Shaab Claudio und Abu Galawa tauchen bei Hurghada: ruhige Geheimtipp-Riffe als Windalternative zu Giftun Island. Jetzt Spots & Tipps entdecken!
Auf einen Blick
- Ort: Offshore-Riffe nördlich von Hurghada, Rotes Meer
- Tiefe: 5–25 m
- Sichtweite: meist 20–30 m
- Wassertemperatur: 22–28 °C je nach Saison
- Beste Reisezeit: ganzjährig, besonders bei starkem Nordwind März–Juni
Was macht Shaab Claudio und Abu Galawa bei Hurghada zu Geheimtipps?
Shaab Claudio und Abu Galawa sind zwei Offshore-Riffe nördlich von Hurghada, die deutlich weniger Bootsverkehr abbekommen als das bekannte Giftun Island. Beide liegen so, dass sie bei starkem Nordwind noch anfahrbar sind, wenn andere Spots längst abgesagt werden. Mit Tiefenprofilen von 5 bis 25 Metern, dichten Weichkorallengärten und einer soliden Rifffisch-Population sind sie genau das, was ich Gästen empfehle, die Ruhe statt Bootsparkplatz suchen.
Ich tauche seit Jahren im Raum Hurghada und merke jedes Mal wieder: Während bei Giftun Island an einem guten Tag zehn Boote gleichzeitig am gleichen Mooring hängen, triffst du an Shaab Claudio oft nur ein oder zwei andere Gruppen. Manchmal ist es sogar keine. Das liegt schlicht daran, dass die Fahrzeit von Hurghada aus etwas länger ist und viele Tagesboote lieber die nahen Spots ansteuern. Für dich heißt das: mehr Fisch, weniger Flaschenzug-Gedränge, entspanntere Fotos.
Lage und Anfahrt von Hurghada
Beide Riffe liegen im offenen Wasser zwischen Hurghada und der vorgelagerten Inselgruppe, etwa 45 bis 70 Minuten Bootsfahrt vom Hafen entfernt, je nachdem, von welcher Marina du startest. Die Fahrt führt an Giftun Island vorbei weiter nach Norden, weshalb viele Basen beide Spots in Kombination anbieten: vormittags Shaab Claudio, nach der Oberflächenpause Abu Galawa. Wer einen generellen Überblick über die Tauchbasen und Logistik der Region sucht, findet das in meinem Hurghada-Tauchguide mit allen wichtigen Eckdaten zu An- und Abreise.
Shaab Claudio im Detail
Shaab Claudio ist ein langgezogenes Hausriff-ähnliches Plateau mit einem flachen Nordteil bei 5 bis 8 Metern und einer steiler abfallenden Südseite, die bis auf etwa 25 Meter reicht. Die Riffkrone ist dicht mit Hart- und Weichkorallen bewachsen, an den Abhängen hängen große Gorgonien-Fächer, die bei leichter Strömung regelrecht atmen. Für mich ist das einer der fotogensten Abschnitte in diesem Küstenabschnitt, vor allem im späten Nachmittagslicht, wenn die Sonne flach durchs Wasser fällt.
Einstiegspunkte und Strömung
Der klassische Einstieg liegt an der geschützten Nordwestseite, wo das Boot meist ankert oder an einer Boje festmacht. Von dort tauchst du entlang der Außenkante nach Süden und lässt dich am Ende vom Boot aufnehmen. Das ist ein typischer Drift mit moderater Strömung, die selten über 0,5 Knoten liegt. Bei Nordwind, der Giftun Island oft unangenehm macht, ist Shaab Claudio durch seine Lage im Lee spürbar ruhiger. Genau deshalb landet dieser Spot bei mir regelmäßig als Plan B, wenn der Wetterbericht am Vorabend schlecht aussieht.
