Rosalie Moller Wrack im Roten Meer: Tiefer, ruhiger und unberührter als die Thistlegorm. Was dich erwartet, wer reinpasst und wie du hinkommst.
Auf einen Blick
- Ort: Shaab Ali, nördliches Rotes Meer – ca. 25 km südöstlich von Sharm el-Sheikh, Sinai
- Tiefe: 18–50 m (Masttop 18 m, Deck ca. 30–35 m, Kiel 50 m)
- Beste Reisezeit: Oktober–April (wenig Wind, ruhige See, beste Sicht)
- Voraussetzungen: Mindestens Advanced Open Water Diver, Tiefstufe empfohlen
- Besonderheit: Kaum Touristen, originalgetreues Wrack, Kohle-Ladung noch an Bord
Was ist die Rosalie Moller — und warum lohnt sie sich?
Die Rosalie Moller ist ein britischer Kohledampfer, der am 7. Oktober 1941 — nur einen Tag nach der berühmten SS Thistlegorm — von deutschen Bombern versenkt wurde. Sie liegt auf der Westseite von Shaab Ali im nördlichen Roten Meer und ruht aufrecht auf dem Sandgrund in 50 Metern Tiefe. Ihr Masttop beginnt bei 18 Metern, das Hauptdeck liegt auf rund 30 bis 35 Metern. Was sie von der Thistlegorm unterscheidet: Die Rosalie Moller ist kaum touristisch erschlossen, weitgehend unberührt und gilt als eines der am besten erhaltenen Wracks Ägyptens. Wer sie betaucht, hat das Wrack oft für sich allein. Aus diesem Grund zähle ich sie zu meinen persönlichen Favoriten im Überblick über die besten Wracks im Roten Meer.
Rosalie Moller vs. Thistlegorm: Die Unterschiede im Vergleich
Beide Wracks liegen an Shaab Ali, beide stammen aus dem Zweiten Weltkrieg, beide wurden von deutschen Bombern versenkt. Trotzdem könnte der Charakter der Tauchgänge kaum unterschiedlicher sein. Die SS Thistlegorm ist weltbekannt, täglich von Dutzenden Booten angefahren und vollgestopft mit fotogenem Kriegsmaterial — Motorräder, LKW, Munitionskisten. Der Tauchdruck ist enorm, an Wochenenden kämpft man sich durch Blasenwolken anderer Gruppen.
Die Rosalie Moller ist das genaue Gegenteil. Ihr Frachtraum trägt noch immer die originale Kohleladung aus dem Jahr 1941, die in der Gegend von Port Sudan aufgenommen wurde. Kaum eine Tauchgruppe, keine Souvenirjäger, keine Markierungsleinen quer durch die Laderäume. Das Wrack liegt aufrecht, strukturell intakt, und die Aufbauten sind noch erkennbar. Für mich ist sie der ehrlichere Tauchgang — weniger Spektakel, mehr Atmosphäre.
| Kriterium | Rosalie Moller | SS Thistlegorm |
|---|---|---|
| Tiefe (Deck) | 30–35 m | 16–30 m |
| Touristenaufkommen | Sehr gering | Sehr hoch |
| Ladung | Kohle (original) | Militärfahrzeuge, Ausrüstung |
| Wrackerhaltung | Sehr gut, aufrecht | Gut, aber stark besucht |
| Korallenbewuchs | Üppig, unberührt | Vorhanden, teils beschädigt |
| Schwierigkeitsgrad | Mittel bis anspruchsvoll | Mittel |
Tauchprofil — Tiefe, Sicht und was dich erwartet
Die Rosalie Moller misst rund 113 Meter Länge und liegt mit dem Bug nach Norden. Wer sie das erste Mal betaucht, beginnt am besten am Masttop auf 18 Metern — von dort aus erschließt sich das Wrack von oben nach unten. Der Aufbautenbereich auf ca. 30 bis 35 Metern ist das Herzstück: Brücke, Steuerhaus, Ladeluken, Dampfkessel. Alles ist noch da, alles ist noch erkennbar.
Die Sichtweiten im Roten Meer sind in dieser Region typischerweise ausgezeichnet — 20 bis 35 Meter, manchmal mehr. Das bedeutet: Du kannst das Wrack aus echter Distanz erfassen, nicht nur Meter für Meter ertasten. Die Wassertemperatur liegt je nach Saison zwischen 22 und 28 Grad, im Hochsommer bis 30 Grad. Ein 3mm-Neopren reicht für die meiste Zeit des Jahres vollkommen aus.
Was viele nicht wissen: Das Innere der Rosalie Moller ist teils betauchbar, aber dunkel. Die Laderäume mit der Kohle sind zugänglich, erfordern aber gute Orientierung und — zwingend — eine starke Lampe. Ich tauche im Wrackinneren immer mit meiner Unterwasserlampe Wurkkos DL10R, die mit 4.500 Lumen auch in tiefen, verkohlten Laderäumen für ausreichend Sicht sorgt. Ohne Lampe entgeht dir die Hälfte des Wracks.
