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Abu Nuhas: Der Schiffsfriedhof des Roten Meeres
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Wracktauchen 12. Juli 2026 Marc 11 Min. Lesezeit

Abu Nuhas: Der Schiffsfriedhof des Roten Meeres

Abu Nuhas Wracks tauchen: 4 Wracks an einem Riff – Giannis D, Carnatic, Chrisoula K & Kimon M. Infos zu Tiefe, Anfahrt und Tauchgang von Marc.

Auf einen Blick

  • Ort: Sha'ab Abu Nuhas, Nordseite der Straße von Gubal, nördliches Rotes Meer
  • Anfahrt: Tagestour oder Safari ab Hurghada & El Gouna
  • Tiefe: überwiegend 4–27 m (Kimon M bis ca. 32 m)
  • Level: Advanced Open Water Diver (AOWD) empfohlen
  • Highlights: 4 Wracks an einem Riff – Giannis D, Carnatic, Chrisoula K, Kimon M
  • Beste Reisezeit: März–November, Wasser 22–28 °C → 3 mm Neopren

Was ist Abu Nuhas?

Abu Nuhas ist ein flaches Korallenriff an der Nordseite der Straße von Gubal im nördlichen Roten Meer – und der berühmteste Schiffsfriedhof Ägyptens. An diesem einen Riff liegen vier betauchbare Wracks: Giannis D, Carnatic, Chrisoula K und Kimon M. Wer Abu Nuhas Wracks tauchen will, erreicht das Riff per Tagestour oder Tauchsafari ab Hurghada und El Gouna. Die Wracks liegen überwiegend in 4 bis 27 Metern Tiefe – ein Advanced-Open-Water-Brevet wird empfohlen.

Warum Abu Nuhas zum Schiffsfriedhof wurde

Um zu verstehen, warum ausgerechnet hier so viele Schiffe gesunken sind, muss man auf die Karte schauen. Abu Nuhas liegt direkt an einer der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt: Frachter, die von und nach dem Sueskanal fahren, passieren die enge Straße von Gubal zwischen der Sinai-Halbinsel und dem ägyptischen Festland. Genau an dieser Nadelöhr-Stelle ragt das flache Nordriff von Abu Nuhas heimtückisch dicht unter die Wasseroberfläche.

Das Riff ist eine klassische Falle: Ein Kapitän, der nachts oder bei schlechter Sicht die Kurskorrektur nach der Passage zu früh ansetzt, läuft mit voller Fahrt auf die Korallen. Über anderthalb Jahrhunderte hinweg – vom Untergang der Carnatic 1869 bis zum Giannis D 1983 – hat dieses Riff einen ganzen Bogen der Schifffahrtsgeschichte verschluckt. Vom viktorianischen Dampfsegler bis zum modernen griechischen Stückgutfrachter liegt hier alles beieinander. Für uns Taucher ist genau das der Reiz: Man taucht an einem einzigen Tag durch mehr als hundert Jahre Seefahrt.

Profi-Tipp von Marc

"Ich habe Abu Nuhas über die Jahre unzählige Male betaucht und sage jedem: Unterschätze die Nordseite nicht. Das Riff, das die Schiffe versenkt hat, liegt dir beim Auf- und Abtauchen im Rücken. Bei auffrischendem Wind steht hier Welle und Strömung – plane deinen Ausstieg früh genug und bleib nah an der Riffkante."

Die vier Wracks im Detail

Jedes der vier Wracks hat seinen eigenen Charakter – von der Ladung über das Baujahr bis zur Tiefe. Hier mein Überblick, in dem Zustand, in dem ich sie kenne.

Giannis D (1983) – das Highlight am Heck

Der Giannis D ist für die meisten das Aushängeschild von Abu Nuhas – und mein persönlicher Favorit. Der griechische Frachter lief 1983 mit einer Ladung Bauholz auf das Riff und sank. Heute liegt das Wrack zerbrochen da: Bug und Heck sind erhalten, der Mittelteil ist von der Brandung zerstört. Das absolute Highlight ist das Heck, das in einem dramatischen Winkel gekippt am Grund liegt. Die schräg stehenden Aufbauten mit dem markanten Schornstein und dem Buchstaben „D" desorientieren beim Durchtauchen herrlich – man weiß kaum noch, wo oben und unten ist. Die Tiefen reichen von rund 4 Metern am oberen Riff bis etwa 27 Metern am tiefsten Punkt des Hecks. Durch die geneigten Gänge des Maschinenraums lässt sich mit der richtigen Erfahrung sehr atmosphärisch tauchen.

