Tarierung verbessern: Mit diesen Tauchen-Übungen und Tipps erreichst du schwereloses Hovering im Roten Meer. Blei optimieren, Trim verbessern, jetzt lesen!
Auf einen Blick
- Gültig für: Rotes Meer, alle Spots von Sharm el-Sheikh bis Marsa Alam
- Neopren: 3mm (22–28°C Wassertemperatur) – beeinflusst Bleigewicht entscheidend
- Kerntechnik: Atemtarierung, minimale Bleimenge, horizontaler Trim
- Beste Übungstiefe: 4–8m – Flachwasser-Hovering als Basis
- Ziel: 30% weniger Luftverbrauch, null Korallenkontakt
Wie verbessere ich meine Tarierung beim Tauchen?
Perfekte Tarierung entsteht aus drei Säulen: Atemkontrolle als primärer Stellhebel, der richtigen – fast immer zu hohen – Bleimenge und einer horizontalen Trimmposition. Wer diese drei Punkte systematisch optimiert, schafft schwereloses Hovering in wenigen Tauchtagen. Das Rote Meer ist dafür ideal: kristallklares Wasser mit 20–40 Metern Sicht, kein Kaltwasser-Trockenanzug und Warmwasserbedingungen bei 22–28°C, die mit nur 3mm Neopren auskommen – das vereinfacht die Bleirechnung erheblich.
Ich habe in über 2.000 Tauchgängen im Roten Meer eines gelernt: Schlechte Tarierung ist nie Talent – es ist fast immer zu viel Blei, falsche Atemtechnik oder zu viel Luft im Jacket. Mit den richtigen Übungen löst sich das innerhalb einer Woche auf.
Atemtarierung – der mächtigste Hebel
Die meisten Taucher unterschätzen, wie viel Auftriebskontrolle allein durch die Lunge möglich ist. Ein langsames, tiefes Einatmen hebt deinen Körper um 20–30 Zentimeter – spürbar und steuerbar. Ein vollständiges, gleichmäßiges Ausatmen senkt dich um denselben Betrag. Die Lunge ist damit dein feinster und schnellster Auftriebsregler. Das BCD hingegen ist für grobe Korrekturen beim Tiefenwechsel gedacht – nicht für das ständige Feintuning während des Tauchgangs.
Ein Fehler, den ich bei fast jedem Einsteiger sehe: Sie pumpen bei jeder kleinen Tiefenänderung sofort Luft ins Jacket. Das erzeugt eine Jojo-Bewegung, die schwer zu kontrollieren ist. Wer erst die Atmung einsetzt und das BCD nur für Tiefenwechsel von mehr als zwei Metern nutzt, wird sofort stabiler.
Übung im Flachwasser: Schwebend atmen
Diese Grundübung mache ich mit jedem Taucher, den ich als Divemaster betreue, bevor es zur Korallenformation geht. Ablauf:
- Stelle die Tarierung in 5m Tiefe so ein, dass du mit halb gefüllter Lunge auf einer Stelle hängst – weder steigst noch sinkst.
- Atme dann langsam tiefer ein und beobachte, wie du steigst. Ausatmen: du sinkst.
- Ziel: mindestens drei vollständige Atemzüge halten, ohne das BCD anzufassen, ohne auf den Boden zu sinken.
- Steigerung: Augen schließen und nur nach Körpergefühl steuern.
Wer diese Übung beherrscht, spart automatisch Luft – ruhige, kontrollierte Atmung verbraucht weniger als gehetztes Pumpen. In meiner Erfahrung verbessern Taucher damit ihren Luftverbrauch in einer Woche um 20–30%.
Die richtige Bleimenge – weniger ist mehr
Zu viel Blei ist der häufigste Tarierungsfehler. Wer zu schwer ist, muss dauerhaft Luft ins Jacket pumpen, um nicht zu sinken. Das Jacket ist halb gefüllt, du bist trotzdem unruhig, und jede Tiefenänderung wird zum Kraftakt. Mit dem richtigen Bleigurt – ich benutze einen Bleigurt mit Schnellverschluss – lässt sich das Gewicht schnell und einfach anpassen.
