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Tiran-Riffe: Tauchen im Tirankanal bei Sharm el-Sheikh
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Tauchspots 05. August 2026 Marc 8 Min. Lesezeit

Tiran-Riffe: Tauchen im Tirankanal bei Sharm el-Sheikh

Jackson, Woodhouse, Thomas und Gordon Reef: Die vier Tiran-Riffe sind Ägyptens beste Strömungstauchplätze. Haie, Strömung, Anreise — alles im Guide.

Auf einen Blick

  • Ort: Straße von Tiran, Sinai — 45–75 Min. per Boot ab Sharm el-Sheikh
  • Tiefe: 10–40 m (relevanter Bereich); Drop-offs bis 60+ m
  • Beste Reisezeit: Oktober–April (Hammerkopfhaie Mai–September am Jackson Drop-off)
  • Brevet: Thomas & Gordon: Open Water; Jackson Drop-off: AOWD empfohlen
  • Wassertemperatur: 24–28 °C ganzjährig; 3mm Neopren reicht

Was sind die Tiran-Riffe und warum lohnt sich der Tauchgang?

Die Tiran-Riffe — Jackson, Woodhouse, Thomas und Gordon Reef — sind vier Korallenriffe, die sich wie ein Gatter quer durch die Straße von Tiran erstrecken, den schmalen Durchlass zwischen der Sinai-Halbinsel und Saudi-Arabien. Sie liegen im Ras-Mohammed-Nationalpark und gelten unter Strömungstauchern weltweit als Pflichtprogramm. Das Prinzip: Die Gezeiten pumpen täglich enorme Wassermassen durch den Kanal — und mit ihnen Plankton, Nährstoffe und eine Tierwelt, die anderswo im Roten Meer so komprimiert nicht zu finden ist. Grauhaie und Hammerköpfe, Barrakuda-Schulen, Adlerrochen, Schildkröten und prächtige Weichkorallen — alles auf engstem Raum. Ab Sharm el-Sheikh sind die Riffe per Tagesboot in 45 bis 75 Minuten erreichbar; die meisten Anbieter fahren zwei Tauchgänge auf zwei verschiedenen Riffen an. Für ambitionierte Taucher ist eine Liveaboard-Nordroute, die alle vier Riffe abdeckt, die tiefgründigere Alternative.

Jackson Reef — der spektakulärste Drop-off im Tirankanal

Jackson Reef ist das nördlichste und bekannteste der vier Riffe — und für mich persönlich einer der aufregendsten Tauchplätze in ganz Ägypten. An der Nordspitze liegt das rostende Wrack der Loullia, eines Frachters, der 1981 auf dem Riff gestrandet ist. Das Wrack ist nicht zum Durchtauchen geeignet, aber es macht unmissverständlich klar, was an dieser Einfahrt wartet: eine der stärksten Strömungen des Roten Meeres.

Der Tauchgang selbst führt entlang des Drop-offs an der Westseite des Riffs, der senkrecht in über 60 Meter Tiefe abfällt. Der relevante Taucherbereich liegt zwischen 10 und 30 Metern — tiefer braucht und sollte man nicht. In diesem Fenster beobachte ich hier regelmäßig Grauhaie, die ganzjährig am Riff patrouillieren, und zwischen Mai und September ziehen am Drop-off die Hammerköpfe vorbei, oft in kleinen Gruppen von fünf bis fünfzehn Tieren — wie du Begegnungen planst, erklärt mein Hammerhai-Guide. Die Sichtweite liegt häufig bei 25 bis 35 Metern — im klaren blauen Wasser des Tirankanals ein atemberaubender Anblick.

Die Strömung am Jackson Drop-off kann 2 bis 3 Knoten erreichen, besonders bei auflaufendem Wasser. Advanced Open Water ist am Jackson Drop-off ausdrücklich empfohlen — nicht wegen der Tiefe, sondern wegen der Strömungsdynamik, die sehr gute Tarierung und Erfahrung mit Strömungstauchen voraussetzt. Für ruhige Haibeobachtungen am Drop-off nehme ich immer meinen Riffhaken mit — ohne ihn kämpft man gegen die Strömung statt Haie zu zählen.