Carnatic (1869) – das älteste, das „Wine Wreck"

Die Carnatic ist das älteste und historisch faszinierendste Wrack von Abu Nuhas. Der britische P&O-Dampfsegler sank bereits 1869 – im selben Jahr, in dem der Sueskanal eröffnet wurde. Weil sie unter anderem Weinflaschen geladen hatte, trägt sie den Spitznamen „Wine Wreck". Der genietete Eisenrumpf mit den eleganten viktorianischen Linien ist teils skelettiert, sodass das Sonnenlicht durch die Spanten fällt – eines der fotogensten Wracks des Roten Meeres. Die Carnatic liegt auf der Seite in etwa 18 bis 27 Metern Tiefe. Der offene, lichtdurchflutete Rumpf lässt sich sicher durchschwimmen und ist ein Paradies für Glasfische und Fahnenbarsche.

Chrisoula K (1981) – das „Fliesenwrack"

Die Chrisoula K, oft schlicht das „Fliesenwrack" (Tile Wreck) genannt, verdankt ihren Namen der Ladung: Sie transportierte italienische Bodenfliesen, die noch heute palettenweise in den Laderäumen liegen. Der Frachter sank 1981, nachdem er das Riff gerammt hatte. Das Wrack ist gut erhalten und liegt aufrecht, mit dem Bug fest im Riff verkeilt. Die Tiefen reichen von rund 4 Metern am oberen Rumpf bis etwa 26 Metern am Heck, wo der große Propeller im Sand steht. Die randvoll mit Kacheln gefüllten Laderäume sind ein surrealer Anblick – ein Baumarkt am Meeresgrund.

Kimon M (1978) – das „Lentil Wreck"

Der deutsche Frachter Kimon M lief 1978 mit einer Ladung Linsen auf das Riff – daher der Spitzname „Lentil Wreck". Er liegt am östlichen Ende von Abu Nuhas und ist das am wenigsten besuchte der vier Wracks, weil es exponierter liegt und häufiger Strömung steht. Der Rumpf liegt auf der Steuerbordseite, der Bug ist stark zerstört, das Heck dagegen mit dem imposanten Maschinenraum gut erhalten. Die Tiefen reichen hier weiter hinab: vom Riffdach bei rund 4 Metern bis zum Heck auf etwa 32 Metern. Wegen der Tiefe und der oft ruppigen Bedingungen ist die Kimon M eher etwas für erfahrene Wracktaucher.

Anfahrt & Tauchgang-Praxis (ab Hurghada / El Gouna)

Abu Nuhas ist von den nördlichen Basen gut erreichbar. Von El Gouna aus bist du am schnellsten am Riff – je nach Boot rund eine bis anderthalb Stunden. Von Hurghada dauert die Anfahrt etwa zwei bis zweieinhalb Stunden. Beide Orte bieten reguläre Tagestouren, die meist zwei der vier Wracks kombinieren – klassisch Giannis D plus Carnatic. Wer alle vier Wracks in Ruhe erleben will, bucht besser eine Tauchsafari im nördlichen Roten Meer, die Abu Nuhas oft mit dem legendären Thistlegorm-Wrack verbindet.

Ein wichtiger Punkt zur Praxis: Die Boote ankern in der Regel an der geschützten Südseite des Riffs, und du tauchst über das Riffdach zur Wrackseite hinüber. Am exponierten Nordriff gibt es keine feste Mooring über den Wracks – Ein- und Ausstieg erfolgen häufig als Drift oder du kehrst zum Boot zurück. Genau deshalb gehört an Abu Nuhas eine Cressi Tauchboje (SMB) zur Pflichtausrüstung: Bei Strömung oder Wellengang treibst du am exponierten Nordriff schnell ab, und mit einer geschossenen Boje findet dich das Zodiac zuverlässig. Ohne SMB gehe ich hier grundsätzlich nicht ins Wasser.

Weil eine Tagestour meist zwei bis drei Tauchgänge umfasst, brauchst du einen Tauchcomputer, der deine Nullzeiten und Oberflächenpausen sauber im Blick behält. Für Einsteiger und preisbewusste Taucher ist der Cressi Leonardo ein zuverlässiger Begleiter – ein Ein-Knopf-Computer, den ich vielen meiner Gäste für genau solche Mehr-Tauchgang-Tage empfehle. Und für die Innenräume: Selbst die offenen, lichtdurchfluteten Wracks wie die Carnatic haben schattige Winkel voller Leben. Eine kompakte, kräftige Wurkkos DL10R Taucherlampe holt die knalligen Rot- und Orangetöne der Weichkorallen und Glasfischschwärme im Wrackinneren zurück, die das gefilterte Tageslicht sonst schluckt.

Beste Reisezeit & Bedingungen

Abu Nuhas lässt sich prinzipiell ganzjährig tauchen, die angenehmste Zeit liegt aber zwischen März und November. Im Winter (Dezember bis Februar) kann der Nordwind kräftig auffrischen, was am exponierten Riff für Welle sorgt und Touren gelegentlich ausfallen lässt. In den Sommer- und Herbstmonaten sind Wind und See meist ruhiger.

