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St. Johns Reef: Tauchsafari in Ägyptens tiefen Süden
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Tauchspots 02. August 2026 Marc 9 Min. Lesezeit

St. Johns Reef: Tauchsafari in Ägyptens tiefen Süden

St. Johns Reef tauchen: unberührte Riffe, legendäres Höhlensystem Umm Kharara, kaum andere Boote. Nur per Liveaboard im tiefen Süden Ägyptens.

St. Johns Reef auf einen Blick

  • Lage: Rund 160 km südlich von Marsa Alam, nahe der sudanesischen Grenze
  • Zugang: Ausschließlich per Liveaboard (Deep South Route, 7–10 Tage)
  • Highlights: Umm Kharara Höhlensystem, makellose Riffwände, Napoleonfische, Haie
  • Tiefe: 5–40 m, je nach Spot
  • Sichtweite: 20–40 m — typisch für den unberührten Süden
  • Level: Ab Advanced Open Water empfohlen, Umm Kharara ab 30 Tauchgängen

Was ist das St. Johns Reef und warum lohnt die weite Reise?

Wenn Taucher von Ägypten sprechen, denken die meisten an Sharm el-Sheikh, Hurghada oder vielleicht noch an Marsa Alam. St. Johns Reef liegt nochmal rund 160 Kilometer südlich davon — kaum zwei Bootsbreiten von der Grenze zum Sudan entfernt. Hier hört das Massentauchen auf.

Ich war zum ersten Mal 2018 dort, auf einer Deep South Liveaboard-Route, die in Marsa Alam startete. Was mich am meisten überrascht hat: nicht ein einziges anderes Tauchboot am Riff. Kein Trubel, kein Schaulaufen, kein Stau am Einstieg. Nur das Riff, das türkise Wasser — und Korallen, die noch nie einen Taucheranker gesehen haben. St. Johns ist das, was das Rote Meer war, bevor der Massentourismus ankam.

Das Besondere an St. Johns ist seine Abgeschiedenheit in Kombination mit einer außergewöhnlichen Rifffläche. Das gesamte Riff-System umfasst mehrere Sha'ab (arabisch für Riff oder Untiefe), die zusammen ein zusammenhängendes Unterwassergebirge bilden. Einige Spots sind flache, bunte Korallengärten — andere sind tiefe Steilwände mit Hammerhai-Sichtungen. Das Herzstück ist das Höhlensystem von Umm Kharara.

Die besten Tauchplätze im St. Johns Reef

Umm Kharara: Das legendäre Höhlensystem

Umm Kharara ist der Grund, warum die meisten Taucher überhaupt nach St. Johns wollen. Das Höhlensystem besteht aus einem Netz miteinander verbundener Kammern und Durchgänge, die man von 15 bis auf 30 Meter Tiefe erkundet. Tageslicht fällt durch natürliche Öffnungen in die Höhlen und erzeugt Lichtspiele, die ich noch in keiner anderen Unterwasserhöhle weltweit gesehen habe — Sonnenstrahlen, die durch das kristallklare Wasser brechen und die weißen Korallenwände in ein unwirkliches Blau tauchen.

Wichtig: Umm Kharara ist kein Anfänger-Spot. Die Navigation durch die Höhlendurchgänge erfordert eine ruhige Tarierung und Erfahrung im Umgang mit engen Räumen. Mit mindestens 30 Tauchgängen und einem Advanced-Zertifikat bist du gut vorbereitet. Dein Divemaster brieft euch detailliert zur Route — haltet euch unbedingt daran. Taucherlampen sind Pflicht, auch wenn viele Bereiche natürlich beleuchtet sind.

Sha'ab Claudia: Riffwände in Postkartenqualität

Sha'ab Claudia ist der zugänglichste Spot im System und trotzdem atemberaubend. Die Außenwand des Riffs fällt steil bis auf über 50 Meter ab — ein sogenannter Drop-off, wie er im Bilderbuch steht. Entlang dieser Wand hängen Weichkorallenbüsche in Orange und Violett, zwischen denen Glasfische, Rotfeuerfische und immer wieder Napoleonfische auf dich zukommen.

Sha'ab Claudia eignet sich ideal für den ersten Tauchgang nach der langen Anreise per Schiff: Der Check-Dive hier gibt dir ein Gefühl für die Sichtweite (oft 30+ Meter), die aktuelle Strömungssituation und die Tiefe des Riffs. Mein persönlicher Favorit ist der Bereich rund um 15 bis 18 Meter, wo die Korallen am üppigsten sind und du fast garantiert einen Schwarm Adlerrochen siehst.

