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Meeresschildkröten im Roten Meer: Arten, Spots & Regeln
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Tierwelt 19. August 2026 Marc 9 Min. Lesezeit

Meeresschildkröten im Roten Meer: Arten, Spots & Regeln

Meeresschildkröten im Roten Meer beobachten: Abu Dabbab, Marsa Mubarak & die besten Spots. Verhaltensregeln + Ausrüstungstipps für Taucher & Schnorchler.

Auf einen Blick

  • Häufigste Arten: Grüne Meeresschildkröte (Chelonia mydas) und Echte Karettschildkröte (Eretmochelys imbricata)
  • Bester Spot: Abu Dabbab bei Marsa Alam – Schildkröten fast garantiert, ganzjährig
  • Für Schnorchler geeignet: Abu Dabbab, Marsa Mubarak, Hausriffe der Hotels
  • Verhaltensregel Nr. 1: Mindestabstand 2 Meter einhalten, niemals anfassen oder aufscheuchen
  • Beste Reisezeit: Ganzjährig – Sommer und Herbst für besonders aktive Schildkröten

Meine erste Begegnung mit einer Meeresschildkröte im Roten Meer werde ich nie vergessen. Ich war noch Tauchanfänger, kaum zwanzig Tauchgänge im Logbuch, und schwamm über die flache Seegraswiese von Abu Dabbab, als plötzlich ein riesiger dunkler Schatten unter mir auftauchte: eine alte Grüne Meeresschildkröte, gut einen Meter lang, die gemächlich am Seegras knabberte und sich um meine Anwesenheit herzlich wenig scherte. Ich habe damals mehrere Minuten lang einfach daneben getrieben und zugeschaut.

Heute, nach über 2.000 Tauchgängen im Roten Meer, bin ich immer noch fasziniert von diesen Tieren. Das Rote Meer ist einer der wenigen Orte weltweit, wo Meeresschildkröten-Begegnungen fast garantiert sind – und das nicht nur für erfahrene Taucher, sondern auch für Schnorchler, Familien und Einsteiger. In diesem Guide zeige ich dir, wo du Schildkröten zuverlässig triffst, wie du dich richtig verhältst und was du für die perfekte Begegnung dabei haben solltest.

Meeresschildkröten im Roten Meer – die kurze Antwort

Im Roten Meer leben hauptsächlich zwei Schildkrötenarten: die Grüne Meeresschildkröte (Chelonia mydas) und die Echte Karettschildkröte (Eretmochelys imbricata). Beide sind ganzjährig anzutreffen, mit den besten Chancen an Seegraswiesen (Grüne Meeresschildkröte) und Korallenriffen (Karettschildkröte). Der zuverlässigste Spot ist Abu Dabbab bei Marsa Alam – dort sind Schildkröten-Sichtungen zu fast jeder Tageszeit möglich. Mit einem Mindestabstand von zwei Metern und ruhigen Bewegungen wirst du in der Regel belohnt: Die Tiere lassen sich von ruhigen Schnorchler und Tauchern kaum stören.

Grüne Meeresschildkröte vs. Echte Karettschildkröte

Beide Arten kommen im Roten Meer vor, unterscheiden sich aber in Aussehen, Verhalten und bevorzugten Lebensräumen erheblich.

Grüne Meeresschildkröte (Chelonia mydas)

Die Grüne Meeresschildkröte ist die häufigere der beiden Arten im Roten Meer. Trotz ihres Namens ist ihr Panzer meist braun bis olivgrün gemustert – das Grün bezieht sich auf ihr Körperfett, das sich durch ihre pflanzliche Ernährung grün färbt. Ausgewachsene Tiere erreichen eine Länge von 80 bis 120 Zentimetern und ein Gewicht von 70 bis 200 Kilogramm. Sie ernähren sich hauptsächlich von Seegras und Meeresalgen.

Genau deshalb findest du Grüne Meeresschildkröten am häufigsten an den flachen Seegraswiesen von Abu Dabbab und Marsa Mubarak: Hier weiden sie in Ruhe und lassen sich stundenlang beobachten. Wenn eine Schildkröte zum Luftholen auftaucht, macht sie das in regelmäßigen Abständen von 20 bis 40 Minuten – für kurze Sekunden erscheint sie an der Oberfläche, bevor sie wieder abtaucht.