Woodhouse Reef — Canyons und Barrakuda-Schulen

Woodhouse Reef liegt unmittelbar südlich von Jackson und ist in seiner Struktur das vielfältigste der vier Riffe. Statt eines einzigen senkrechten Drop-offs bietet Woodhouse ein Labyrinth aus Canyons und Riffsäulen, durch die man sich zwischen 25 und 40 Metern Tiefe hindurchschlängelt. Die Strömung ist hier moderater als am Jackson — nicht zahm, aber navigierbar, wenn man auf das Guide-Briefing hört und den Einstieg richtig wählt.

Was Woodhouse auszeichnet, sind die Barrakuda-Schulen, die sich oft in den oberen 15 Metern formieren — hunderte silberner Körper, die im Gegenlicht glitzern. Regelmäßig begegnen einem auch Adlerrochen, die elegant über den Riffsand gleiten, sowie gut getarnte Scorpionfische in den Spalten der Canyon-Wände. Die Korallen hier sind dichter und bunter als am Jackson — wer nicht nur auf Pelagiker aus ist, sondern auch Makrofotografie betreiben will, findet an Woodhouse mehr zu entdecken.

Thomas Reef — das bunteste Riff für alle Brevets

Thomas Reef ist das kleinste der vier Tiran-Riffe — und das zugänglichste. Die Strömung ist hier am moderatesten, die Tiefen beginnen flach und erlauben auch gut getauchten Open-Water-Brevets einen sicheren Einstieg. Das macht Thomas zum idealen Riff für Taucher, die zum ersten Mal im Tirankanal sind und die Dynamik des Strömungstauchens kennenlernen wollen, bevor sie an Jackson herangehen.

Was Thomas Reef von den anderen unterscheidet, ist die Farbe: Die lila Gorgonienfächer und üppigen Weichkorallen überziehen die Riffwände in einer Dichte, die ich an anderen Sharm-Spots selten sehe. Grüne Meeresschildkröten ruhen auf den Korallenbänken, Riffhaie ziehen entspannte Runden. Die Wassertemperatur beträgt 24 bis 28 °C ganzjährig — ein 3mm-Neoprenanzug reicht das ganze Jahr aus, im Winter allenfalls mit Haube. Die maximale Arbeitstiefe liegt meist bei 25 Metern — genug für alle wesentlichen Highlights.

Gordon Reef — Wrack, Drift und Delfine am Morgen

Gordon Reef ist das südlichste der Tiran-Riffe und das, das Tagestouren ab Sharm el-Sheikh am häufigsten als erstes oder letztes anlaufen — die Distanz zur Sharm-Marina ist am kürzesten. Auch Gordon hat sein eigenes Wrack: den Tanker Louilla (historisch auch als Loullia geführt), der 1981 auf der Südostecke des Riffs gestrandet ist. Das Wrack ist ein beliebter Orientierungspunkt, aber kein Wracktauchgang im klassischen Sinne.

Der schönste Tauchgang am Gordon Reef ist ein Drift-Dive entlang der Südwand: Man lässt sich von der Strömung treiben, beobachtet dabei Schildkröten, Riffhaie und — besonders früh morgens — gelegentliche Delfingruppen, die durch den Kanal ziehen. Die Korallen an der Südwand sind gut erhalten, die Sicht liegt oft bei 20 bis 30 Metern. Gordon ist kein extremes Riff, aber ein rundes: Es kombiniert Strömungsspaß, Tierwelt und etwas Wrackatmosphäre in einem einzigen Tauchgang.

Strömung, Sicherheit und Ausrüstung

Die Straße von Tiran ist kein Ort für Nachlässigkeit — aber auch kein Ort, der Taucher mit Erfahrung und gutem Briefing überfordert. Die Strömung entsteht durch Ebb und Flood: Zweimal täglich drücken die Gezeiten Wasser aus dem Golf von Aqaba in das Rote Meer und zurück. Im Kanal selbst können dabei 2 bis 3 Knoten entstehen, am Jackson Drop-off auch mehr. Der Guide wählt den Einstiegspunkt nach Strömungsrichtung; wer gegen den Guide anschwimmt, verliert.

Drei Ausrüstungsgegenstände sind an den Tiran-Riffen für mich nicht verhandelbar:

  • Riffhaken (vor allem Jackson): Hält dich in der Strömung auf Position, ohne das Riff zu beschädigen — unverzichtbar für entspannte Tierbeobachtung.
  • Signalboje (SMB): An der Oberfläche im Tirankanal kann das Zodiac dich ohne leuchtende Boje in der Dünung schlicht übersehen. Eine gut sichtbare Signalboje mit Abrollspule gehört an jeden Taucher — nicht nur an den Divemaster.
  • Nitrox: Mit 32 % Sauerstoff gewinnst du an Thomas oder Gordon Reef zehn bis fünfzehn Minuten Grundzeit — genug für einen zweiten Rundgang über das Riff.