Für das Rote Meer mit 3mm Neopren gilt als grober Richtwert: rund 4–6% des Körpergewichts als Blei. Ein 80 Kilo schwerer Taucher kommt damit auf 3,2–4,8 Kilogramm. Mit einem Shorty oder im Badeanzug brauchst du noch deutlich weniger. Aber diese Zahl ist nur ein Ausgangspunkt – der individuelle Bleitest ist Pflicht.
Der Bleitest am Sicherheitsstopp
Der klassische Bleitest läuft in 5 Metern Tiefe – der üblichen Sicherheitsstopp-Tiefe. Und zwar nicht am Anfang des Tauchgangs, sondern am Ende, wenn die Flasche fast leer ist. Denn eine leere Flasche wiegt weniger als eine volle – das verändert den Auftrieb um etwa 1–2 Kilogramm je nach Flaschengröße. So geht es:
- Leere Lunge, leeres Jacket, fast leere Flasche: Du solltest langsam aber merklich sinken – wenn das der Fall ist, stimmt dein Blei.
- Leeres Jacket, normale Atmung: Du solltest auf 5 Metern schweben können, ohne zu sinken.
- Wenn du mit leerem Jacket auftreibst: du hast zu viel Blei. 0,5 kg weniger beim nächsten Tauchgang testen.
- Wenn du mit vollem Jacket trotzdem langsam sinkst: zu wenig Blei – aber das ist der deutlich seltenere Fall.
Ich mache diesen Test nach jeder Ausrüstungsänderung neu – neuer Neopren, neue Flaschengröße (8l vs. 12l), neues Jacket. Die Bedingungen ändern sich, das Blei muss angepasst werden.
Trimmgewichte verteilen statt nur Bleigurt
Ein Bleigurt um die Hüfte zieht die Mitte des Körpers nach unten und fördert eine schräge, fußlastige Position. Wer das kennt – Oberkörper oben, Beine unten, Fußflossen strampeln gegen den Auftrieb – der kämpft gegen eine schlechte Bleiverteilung, nicht gegen schlechte Tarierung. Die Lösung: Trimmgewichte auf mehrere Positionen verteilen.
Moderne Jackets haben dafür spezielle Taschen. Cressi Flat Lock Bleitaschen lassen sich zum Beispiel flexibel in die Schulterstreben oder hinteren Jackettaschen einsetzen und bringen das Gewicht dorthin, wo es den Trim verbessert – nahe am Schultergürtel, gleichmäßig verteilt. Ich empfehle: Nicht mehr als 60–70% des Bleis auf dem Hüftgurt. Der Rest geht in die Jacket-Taschen, verteilt auf Vorder- und Rückseite.
Profi-Tipp von Marc
"Ich sehe auf jeder Basis Taucher, die 8, 9 oder sogar 10 Kilo Blei tragen und sich dann wundern, warum ihre Tarierung so instabil ist. Wenn dein Jacket beim Abtauchen schon auf 'halb voll' steht, ist das ein sicheres Zeichen: zu viel Blei. Geh einen halben Kilo runter, mach den Bleitest neu – du wirst staunen, wie ruhig du plötzlich im Wasser hängst."
Trimmposition – horizontal schweben
Tarierung ist nicht nur Auftrieb – es ist auch die Körperposition im Wasser. Ein Taucher, der leicht aufgerichtet im Wasser hängt, erzeugt mehr Stirnwiderstand, kämpft ständig mit den Flossen und stört mit den Fußspitzen den Sandboden oder schlimmer noch die Korallen. Die Horizontallage dagegen ist hydrodynamisch optimal: maximale Gleitleistung, minimaler Kraftaufwand.