Echte Karettschildkröte (Eretmochelys imbricata)

Die Echte Karettschildkröte ist etwas kleiner als ihre grüne Verwandte (60 bis 90 Zentimeter) und an ihrem charakteristischen, vogelschnabelartigen Kiefer sofort erkennbar. Ihr Panzer zeigt ein wunderschönes braun-gelbes Schuppenmuster. Im Gegensatz zur Grünen Meeresschildkröte ernährt sie sich vorwiegend von Schwämmen und Weichkorallen – deshalb trifft man sie häufiger direkt an Riffen und Korallenwänden an, oft auf der Suche nach ihrer Lieblingsspeise.

Beide Arten stehen weltweit unter strengem Schutz und sind auf der Roten Liste der IUCN als gefährdet eingestuft. Im ägyptischen Nationalpark Ras Mohammed und in den Schutzgebieten rund um Marsa Alam gelten besondere Auflagen für den Umgang mit diesen Tieren.

Die besten Spots für Schildkröten-Begegnungen

Das Rote Meer bietet mehrere verlässliche Spots – aber nicht alle sind gleich gut zugänglich oder für alle Erfahrungsniveaus geeignet.

Abu Dabbab – die Schildkröten-Bucht schlechthin

Abu Dabbab, rund 25 Kilometer nördlich von Marsa Alam, ist mit Abstand der bekannteste und zuverlässigste Schildkröten-Spot im gesamten Roten Meer. Die flache, geschützte Bucht beherbergt eine ausgedehnte Seegraswiese in 1 bis 5 Metern Tiefe – das perfekte Revier für Grüne Meeresschildkröten. An einem guten Tag wirst du hier drei bis fünf Schildkröten gleichzeitig sehen, manchmal sogar mehr.

Das Besondere: Abu Dabbab ist sowohl für Schnorchler als auch für Taucher zugänglich. Schnorchler erreichen die Schildkröten direkt vom Strand, ohne Bootsfahrt. Taucher können entlang des Riff-Abhangs absteigen und die Tiere auf dem Rückweg zur Oberfläche beobachten. Und wenn du Glück hast, begegnest du dort auch dem seltenen Dugong – dem Gabelschwanz-Seekuh, das in der angrenzenden Seegraswiese lebt. Mehr dazu in unserem Abu Dabbab Guide mit Dugong-Infos.

Marsa Mubarak – die ruhigere Alternative

Marsa Mubarak liegt wenige Kilometer südlich von Port Ghalib und ist unter Kennern die bevorzugte Alternative zu Abu Dabbab. Die kleine Bucht ist weniger frequentiert, die Schildkröten hier oft zutraulicher. Auch hier dominieren Grüne Meeresschildkröten, die in der Seegraswiese weiden. Der Zugang ist ebenfalls vom Strand möglich, allerdings ist der Einstieg etwas steiniger als in Abu Dabbab.

Wer nach Marsa Mubarak möchte, bucht am besten einen Tagesausflug ab Marsa Alam oder Port Ghalib – der Spot liegt etwas abseits ohne direkten Hotel-Anschluss. Lokale Tauchbasen organisieren täglich Ausflüge dorthin.

Marsa Shagra und die Hausriffe der Hotels

Das Red Sea Diving Safari Resort in Marsa Shagra ist eine Institution unter Meeres-Enthusiasten – und das Hausriff direkt vor dem Steg ist bekannt für seine Schildkröten-Population. Karettschildkröten zeigen sich hier regelmäßig zwischen den Korallenwänden. Das Gute: Übernachtungsgäste können das Hausriff jederzeit direkt vom Strand erreichen, ohne Tagesboot.

Ähnliches gilt für die Hausriffe bei Coraya Bay und in der Nähe von Port Ghalib: Wer im richtigen Hotel eincheckt, hat buchstäblich Schildkröten vor der Tür. Mehr über Hotels mit echten Hausriffen in unserem Marsa Alam Tauch-Guide.

Schnorcheln in Marsa Alam – Schildkröten für alle

Auch wer nicht taucht, hat im Raum Marsa Alam exzellente Chancen auf Schildkröten-Begegnungen. Die flachen Spots Abu Dabbab und Marsa Mubarak sind ohne Tauchausbildung zugänglich. Für ausführliche Spot-Beschreibungen und Tipps für Schnorchler empfehle ich unseren Schnorchel-Guide für Marsa Alam – dort findest du alle Einstiegstipps und die besten Tageszeiten.