Besonders beeindruckend: der Bewuchs. Weil das Wrack kaum besucht wird, haben sich Korallen und Schwämme ungestört entwickelt. Die Aufbauten sind mit weichen Korallen, Glasfischen und Fahnenbarschkolonien überzogen wie ein Riff — kein halbes Wrack, das unter Taucherberührung leidet.
Nitrox auf der Rosalie Moller: Lohnt sich der Aufwand?
Wer die Rosalie Moller mit Nitrox betaucht, verlängert seine Nullzeiten auf dem Deck erheblich — und das macht bei diesem Wrack einen spürbaren Unterschied. Mit Pressluft (21 % Sauerstoff) liegt die Nullzeit auf 30 Metern bei etwa 20 Minuten. Mit Nitrox 32 steigt sie auf rund 30 Minuten, mit Nitrox 36 sogar auf über 40 Minuten. Das gibt dir Zeit, das Wrack in einem einzigen Tauchgang wirklich zu erkunden, statt nach 20 Minuten den Aufstieg einleiten zu müssen.
Die meisten Liveaboards im nördlichen Roten Meer bieten Nitrox entweder kostenlos oder gegen einen geringen Aufpreis an — die entsprechende Zertifizierung (PADI Enriched Air Diver oder Äquivalent) vorausgesetzt. Wenn du die Rosalie Moller mehrfach täglich betauchen willst und dabei auch den tieferen Aufbautenbereich mitnehmen möchtest, ist Nitrox keine Frage des Luxus, sondern schlicht sinnvoll. Ich tauche sie seit Jahren standardmäßig mit Nitrox 32 — der Aufwand für den Kurs ist gering, der Gewinn an Tauchzeit erheblich.
Profi-Tipp von Marc
"Plant zwei Tauchgänge auf der Rosalie Moller ein, nicht einen. Beim ersten lasse ich das Wrack auf mich wirken, beim zweiten kenne ich die Struktur und kann gezielt die Details suchen — den Kompassraum, den Maschinenraum, die kohlebeladenen Laderäume. Wer nur einen Tauchgang macht, sieht das Wrack, aber versteht es nicht."
Sporttaucher oder Tec? Voraussetzungen für die Rosalie Moller
Die Rosalie Moller ist kein Einsteiger-Wrack. Das bedeutet nicht, dass sie technisches Tauchen erfordert — aber sie verlangt ein solides Fundament. Meine Empfehlung für Sporttaucher: Mindestens Advanced Open Water Diver mit nachgewiesener Tieftauch-Erfahrung. Wer außerdem einen PADI Deep Diver oder ein SSI-Äquivalent hat, ist ideal vorbereitet.
Der Grund: Das Deck liegt auf ca. 30 bis 35 Metern, der Kiel auf 50 Metern. Wer den Kiel sehen will, bewegt sich in technisches Territorium — mit entsprechend kurzen Nullzeiten und deutlich erhöhtem Dekompressionsdruck bei mehrfachen Tauchgängen täglich. Für Sporttaucher ist das Deck der richtige Spielplatz. Ein verlässlicher Tauchcomputer ist hier keine Frage des Komforts, sondern der Sicherheit.
Wer gelegentlich taucht und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis sucht, ist mit der Cressi Leonardo gut aufgestellt: großes Display, einfache Bedienung, solide Tiefentauch-Funktion. Vieltaucher und alle, die häufiger auf tiefen Wracks unterwegs sind, sollten einen Blick auf den Garmin Descent G2 werfen — Luftintegration und einstellbare Gradientenfaktoren machen ihn zur ernstzunehmenden Option für anspruchsvolle Wracks.
Für den Aufstieg gilt: An der Rosalie Moller taucht ihr im offenen Wasser auf — das Zodiac holt euch ab der Oberfläche ab. Eine eigene Signalboje (SMB) mit Abrollspule gehört deshalb absolut zur Pflichtausrüstung. Wer nach einem Tieftauchgang ohne Boje auftaucht, riskiert, vom Zodiac übersehen zu werden — besonders wenn mehrere Gruppen gleichzeitig unterwegs sind.
Wie komme ich zur Rosalie Moller?
Die Rosalie Moller liegt an Shaab Ali, rund 25 Kilometer südöstlich von Sharm el-Sheikh auf der Sinai-Halbinsel. Sie ist von Sharm el-Sheikh aus mit einem Tagesboot in etwa 90 Minuten erreichbar — angeboten wird der Spot von spezialisierten Tauchbasis und einzelnen Tagesbooten, die nicht die übliche Thistlegorm-Route fahren. Der einfachere und empfehlenswertere Weg: ein Liveaboard.