Sha'ab Maksur: Tintenfische, Riffhaie und riesige Barsche

Sha'ab Maksur liegt im geschützten Lagunenbereich des St.-Johns-Systems. Das Riff ist hier flacher (5–20 m) und vielfältiger belebt als die Außenwände. Riffhaie patrouillieren entspannt in der Strömung, Tintenfische schweben schwerelos über den Korallenzungen, und der ein oder andere Riesenbarsch beobachtet euch aus sicherer Entfernung — diese Tiere können bis zu 70 Kilogramm schwer werden und wirken trotzdem vollkommen unbeeindruckt von Tauchern.

Weil Sha'ab Maksur relativ geschützt liegt, ist er auch bei mäßigem Seegang gut zu betauchen — wichtig für jene Tage, an denen der Wind aus dem Nordosten dreht und die offenen Außenwände rauer werden.

The Aquarium und Eden Garden: Farbe pur in der Flachwasserzone

Zwei Spots, die ihren Namen zu Recht tragen: The Aquarium ist ein flaches Riffplateau zwischen zwei und zwölf Metern Tiefe, vollgestopft mit bunten Riffbewohnern. Doktorfische, Papageienfische, Schmetterlingsfische — alles, was das Rote Meer an Farbe zu bieten hat, auf einem relativ kleinen Raum. Ideal für Fotografie-Tauchgänge am Nachmittag, wenn das Licht durch das flache Wasser direkt auf die Korallen fällt.

Eden Garden direkt daneben ist minimal tiefer und besticht durch eine besonders hohe Korallendichte. Hier sieht man häufig Meeresschildkröten, die gemächlich zwischen den Korallenköpfen grasen. Da beide Spots gut geschützt liegen, eignen sie sich auch für den Nacht-Tauchgang — wenn die Spanische Tänzerin tanzt und die Muränen auf Jagd gehen.

The Soraya: Für erfahrene Strömungstaucher

The Soraya ist der anspruchsvollste Spot im System. Das exponierte Außenriff zieht starke Strömungen an — und mit ihnen die pelagischen Räuber. Wer Glück hat, sieht hier Hammerhaie in der Blauwasser-Zone oder riesige Thunfischschwärme, die wie silberne Torpedos durch das blaue Wasser schießen. Der Tauchgang verlangt solide Strömungserfahrung und ein gutes Briefing durch den Divemaster.

Eine Signalboje (SMB) ist an The Soraya Pflicht — bei den langen Drift-Dives entfernt sich die Gruppe leicht vom Boot, und das Aufsteigen mit SMB ist hier Standard. Wer noch keine SMB hat: Im Liveaboard-Guide für das Rote Meer erkläre ich genau, welches Equipment auf Safari unverzichtbar ist.

Anreise: Nur per Liveaboard zur Deep South Route

St. Johns Reef ist von keinem Landpunkt aus als Tagesausflug erreichbar. Die nächste Stadt ist Hamata, und selbst von dort wäre eine Fahrt per Schnellboot unrealistisch. Der einzige Weg führt über einen Liveaboard der Deep South Route — einer mehrtägigen Safari, die typischerweise in Marsa Alam oder Hamata startet.

Typische Routen umfassen sieben bis zehn Tage und kombinieren St. Johns mit den Fury Shoals (Sha'ab Sataya, bekannt für Delfine) und manchmal auch mit Elphinstone auf dem Rückweg. Ich empfehle die zehn-Tage-Variante: Du hast genug Zeit, die einzelnen Spots von St. Johns mehrfach zu tauchen und nicht nur die Highlights abzuhaken.

Preislich liegen Deep South Safaris für sieben Tage zwischen 1.200 und 1.800 Euro inklusive Vollpension, Tauchgänge und Nationalparkgebühren. Detaillierte Tipps zur Buchung und was auf einem Liveaboard-Boot wirklich auf dich zukommt, findest du im Vergleich aller Liveaboard-Routen im Roten Meer.

Ein Unterschied zu den nördlicheren Routen (Brothers, Daedalus): Die Deep South Route ist deutlich ruhiger auf dem Wasser. Das Rote Meer verengt sich nach Süden hin und liegt hinter Bergketten, die den Nordostwind brechen. Seekrankheit ist hier seltener ein Thema als auf den Brothers-Routen — ein Pluspunkt für empfindliche Mägen.

Beste Reisezeit für St. Johns Reef

St. Johns Reef ist dank seiner südlichen Lage und der stabilen Wetterbedingungen im Süden praktisch ganzjährig tauchbar. Die Wassertemperatur liegt zwischen 24 °C im Winter und 28–30 °C im Sommer. Im Gegensatz zu Spots weiter nördlich gibt es hier kaum eine Schlechtwetter-Saison.