Verhaltensregeln: So schützt du die Schildkröten

Meeresschildkröten sind Wildtiere – und sie reagieren sensibel auf menschliches Fehlverhalten. Als PADI Divemaster habe ich unzählige Male erlebt, wie eine einzelne unachtsame Person eine Schildkröte aufgescheucht und damit das Erlebnis für alle anderen ruiniert hat. Deshalb: Diese Regeln sind keine optionale Empfehlung, sondern gelten in vielen Schutzgebieten als Pflicht.

  • Mindestabstand 2 Meter: Halte immer mindestens zwei Meter Abstand – mehr ist besser. Schildkröten, die sich bedroht fühlen, schwimmen schnell weg und kommen nicht zurück.
  • Niemals anfassen: Auch wenn die Schildkröte ruhig wirkt – das Anfassen verursacht Stress und schadet dem natürlichen Schutzfilm der Haut. Keine Ausnahme.
  • Nicht zwischen Schildkröte und Oberfläche: Wenn eine Schildkröte zum Luftholen aufsteigen möchte, blockiere niemals ihren Weg. Taucher haben bei der Taucherlampe gelernt: Licht nie direkt in die Augen halten – das gilt für Schildkröten noch mehr.
  • Reef-safe Sonnencreme Pflicht: Chemische Sonnencremes schädigen Korallen und können Schildkröten-Lebensräume belasten. Ich verwende immer die NEW LAYER LSF 50+ Reef-safe Sonnencreme – die schützt ohne schädliche UV-Filter.
  • Keine Flash-Fotografie: Unterwasser-Blitze stören Schildkröten und andere Meerestiere. Nutze natürliches Licht oder eine Videolicht-Fülllicht-Lösung.
  • Gruppen-Disziplin: In Gruppen gilt: Wer am nächsten ist, gibt den Ton an. Eine Schildkröte zwischen zehn aufgeregten Schnorchlern flieht – drei ruhige Beobachter haben dagegen ein langes, entspanntes Erlebnis.

Profi-Tipp von Marc

"Die ruhigsten Schildkröten-Erlebnisse, die ich hatte, waren immer dann, wenn ich einfach auf derselben Tiefe wie die Schildkröte blieb und mich treiben ließ. Keine schnellen Bewegungen, kein Verfolgen. Die Schildkröte kam dann manchmal selbst näher – aus purer Neugier."

Ausrüstung für die perfekte Schildkröten-Begegnung

Spezielle Ausrüstung brauchst du für Schildkröten-Begegnungen nicht – aber ein paar Ergänzungen machen das Erlebnis deutlich besser.

UV-Schutz für lange Stunden im Wasser

An einem guten Tag kannst du in Abu Dabbab mehrere Stunden im Wasser verbringen – die Schildkröten lassen das zu. Gleichzeitig ist Ägypten im Sommer brutal: 35–40 °C Lufttemperatur, intensive Sonneneinstrahlung auch unter Wasser. Ich trage beim Schnorcheln immer ein UV-Rashguard von Scubapro – das schützt Rücken und Schultern vor Sonnenbrand, ohne einzuengen. Auch Taucher schätzen den Rashguard unter dem dünnen 3mm-Neopren: Er hält den Neopren sauber und reduziert Reibung.

Unterwasserkamera – Erinnerungen für immer

Schildkröten-Begegnungen sind fotogen wie kaum ein anderes Unterwassererlebnis – und sie geschehen nah genug, um auch mit einfachem Equipment großartige Aufnahmen zu machen. Meine Empfehlung für Einsteiger: die OM System Tough TG-7. Sie ist bis 15 Meter wasserdicht, schockfest und hat ein exzellentes Makro-Objektiv für Detailaufnahmen des Schildkrötenpanzers. Kein Gehäuse nötig – einfach reinwerfen und fotografieren.

Wer bereits eine GoPro hat: Am Abu Dabbab-Hausriff in 1 bis 3 Metern Tiefe ist Tageslicht so intensiv, dass du auf einen Rotfilter verzichten kannst. Für tiefere Tauchgänge ab 5 Metern lohnt sich ein Rotfilter, um die Blautöne zu kompensieren.