Auf einem Liveaboard im nördlichen Roten Meer — Route Sharm el-Sheikh oder Hurghada — ist Shaab Ali ein Standard-Stop. Ihr übernachtet am Wrack, habt Zeit für zwei Tauchgänge auf der Rosalie Moller und oft zusätzlich einen oder zwei auf der Thistlegorm gegenüber. Genau für diesen Reisetyp ist das Liveaboard im Roten Meer gemacht — ich empfehle mindestens fünf Tage auf dem Wasser, um beide Shaab-Ali-Wracks in Ruhe zu betauchen und weitere Spots wie Abu Nuhas oder Ras Mohammed hinzuzunehmen.
Tipp zur Buchung: Achtet darauf, dass das Liveaboard explizit die Rosalie Moller im Itinerar listet. Viele Boote fahren Shaab Ali ausschließlich für die Thistlegorm an — die Rosalie Moller ist nur ein paar hundert Meter entfernt, aber längst nicht jedes Boot plant dort einen Tauchgang ein. Gezielt nachfragen lohnt sich.
Beste Reisezeit und Wetterbedingungen
Das nördliche Rote Meer im Bereich Sharm el-Sheikh und Shaab Ali ist ganzjährig tauchbar, aber die Bedingungen variieren stark. Die beste Reisezeit für die Rosalie Moller liegt zwischen Oktober und April. In diesen Monaten ist die See meist ruhig, der Wind moderat, und die Wassertemperatur liegt bei angenehmen 22–26 Grad — ideal für einen 3mm-Neopren.
Der Sommer (Juni bis September) bringt höhere Temperaturen, teils bis 30 Grad im Wasser, aber auch stärkere Winde aus Norden — den sogenannten Nordwind oder "Sha'mali". Dieser kann die See an Shaab Ali rau machen und den Transfer vom Zodiac zum Wrack unkomfortabel gestalten. Für unerfahrene Taucher oder Anfänger auf dem Liveaboard sind ruhige Herbst- und Wintermonate daher klar zu bevorzugen.
Die Sichtweite ist nahezu ganzjährig exzellent. Im Herbst und Winter ist das Planktonaufkommen geringer, was die Sicht auf 30 bis 40 Meter treiben kann — ein Vorteil, wenn man das komplette 113-Meter-Wrack von einer Position aus erfassen möchte. Im Sommer kann das Plankton die Sicht auf 15 bis 20 Meter reduzieren, was für Wracktauchen immer noch sehr gut ist.
Häufige Fragen
Wie tief liegt die Rosalie Moller?+
Das Wrack liegt aufrecht auf dem Sandgrund. Der Masttop beginnt auf etwa 18 Metern, das Hauptdeck auf ca. 30 bis 35 Metern und der Kiel auf 50 Metern. Für Sporttaucher ist das Deck der ideale Spielplatz — der Kiel erfordert technisches Taucherwissen und sehr kurze Nullzeiten.
Brauche ich besondere Qualifikationen für die Rosalie Moller?+
Mindestens den Advanced Open Water Diver mit Erfahrung in Tieftauchgängen. Ein Deep-Diver-Zertifikat (PADI oder SSI) ist empfehlenswert. Für den Kielbereich auf 50 Metern ist technisches Tauchwissen erforderlich. Wichtig: Eine eigene Lampe und eine Signalboje mit Abrollspule sind Pflicht.
Wie komme ich am besten zur Rosalie Moller?+
Am bequemsten und empfehlenswertesten per Liveaboard ab Sharm el-Sheikh oder Hurghada mit explizitem Shaab-Ali-Stopp. Tagesboote ab Sharm el-Sheikh bieten den Spot vereinzelt an, sind aber seltener und haben weniger Zeit am Wrack. Beim Buchen darauf achten, dass die Rosalie Moller explizit im Programm steht.
Was unterscheidet die Rosalie Moller von der SS Thistlegorm?+
Die Rosalie Moller ist deutlich ruhiger, kaum touristisch erschlossen und gilt als besser erhalten. Sie trägt noch die originale Kohleladung im Frachtraum. Die Thistlegorm ist tiefer zugänglich und hat spektakuläreres Kriegsmaterial, ist aber oft überfüllt. Wer Atmosphäre statt Trubel sucht, wählt die Rosalie Moller.
Wann ist die beste Reisezeit für die Rosalie Moller?+
Oktober bis April — dann ist die See ruhig, die Wassertemperatur liegt bei 22–26 Grad, und die Sicht ist optimal. Im Sommer kann Nordwind die Bedingungen an Shaab Ali unruhig machen. Für Liveaboard-Buchungen gilt: Je früher buchen, desto besser, besonders für Oktober bis Dezember.