Die Wassertemperatur bewegt sich zwischen rund 22 °C im Winter und 28 °C im Hochsommer. Für die meisten Taucher ist ein 3 mm Neoprenanzug die richtige Wahl – im tiefsten Winter oder bei mehreren Tauchgängen am Tag greifen Frostbeulen besser zu 5 mm. Welche Stärke wann passt, habe ich ausführlich in meinem Neopren-Guide fürs Rote Meer beschrieben. Die Sichtweiten sind an Abu Nuhas typisch nördliches Rotes Meer: bei guten Bedingungen klare 20 bis 30 Meter, an ruhigen Tagen sogar mehr.

Marcs Tipps für den perfekten Abu-Nuhas-Tag

Nach vielen Jahren am nördlichen Roten Meer habe ich ein paar Empfehlungen, die dir den Tag am Schiffsfriedhof richtig gut machen:

  • Giannis D zuerst: Tauche das Highlight – das gekippte Heck des Giannis D – als ersten, tiefsten Tauchgang, solange du frisch bist und die volle Nullzeit hast.
  • Carnatic als zweiten Gang: Der offene, flachere Rumpf der Carnatic ist perfekt für den zweiten, längeren Tauchgang mit mehr Restzeit – und im Nachmittagslicht am fotogensten.
  • Orientierung vorher klären: Lass dir im Briefing genau zeigen, wo die Wracks relativ zur Riffkante liegen. Bei geringer Sicht oder Strömung ist das Gold wert.
  • Nicht überall reinkriechen: Die Wracks sind teils fragil und eng. Innenraum-Passagen nur mit passender Ausbildung, Licht und einem Guide, der den Weg kennt.
  • Kamera bereithalten: Das durchbrochene Deck der Carnatic und das schräge Heck des Giannis D gehören zu den besten Wrack-Motiven Ägyptens.

Wenn dich das Wrackfieber gepackt hat, führt kein Weg an der SS Thistlegorm vorbei – dem berühmtesten Wrack des Roten Meeres, das ich in meinem Thistlegorm-Guide ausführlich vorstelle. Und wer wissen will, wie sich Abu Nuhas gegen die anderen Top-Wracks schlägt, findet die Einordnung in meinem Überblick über die besten Wracks im Roten Meer. Abu Nuhas ist für mich der perfekte Einstieg ins Wracktauchen: vier grundverschiedene Schiffe, alle in überschaubarer Tiefe, alle an einem einzigen Riff. Ein Tauchtag, der sich anfühlt wie eine Reise durch die Geschichte der Seefahrt.

Häufige Fragen

Wie viele Wracks liegen bei Abu Nuhas?+

An Abu Nuhas liegen vier betauchbare Wracks an einem einzigen Riff: die Giannis D (griechischer Frachter, 1983), die Carnatic (britischer Dampfsegler, 1869, "Wine Wreck"), die Chrisoula K (1981, "Fliesenwrack") und die Kimon M (1978, "Lentil Wreck"). Deshalb gilt Abu Nuhas als der Schiffsfriedhof des Roten Meeres.

Kann man Abu Nuhas als Anfänger tauchen?+

Empfohlen ist ein Advanced Open Water Diver (AOWD). Die Wracks liegen zwar teils flach ab 4 Metern, doch die interessanten Bereiche und die tieferen Wracks reichen bis 27–32 Meter. Dazu kommen am exponierten Nordriff Strömung und Wellengang. Der Giannis D und die Carnatic sind mit guter Tarierung und einem Guide auch für weniger erfahrene Advanced-Taucher machbar; die Kimon M ist eher etwas für Fortgeschrittene.

Wie weit ist Abu Nuhas von Hurghada bzw. El Gouna entfernt?+

Von El Gouna aus bist du am schnellsten dort – je nach Boot rund eine bis anderthalb Stunden. Von Hurghada dauert die Anfahrt etwa zwei bis zweieinhalb Stunden. Beide Orte bieten reguläre Tagestouren zu Abu Nuhas an, die meist zwei der vier Wracks kombinieren.

Welches ist das beeindruckendste Wrack in Abu Nuhas?+

Für die meisten Taucher – und für mich – ist der Giannis D das Highlight. Sein dramatisch gekipptes Heck mit dem markanten Schornstein und den schrägen Aufbauten desorientiert beim Durchtauchen herrlich und ist eines der fotogensten Wrackmotive Ägyptens. Historisch am faszinierendsten ist die Carnatic von 1869 mit ihrem skelettierten, lichtdurchfluteten Rumpf.

Braucht man für Abu Nuhas eine Tauchsafari oder reicht eine Tagestour?+

Eine Tagestour ab Hurghada oder El Gouna reicht, um zwei der vier Wracks – meist Giannis D und Carnatic – zu tauchen. Wer alle vier Wracks in Ruhe erleben will, bucht besser eine Tauchsafari im nördlichen Roten Meer, die Abu Nuhas oft mit dem Thistlegorm-Wrack und weiteren Nordspots verbindet.

Über den Autor

🤿

Marc

PADI Divemaster · Rotes Meer

Seit Jahren tauche ich im Roten Meer und kenne jeden Spot, jede Strömung. Mein Ziel: dir den perfekten Tauchurlaub zu ermöglichen.

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