreren Tauchgängen am Tag.

Anreise und praktische Tipps

Ausgangspunkt für jeden Tauchgang auf der Salem Express ist Safaga, eine Hafenstadt gut 60 Kilometer südlich von Hurghada. Safaga hat einen eigenen Flughafen (keine Direktverbindungen ab Deutschland, aber Transfers von Hurghada in 45 bis 60 Minuten) und eine gute Auswahl an Tauchzentren, die das Wrack im Programm haben. Mehr zum Tauchen vor Ort findest du in meinem Guide zum Tauchen in Safaga.

Das Wrack liegt 30 bis 45 Minuten per Tagesboot vom Hafen Safaga entfernt, direkt am Hyndman-Riff. Die meisten Boote fahren morgens ab, machen zwei Tauchgänge auf der Salem Express und sind mittags zurück. Alternativ lässt sich der Tag mit einem zweiten Spot in der Region kombinieren – das Hyndman-Riff selbst bietet starkes Riff-Tauchen.

Ein paar praktische Hinweise für die Planung:

  • Buchung: Über eines der etablierten Tauchzentren in Safaga oder Hurghada. Achte auf einen Guide, der das Wrack gut kennt und die Ethik-Frage ernst nimmt.
  • Brevet-Anforderung: AOWD wird empfohlen. Für Tauchgänge unter 18 Metern (Heck) ist das AOWD faktisch Voraussetzung bei den meisten Anbietern.
  • Beste Jahreszeit: Oktober bis April, wenn die Wassertemperatur angenehmer ist und die Sichtweite oft am besten. Dezember ist der Jahrestag des Unglücks – manchen Tauchern ist das ein Anlass zum Gedenken, anderen ein Grund, an diesem Tag woanders zu sein.
  • Kombinierbar mit: Anderen Wracks und Riffen rund um Safaga – das nördliche Rote Meer bietet hier eine ungewöhnliche Dichte großartiger Spots.

Häufige Fragen

Ist das Tauchen auf der Salem Express legal?+

Ja. Es gibt kein offizielles Tauchverbot auf der Salem Express in Ägypten. Das Wrack ist für Sporttaucher zugänglich und wird von Tauchzentren in Safaga und Hurghada regelmäßig angesteuert. Die ethische Frage, ob man dort tauchen sollte, ist davon unabhängig und muss jeder für sich selbst klären.

Wie tief liegt die Salem Express?+

Das Wrack liegt auf Steuerbordseite auf dem Hyndman-Riff nahe Safaga. Der Bug liegt am flachsten bei etwa 15 Metern, das Heck in einer Tiefe von 28 bis 30 Metern. Mit AOWD-Brevet lässt sich das gesamte Wrack erkunden; am flacheren Bugbereich ist auch ein OWD-Tauchgang möglich.

Wie viele Menschen starben beim Untergang der Salem Express?+

Die offizielle Opferzahl der ägyptischen Behörden beträgt 462 Tote. Inoffizielle Schätzungen gehen von bis zu 1.800 Opfern aus, da das Schiff massiv überbelegt war und keine vollständigen Passagierlisten existierten. Das Unglück ereignete sich in der Nacht vom 15. auf den 16. Dezember 1991.

Was sieht man auf der Salem Express unter Wasser?+

Am Außenrumpf sind dichte Weichkorallen, Muränen, Barracudas und Löwenfische zu sehen. Im Inneren des Wracks finden sich auf dem Autodeck noch Autos und Lastwagen aus dem Jahr 1991, in den Kabinen persönliche Gegenstände der Passagiere. Die Sichtweite im Roten Meer liegt typischerweise bei 15 bis 30 Metern.

Welche Ausrüstung brauche ich für die Salem Express?+

Pflichtausrüstung sind: ein zuverlässiger Tauchcomputer (für Tiefenkontrolle am Heck bis 30 m), eine helle Taucherlampe für die Wrackinnenräume und eine SMB-Signalboje, da im offenen Wasser aufgetaucht wird. Ein 3mm-Neoprenanzug reicht ganzjährig, im Winter empfiehlt sich 5mm. AOWD-Brevet wird empfohlen.

Über den Autor

🤿

Marc

PADI Divemaster · Rotes Meer

Seit Jahren tauche ich im Roten Meer und kenne jeden Spot, jede Strömung. Mein Ziel: dir den perfekten Tauchurlaub zu ermöglichen.

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Meine Ausrüstung

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