Typische Tierwelt
An der Riffkrone wimmelt es von Rotmeer-Preussenfischen, Doktorfischschwärmen und Anemonenfischen, dazwischen patrouillieren immer wieder Große Blaupunktrochen über dem Sandgrund. In den Überhängen und Spalten findest du mit etwas Geduld Muränen, meist Riesenmuränen und die etwas scheuere Weißpunkt-Muräne. Zwei, drei Mal pro Saison taucht an der Außenkante ein einzelner Napoleon-Lippfisch auf, meist in der Dämmerung näher zur Oberfläche. Garantie gibt es dafür nicht, aber die Chance ist hier höher als an den stark betauchten Giftun-Spots, weil die Tiere weniger an Taucherlärm gewöhnt werden müssen.
Abu Galawa im Detail
Abu Galawa liegt ein Stück nordwestlich von Shaab Claudio und unterscheidet sich vor allem durch sein Profil: Statt eines langen Plateaus findest du hier ein kompakteres Riffsystem mit mehreren kleinen Satellitenriffen drumherum, die bei ruhigem Wetter zusätzliche Tauchgänge erlauben. Die Tiefe bewegt sich ähnlich zwischen 6 und 22 Metern, die Sicht ist hier im Schnitt sogar noch etwas klarer, weil weniger Sedimentaufwirbelung durch Bootsverkehr stattfindet.
Was Abu Galawa besonders macht, sind die Sandkanäle zwischen den Riffteilen, in denen sich gerne Stechrochen und gelegentlich Kugelfische aufhalten. Die Weichkorallenfelder an der windabgewandten Seite sind dichter als an Shaab Claudio, dafür ist das Großfisch-Vorkommen etwas geringer. Ich würde die beiden Riffe nicht gegeneinander ausspielen. Sie ergänzen sich im Tagesprogramm perfekt, weil sie unterschiedliche Stärken haben: Claudio für Strukturtauchgänge mit Großfisch-Potenzial, Abu Galawa für entspannte Makro- und Weitwinkel-Fotografie in ruhigem Wasser.
Wann diese Riffe die bessere Wahl sind als Giftun Island
Shaab Claudio und Abu Galawa schlagen Giftun Island vor allem an windigen Tagen von März bis Juni, wenn der Nordwind auflebt und die exponierten Giftun-Moorings unangenehmen Wellenschlag bekommen. Beide Riffe liegen geschützter und bleiben anfahrbar, während Boote an Giftun bereits umkehren müssen. Wer zusätzlich weniger Bootsverkehr und ruhigeres Tauchen ohne Gedränge sucht, trifft hier ebenfalls die bessere Wahl.
Wenn du dich schon mit Giftun Island beschäftigt hast (meine ausführliche Einschätzung dazu findest du im Beitrag Giftun Island tauchen bei Hurghada), wird der Unterschied schnell klar: Giftun punktet mit kurzer Anfahrt und bekannten Spots wie Erg Somaya, ist dafür aber an guten Wochenenden regelrecht überlaufen. Shaab Claudio und Abu Galawa sind die ruhigere, etwas anspruchsvollere Alternative mit längerer Anfahrt, aber spürbar mehr Fischreichtum pro Tauchgang. Meine Faustregel: Bei Nordwind oder wenn ich schon zwei-, dreimal an Giftun war, geht die Wahl automatisch Richtung Claudio oder Galawa.
Praktische Tipps für Shaab Claudio und Abu Galawa
Beide Spots werden nicht von jeder Tauchbasis täglich angefahren. Frag bei der Buchung gezielt nach, ob Shaab Claudio oder Abu Galawa im Tagesprogramm stehen, sonst landest du ungewollt doch wieder an Giftun. Die etwas längere Anfahrt lohnt sich an Tagen mit Drift und moderater Strömung besonders, wenn du den Überblick über Tiefe, Nullzeit und Aufstiegsrate nicht verlieren willst. Ich tauche hier inzwischen fast ausschließlich mit meinem Shearwater Tern Tauchcomputer (Preisbereich etwa 400–500 Euro). Das große, gut lesbare Display hilft an den steileren Abschnitten der Südseite von Shaab Claudio enorm, wenn du mal kurz tiefer abdriftest, weil du einem Rochen folgst.