Warum Horizontallage Sauerstoff und Korallen spart
Ein horizontal schwimmender Taucher benötigt rund 30% weniger Flossenschläge für dieselbe Strecke – das entspricht direkt weniger Atemzügen, weniger Luftverbrauch und längeren Tauchgängen. Ich merke das selbst nach jeder längeren Pause: Die ersten ein, zwei Tauchgänge kostet es etwas Konzentration, den Rücken gerade und die Beine auf Schulterniveau zu halten. Ab dem dritten Tauchgang ist es wieder automatisch.
Der zweite Gewinn ist der Riffschutz. An den Riffen des Roten Meeres – ob am Ras Mohammed, am Elphinstone oder den kleinen Hausriffen vor Hurghada – zerstören aufgerichtete Taucher mit ihren Flossen pro Tauchgang mehr Korallen als eine ganze Gruppe horizontal schwimmender Taucher in einer Woche. Die Korallenriff-Schutzregeln fangen beim Trim an.
BCD-Wahl beeinflusst deinen Trim
Das Jacket hat mehr Einfluss auf die Trimmposition als die meisten Taucher ahnen. Ein Back-Inflation-BCD – bei dem der Auftrieb ausschließlich hinten sitzt – drückt den Oberkörper nach oben und die Beine nach unten, wenn man nicht aktiv gegensteuert. Ein Jacket-BCD (Auftrieb vorne und seitlich) verteilt die Kraft gleichmäßiger und erleichtert die Horizontallage, besonders für Einsteiger.
Wer viel reist und Gewicht sparen will, schaut sich ein leichtes Reise-BCD an. Ich tauche beim Guiden häufig mit dem Cressi Ultralight Travel BCD – das Jacket wiegt nur knapp über ein Kilogramm, passt in jeden Trolley und verteilt den Auftrieb dennoch so ausgewogen, dass die Horizontallage deutlich einfacher zu halten ist als mit manchen schweren Reisebackpackern. Das Gewicht des Jackets selbst beeinflusst nämlich auch den Trim: Schwere Jackets ziehen den Oberkörper nach unten und fördern eine aufgerichtete Position.
Vier Übungen für perfektes Hovering
Diese vier Übungen bauen aufeinander auf. Ich empfehle, jede davon mindestens zehn Minuten zu üben, bevor die nächste dazukommt – am besten in 4–8 Metern Wassertiefe an einem ruhigen Spot mit Sandboden.
- 1. Statisches Hovering: BCD auf neutrale Tarierung einstellen, dann zwei Minuten regungslos an einer Stelle schweben – nur durch Atmung. Hände verschränkt auf dem Rücken, keine Flossenbewegung.
- 2. Langsame Vertikalbewegung: Nur durch Atemtiefe langsam von 5m auf 7m sinken und wieder auf 5m steigen. Kein BCD, keine Flossen. Zeigt dir, wie viel Auftrieb die Lunge wirklich liefert.
- 3. Horizontale Trim-Kontrolle: Auf dem Bauch liegend, Arme an den Körper, Flossen ruhig – eine Minute bewegt geradeaus gleiten. Wer die Flossen nach oben dreht statt waagerecht, steuert aktiv den Trim.
- 4. SMB setzen auf Tarierung: Eine Signalboje aus der Tasche holen, aufpusten und steigen lassen – dabei in 5m Tiefe bleiben. Wer dabei nicht pendelt, hat seine Tarierung wirklich im Griff. Das ist auch die Vorbereitung auf echte Drift-Tauchgänge, bei denen das SMB-Setzen ohne Boden-Kontakt lebensnotwendig ist – mehr dazu in meinen Druckausgleich-Techniken.
Alle vier Übungen lassen sich mit einem Guide oder Buddy auf jedem Hausriff in Ägypten in einer halben Stunde durchgehen. Ich baue sie regelmäßig in die erste Eintauchphase ein – das ist keine Übungsbasis-Pflichtübung, sondern ein echter Trainingseffekt, den man sofort im Tauchgang danach spürt.