Beste Reisezeit für Schildkröten-Sichtungen

Meeresschildkröten sind im Roten Meer das ganze Jahr über anzutreffen – das Klima ist für sie ganzjährig geeignet. Einige saisonale Unterschiede gibt es aber trotzdem:

  • Juni bis Oktober (Hauptsaison): Wärmste Wassertemperaturen (26–30 °C), Schildkröten sind am aktivsten und am häufigsten an den Seegraswiesen anzutreffen. Allerdings auch die höchste Touristendichte.
  • November bis Februar: Etwas kühleres Wasser (22–24 °C), weniger Touristen, ruhigere Begegnungen. 3mm-Neopren ist für Taucher empfehlenswert, Schnorchler brauchen einen Shorty oder Rashguard.
  • März bis Mai: Übergangszeit mit angenehmen Temperaturen, moderate Touristenzahlen. Sehr gute Bedingungen für entspannte Schildkröten-Beobachtung.

Nistzeit: Weibliche Grüne Meeresschildkröten kommen zwischen Mai und August an Ägyptens Sandstrände zum Eierlegen – ein seltenes und beeindruckendes Naturschauspiel. Die wichtigsten Niststrände liegen auf der Sinai-Halbinsel und im Bereich Hamata. Beobachten nur aus großer Distanz, niemals Licht verwenden.

Häufige Fragen

Wo sehe ich Meeresschildkröten im Roten Meer mit Sicherheit?+

Abu Dabbab bei Marsa Alam ist der zuverlässigste Spot: Die Seegraswiese in 1–5 Metern Tiefe beherbergt ganzjährig Grüne Meeresschildkröten, die für Schnorchler direkt vom Strand erreichbar sind. Weitere sehr gute Spots sind Marsa Mubarak und die Hausriffe der Hotels zwischen Marsa Shagra und Port Ghalib. An einem durchschnittlichen Tag siehst du in Abu Dabbab mindestens zwei bis drei Schildkröten.

Welche Schildkrötenarten leben im Roten Meer?+

Im Roten Meer kommen hauptsächlich zwei Arten vor: die Grüne Meeresschildkröte (Chelonia mydas), die sich von Seegras ernährt und vor allem in flachen Buchten anzutreffen ist, sowie die Echte Karettschildkröte (Eretmochelys imbricata), die an Korallenriffen nach Schwämmen sucht und am schnabelartigen Kiefer erkennbar ist. Beide Arten stehen weltweit unter Schutz.

Darf ich Meeresschildkröten im Roten Meer anfassen?+

Nein – das Anfassen von Meeresschildkröten ist verboten und schadet den Tieren. Das Berühren beschädigt den natürlichen Schutzfilm der Haut, verursacht Stress und kann dazu führen, dass die Tiere den Spot dauerhaft meiden. Halte immer mindestens zwei Meter Abstand und bewege dich langsam und ruhig. In Nationalparks wie Ras Mohammed drohen empfindliche Bußgelder.

Kann ich Schildkröten auch als Schnorchler ohne Tauchkurs sehen?+

Ja, absolut! Abu Dabbab und Marsa Mubarak sind beide als Schnorchelspots zugänglich – die Schildkröten weiden in 1–3 Metern Tiefe und kommen regelmäßig an die Oberfläche zum Luftholen. Keine Tauchausbildung erforderlich. Für Kinder ab 6 Jahren ideal; auch ältere Reisende und Anfänger haben hier garantiert beeindruckende Erlebnisse.

Wann ist die beste Jahreszeit, um Schildkröten im Roten Meer zu sehen?+

Meeresschildkröten sind das ganze Jahr über im Roten Meer anzutreffen. Die aktivste Zeit ist Juni bis Oktober (Wassertemperatur 26–30 °C) – dann sieht man sie am häufigsten an den Seegraswiesen. Im Winter (November bis März) ist es etwas ruhiger und weniger touristisch, was oft entspanntere Begegnungen ermöglicht. Die Nistzeit für weibliche Grüne Meeresschildkröten liegt zwischen Mai und August.

Über den Autor

🤿

Marc

PADI Divemaster · Rotes Meer

Seit Jahren tauche ich im Roten Meer und kenne jeden Spot, jede Strömung. Mein Ziel: dir den perfekten Tauchurlaub zu ermöglichen.

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