Die Hochsaison läuft von Oktober bis April, wenn das Rote Meer bei kühlen Außentemperaturen am ruhigsten ist und die Sichtweiten durch den etwas abkühlenden Thermoklinen nochmals zulegen. Im Sommer (Juni bis August) ist die Hitze an Land intensiv (35–42 °C), die Wassertemperaturen sind herrlich, und der tiefe Süden bleibt vergleichsweise leer — viele Liveaboard-Gäste weichen in dieser Zeit auf die cooleren Nordrouten aus, was St. Johns noch einsamer macht.

Ausrüstung: Was du für St. Johns mitbringen solltest

Das Rote Meer im Süden ist Warmwasser in Reinform. Ein 3-mm-Ganzköper-Neoprenanzug reicht für alle Jahreszeiten — im Winter empfehle ich eine dünne Haube dazu, da in der Tiefe bei 24–25 °C nach dem fünften Tauchgang des Tages eine leichte Frische aufkommt. Wer besonders kältesensibel ist, nimmt einen 5-mm-Anzug für die Wintermonate mit.

Auf einem zehntägigen Liveaboard machst du leicht 30–40 Tauchgänge. Ein verlässlicher Tauchcomputer ist dabei unverzichtbar — nicht nur für die Tiefenüberwachung, sondern auch um deine Nullzeiten auf mehreren Tauchgängen täglich im Blick zu behalten. Der Cressi Leonardo ist meine erste Empfehlung für Einsteiger: übersichtlich, robust, und die Anzeige ist auch unter Wasser bei vollem Sonnenlicht gut lesbar.

Eine eigene Taucherlampe ist für die Umm-Kharara-Höhlen keine Option, sondern Pflicht. Auch für die Nacht-Tauchgänge in The Aquarium oder Eden Garden wirst du froh sein, dein eigenes Licht dabei zu haben. Im Guide zu den Brother Islands habe ich Licht-Empfehlungen für tiefe Sporttauchgänge zusammengestellt, die genauso für St. Johns gelten.

Häufige Fragen

Wie kommt man zum St. Johns Reef in Ägypten?+

St. Johns Reef ist ausschließlich per Liveaboard erreichbar — die sogenannte Deep South Route, die typischerweise in Marsa Alam oder Hamata startet. Tagesausflüge von Land aus sind nicht möglich, da das Riff rund 160 Kilometer südlich von Marsa Alam liegt. Typische Safaris dauern 7 bis 10 Tage und kosten zwischen 1.200 und 1.800 Euro inklusive Vollpension und Tauchgängen.

Welches Tauchlevel braucht man für St. Johns Reef?+

Für die meisten Spots im St.-Johns-System (Sha'ab Claudia, Sha'ab Maksur, The Aquarium) reicht ein Advanced Open Water Zertifikat. Das Highlight Umm Kharara — das Höhlensystem — erfordert mindestens 30 geloggte Tauchgänge, ein AOWD und Erfahrung mit engen Räumen. Für The Soraya sind zusätzlich solide Strömungskenntnisse wichtig.

Was kann man beim St. Johns Reef sehen?+

Das Highlight ist das Umm-Kharara-Höhlensystem mit beeindruckenden Lichtspielen. Dazu kommen makellose Korallenriffe, Napoleonfische, Riffhaie, Meeresschildkröten, Adlerrochen, Tintenfische und bei The Soraya gelegentlich Hammerhaie und Thunfischschwärme. Die Unterwasserwelt ist deutlich unberührter als in den nördlicheren Tauchgebieten.

Wann ist die beste Reisezeit für St. Johns Reef?+

Das St.-Johns-Reef ist ganzjährig tauchbar. Die Hochsaison für Liveaboards läuft von Oktober bis April mit ruhigerem Meer und exzellenten Sichtweiten. Im Sommer (Juni–August) ist es heißer, aber das Riff ist noch leerer als sonst — eine gute Wahl für alle, die echte Einsamkeit suchen.

Was unterscheidet St. Johns von den Brothers und Daedalus?+

Die Brother Islands und Daedalus Reef sind die Hochburgen für Hammerhai-Schulen und Longimanus-Begegnungen, sind aber deutlich frequentierter. St. Johns ist abgelegener, unberührter und durch das Höhlensystem von Umm Kharara einzigartig. Wer schon Brothers und Daedalus kennt und mehr Einsamkeit und Riffgesundheit sucht, findet in St. Johns die logische Steigerung.

Über den Autor

🤿

Marc

PADI Divemaster · Rotes Meer

Seit Jahren tauche ich im Roten Meer und kenne jeden Spot, jede Strömung. Mein Ziel: dir den perfekten Tauchurlaub zu ermöglichen.

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Meine Ausrüstung

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