Weil an beiden Riffen echte Driftabschnitte vorkommen und du nach dem Tauchgang oft ein Stück vom Ankerpunkt entfernt auftauchst, gehört eine Signalboje mit Abrollspule für mich zur Pflichtausrüstung. Ich nutze eine SMB mit Abrollspule (etwa 25–40 Euro, je nach Länge der Leine), die ich schon in 5 Metern Tiefe fülle, damit das Boot mich auch bei leichtem Seegang sicher findet. Für die Gorgonien-Fächer und Weichkorallenfelder an der windabgewandten Seite von Abu Galawa lohnt sich zusätzlich ein LED-Unterwasser-Videolicht für Action-Cams (rund 30–50 Euro). Gerade in den tieferen Rissen und unter Überhängen, wo das Sonnenlicht kaum hinkommt, bringt es Farben zurück, die sonst im Blau verschwinden.
Bei der Wassertemperatur von 22 bis 28 Grad reicht ein 3-mm-Neoprenanzug in den meisten Monaten völlig aus, nur im Winter zwischen Dezember und Februar würde ich bei mehreren Tauchgängen pro Tag eher zu 5 mm raten. Kaltwasser-Equipment brauchst du an diesen Riffen das ganze Jahr über nicht.
Profi-Tipp von Marc
"Buch den ersten Bootsslot des Tages für Shaab Claudio. Die Riffkrone liegt dann noch im ruhigen Morgenlicht, und du bist meist Stunden vor den Tagesausflüglern vom Festland am Riff – genau die Zeit, in der sich die großen Rochen am ehesten über dem Sand zeigen."
Häufige Fragen
Wie komme ich von Hurghada zu Shaab Claudio und Abu Galawa?+
Beide Riffe liegen offshore nördlich von Hurghada und werden von vielen Tauchbasen aus mit dem Tagesboot angefahren. Die Fahrzeit liegt je nach Marina zwischen 45 und 70 Minuten. Da nicht jede Basis diese Spots täglich im Programm hat, lohnt sich eine Nachfrage schon bei der Buchung.
Sind Shaab Claudio und Abu Galawa für Anfänger geeignet?+
Ja, der flache Nordteil von Shaab Claudio bei 5 bis 8 Metern und die geschützteren Abschnitte von Abu Galawa sind für Open-Water-Taucher gut machbar. Die tieferen Außenkanten mit leichter Strömung eignen sich besser für Taucher mit etwas Erfahrung im Driften.
Welche Tiere kann man dort sehen?+
Typisch sind dichte Rifffischschwärme, Blaupunktrochen über dem Sand, Riesen- und Weißpunkt-Muränen in den Riffspalten sowie gelegentlich ein einzelner Napoleon-Lippfisch an der Außenkante. Garantiert ist das nicht, aber dank des geringeren Tauchbetriebs sind die Sichtungsraten hier spürbar besser als an stark frequentierten Spots.
Wann ist die beste Zeit für diese beiden Riffe?+
Grundsätzlich sind Shaab Claudio und Abu Galawa ganzjährig gut tauchbar. Ihren größten Vorteil spielen sie zwischen März und Juni aus, wenn starker Nordwind die exponierten Moorings an Giftun Island unruhig macht und diese beiden geschützteren Riffe trotzdem anfahrbar bleiben.
Brauche ich für Shaab Claudio und Abu Galawa spezielle Ausrüstung?+
Nein, Standard-Warmwasser-Ausrüstung reicht aus: 3 mm Neopren, eine Signalboje mit Abrollspule für die Driftabschnitte und ein Tauchcomputer mit gut lesbarem Display für die steileren Passagen an Shaab Claudios Südseite. Kaltwasser-Equipment ist hier das ganze Jahr über nicht nötig.