Profi-Tipp von Marc

"Ich habe Jackson Reef über 40 Mal betaucht und jedes Mal war die Strömung anders. Das Wichtigste ist nicht die Fitness, sondern das Briefing: Frag den Guide vor dem Einstieg nach der aktuellen Flut- oder Ebbrichtung und nach dem Ausfahrtpunkt. Wer am falschen Ende auftaucht, treibt in den offenen Tirankanal. Mit dem richtigen Plan ist Jackson harmlos — ohne ist es gefährlich."

Anreise und Organisation ab Sharm el-Sheikh

Die Tiran-Riffe liegen 45 bis 75 Minuten per Schnellboot von der Sharm-el-Sheikh-Marina entfernt. Die meisten Sharm-Tauchbases bieten tägliche Tagestouren mit zwei Tauchgängen an, Preise liegen zwischen 55 und 80 Euro inklusive Equipment und Mittagessen. Ausrüstung an Bord ist gut, aber ich empfehle immer die eigene Maske und den eigenen Computer.

Wer alle vier Riffe gründlich erleben will, fährt am besten mit einem Liveaboard auf der Nordroute: fünf bis sieben Tage, Preis 700 bis 1.400 Euro je nach Schiff und Saison. Die Tiran-Riffe liegen im selben Nationalpark wie Ras Mohammed — der Ras-Mohammed-Nationalpark wird von vielen Tagestouren mit den Tiran-Riffen kombiniert. Wer überlegt, ob Sharm oder Hurghada der bessere Ausgangspunkt ist — der Vergleich Hurghada vs. Sharm zeigt klar, dass der Tirankanal von Hurghada aus nicht sinnvoll erreichbar ist.

Häufige Fragen

Wie stark ist die Strömung an den Tiran-Riffen?+

Die Strömung variiert stark zwischen den Riffen und nach Gezeitenphase. Am Jackson Reef kann sie 2 bis 3 Knoten erreichen. Thomas und Gordon Reef sind deutlich moderater. Entscheidend ist immer das Guide-Briefing vor dem Einstieg: Strömungsrichtung, Einstiegspunkt und Ausstieg müssen bekannt sein. Riffhaken am Jackson Drop-off sind Pflicht.

Kann ich mit dem Open Water Brevet an den Tiran-Riffen tauchen?+

Ja, für Thomas Reef und Gordon Reef ist ein Open Water Diver völlig ausreichend. Den Jackson Drop-off sollte man mit AOWD angehen — nicht wegen der Tiefe, sondern wegen der Strömungsdynamik, die sehr gute Tarierung und Erfahrung mit Strömungstauchen voraussetzt.

Gibt es Haie an den Tiran-Riffen?+

Ja. Am Jackson Reef patrouillieren Grauhaie ganzjährig; zwischen Mai und September sind Hammerköpfe am Drop-off fast regelmäßig zu sehen. Auch Riffhaie an Thomas und Gordon sind häufig. Begegnungen sind bei ruhigem Verhalten unter Wasser völlig ungefährlich.

Wann ist die beste Reisezeit für die Tiran-Riffe?+

Die Tiran-Riffe sind ganzjährig tauchbar. Für Hammerkopf-Begegnungen am Jackson Drop-off sind Mai bis September die besten Monate. Für ruhigeres Wetter und beste Sichtweiten empfehle ich Oktober bis April.

Wie lange dauert die Bootsfahrt von Sharm el-Sheikh zu den Tiran-Riffen?+

Gordon Reef ist in etwa 45 Minuten erreichbar, Jackson Reef in 70 bis 75 Minuten. Tagesboote legen morgens zwischen 8 und 9 Uhr ab und sind gegen 16 bis 17 Uhr zurück.

Über den Autor

🤿

Marc

PADI Divemaster · Rotes Meer

Seit Jahren tauche ich im Roten Meer und kenne jeden Spot, jede Strömung. Mein Ziel: dir den perfekten Tauchurlaub zu ermöglichen.

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