Perfekte Tarierung = aktiver Riffschutz
Wer schwebelos durch das Rote Meer gleitet, schützt aktiv das Riff. Kein versehentlicher Flossenschlag gegen eine Gorgonie, kein Aufwirbeln des Sediments über den Korallenpilzen am Ras Mohammed, kein Abdriften auf das Weichkorallenfeld am Elphinstone. Das Riff des Roten Meeres ist eines der artenreichsten weltweit – und es steht unter Druck durch Klimawandel, Massentourismus und Ankerprobleme. Was du als einzelner Taucher tun kannst, ist: schwebend zu tauchen.
Die Korallenriff-Schutzregeln für Taucher listen alles auf, was über die Tarierung hinausgeht: Handschuhe, Sonnencreme, Verankerung, Riffstäbe. Aber Punkt eins auf jeder ernst gemeinten Schutzliste ist und bleibt: Tarierung meistern.
In Ägypten ist das kein abstrakter Appell. Tauchbasen in Marsa Alam und an den Roten-Meer-Nationalparks schicken Gruppen mit erkennbar schlechter Tarierung inzwischen auf Pflicht-Refresher. Das ist richtig so. Wer seine Tarierung ernst nimmt, taucht besser, länger und schont dabei das Riff.
Häufige Fragen
Wie viel Blei brauche ich im Roten Meer mit 3mm Neopren?+
Als grober Richtwert gilt für das Rote Meer mit 3mm Neopren etwa 4–6% des Körpergewichts. Ein 75 Kilo schwerer Taucher kommt damit auf rund 3–4,5 Kilogramm. Entscheidend ist aber immer der individuelle Bleitest am Ende des Tauchgangs: In 5 Metern Tiefe, leeres Jacket, fast leere Flasche – du solltest leicht sinken. Zu viel Blei ist der häufigste Tarierungsfehler überhaupt.
Was ist Atemtarierung und wie übt man sie?+
Atemtarierung bedeutet, den Auftrieb primär durch die Atemtiefe zu steuern statt durch das BCD. Tiefes, langsames Einatmen hebt den Körper um 20–30 cm, vollständiges Ausatmen senkt ihn um denselben Betrag. Üben: In 5m Tiefe neutral tarieren, dann zwei Minuten nur durch Atemtiefe ohne BCD-Eingriff auf Tiefe halten. Nach wenigen Tauchgängen wird das automatisch.
Warum beeinflusst das BCD die Trimmposition?+
Die Position des Auftriebs im Jacket bestimmt, wie der Körper im Wasser hängt. Ein Back-Inflation-Jacket drückt den Oberkörper nach oben und die Beine nach unten. Ein ausgewogenes Jacket-BCD (Auftrieb vorne und seitlich) erleichtert die Horizontallage. Zusätzlich zieht ein schweres Jacket den Oberkörper nach unten. Leichte Reisejackets wie das Cressi Ultralight fördern durch ihre ausgewogene Auftriebsverteilung den horizontalen Trim.
Wie lange dauert es, bis man die Tarierung wirklich beherrscht?+
Mit gezieltem Üben – besonders statischem Hovering in Flachwasser und dem korrekten Bleitest – spüren die meisten Taucher nach 3–5 Tauchgängen eine deutliche Verbesserung. Eine Woche in Ägypten mit 3–4 Tauchgängen täglich reicht, um eine stabile Grundtarierung zu entwickeln. Voraussetzung: richtige Bleimenge, Atemkontrolle und ein bewusstes Üben der Übungen aus diesem Guide.
Warum ist horizontales Schweben wichtig für den Luftverbrauch?+
Ein horizontal schwimmender Taucher hat deutlich weniger Stirnwiderstand als ein aufgerichtet hängender. Das reduziert den nötigen Flosseneinsatz um rund 30% – und damit direkt den Atemaufwand. Weniger Muskelarbeit bedeutet weniger CO₂-Produktion, ruhigere Atmung und spürbar längere Tauchgänge. Dazu kommt der Riffschutz: Beine auf Schulterniveau schlagen keine Korallen.
