Trinkgeld beim Tauchen in Ägypten: Wie viel für Guide, Zodiac-Fahrer und Koch auf Tauchboot und Liveaboard üblich ist, mit Praxis-Tipps von Marc.
Auf einen Blick
- Tagesboot: ca. 5–10 € pro Tag und Gast
- Liveaboard-Safari: ca. 60–100 € pro Woche und Gast
- Übergabe: gesammelt am letzten Abend, in bar
Wie viel Trinkgeld ist auf dem Tauchboot in Ägypten üblich?
Auf einem Tagesboot in Hurghada, El Gouna oder Marsa Alam sind 5 bis 10 Euro pro Tag und Gast für die gesamte Crew üblich, für Guide, Zodiac-Fahrer und Boy zusammen. Auf einer Liveaboard-Safari über 6 bis 7 Tage rechnest du mit 60 bis 100 Euro pro Woche und Gast, die am letzten Abend gesammelt übergeben werden. Das liegt bewusst über dem Tagesboot-Satz, denn die Liveaboard-Crew leistet eine Woche durchgehend Vollpension, Kabinenservice und Betreuung mit einer größeren Mannschaft. Wer besonders zufrieden war, rundet nach oben auf. Nach unten solltest du bei diesen Richtwerten nicht gehen.
Ich bekomme diese Frage fast bei jedem zweiten Briefing gestellt, meistens kurz bevor das Boot ablegt und alle noch schnell am Geldautomaten in Hurghada waren. Zu Recht. Anders als in Deutschland ist Trinkgeld hier keine Höflichkeitsgeste, sondern ein fester Bestandteil des Einkommens der Crew.
Warum Trinkgeld in Ägypten so wichtig ist
Die meisten Crews auf ägyptischen Tauchbooten (vom Guide bis zum Boy, der an Deck die Flaschen schleppt) stammen aus einfachen Verhältnissen, viele sind Beduinen aus der Region um Marsa Alam oder El Quseir. Das Grundgehalt ist in der Regel niedrig kalkuliert, weil die Tauchbasen davon ausgehen, dass Gäste aus Europa, den USA und Russland Trinkgeld als Teil des Gesamtpreises mit einplanen. Ein Guide, der dich sechs Tage lang sicher durchs Brother-Riff führt, verdient mit seinem Grundgehalt oft weniger, als du für ein Abendessen zu Hause ausgibst.
Dazu kommen die Lebenshaltungskosten: Wer in Hurghada oder Marsa Alam eine Familie versorgt, zahlt für importierte Güter und Transport oft nicht weniger als wir, verdient aber in Landeswährung. Das Trinkgeld, das du am Ende der Woche gibst, macht für die Crew häufig den Unterschied zwischen einem mageren und einem auskömmlichen Monat.
Wer bekommt was: Guide, Zodiac-Fahrer, Boy und Koch getrennt oder gemeinsam?
Die klare Regel: Ein Umschlag für die gesamte Crew, keine Einzelverteilung durch die Gäste. Auf fast jedem Boot gibt es einen "Tip Pool", den der Kapitän oder der Cruise Director am Ende selbst nach einem internen Schlüssel aufteilt. Guide und Zodiac-Fahrer bekommen meist etwas mehr als Boy und Zimmermädchen, der Koch wird separat bedacht, weil er oft nicht im Wasser war. Willst du einem einzelnen Guide zusätzlich etwas zustecken, weil er dich besonders gut betreut hat, ist das in Ordnung, aber nur als Ergänzung zum Gruppenumschlag, nicht als Ersatz.
Trinkgeld auf dem Tagesboot (Hurghada, El Gouna, Marsa Alam)
Bei Tagesausfahrten mit zwei Tauchgängen ist die Sache einfacher als bei der Safari, weil du oft jeden Tag eine neue Crew hast. Hier gilt: 5 bis 10 Euro pro Tag und Gast, direkt am Ende des Tages übergeben, wenn ihr wieder im Hafen anlegt. Bei einer Gruppe aus vier Leuten sind das also 20 bis 40 Euro für die komplette Crew an Bord, für Guide, Bootsmann und Boy zusammen.
Übliche Beträge und Bargeld vs. Umschlag
Auf dem Tagesboot reicht ein einfacher Griff in die Tasche, einen Umschlag braucht es hier nicht zwingend. Wichtig ist nur, dass das Geld sichtbar und direkt an den Guide oder Kapitän geht, nicht achtlos auf der Bank liegen gelassen wird. Ich packe mein Bargeld für solche Tage grundsätzlich in eine kleine wasserdichte Dry Bag mit 1,5 bis 20 Liter Fassungsvermögen, denn auf der Zodiac-Überfahrt zum Riff spritzt es garantiert, und nasse Geldscheine will niemand als Trinkgeld annehmen. Für 15 bis 20 Euro bekommst du ein PVC-Modell mit Schultergurt, das Pass, Bargeld und Handy zuverlässig trocken hält.
Trinkgeld auf der Liveaboard-Safari (Brothers, Daedalus, St. Johns)
Bei einer mehrtägigen Safari zu den Brother Islands, nach Daedalus oder in die St.-Johns-Riffe läuft es anders als beim Tagesausflug: Hier bleibt die Crew die ganze Woche dieselbe, und das Trinkgeld wird traditionell am letzten Abend vor der Rückfahrt in den Hafen übergeben, meist nach dem Abschiedsessen. Für eine klassische 7-Tage-Safari rechne ich pro Gast mit 60 bis 100 Euro. Bei außergewöhnlichem Service, etwa wenn die Crew bei einer Begegnung mit Weißspitzen-Hochseehaien (Oceanic Whitetips) am Südplateau von Little Brother für Ruhe und sichere Distanz gesorgt hat, darf es auch mehr sein.
Wenn du zum ersten Mal auf Safari gehst, lohnt sich vorab ein Blick in meinen Artikel zu den wichtigsten Tipps für die erste Tauchsafari. Dort gehe ich auch auf Kabinenwahl und Tagesablauf ein, was direkt mit der Frage zusammenhängt, wie viel Kontakt du überhaupt zur Crew hast und wofür das Trinkgeld am Ende steht.
Sammelumschlag am letzten Abend, EGP vs. EUR/USD, wie man das Geld organisiert bekommt
Die gängigste Praxis: Der Cruise Director stellt am ersten oder zweiten Tag einen Sammelumschlag mit Namensliste ins Office, jeder Gast wirft seinen Beitrag im Lauf der Woche ein, am letzten Abend wird übergeben und meist von der Crew noch einmal kurz vorgestellt. Nimm das Bargeld am besten schon von zu Hause oder spätestens am Flughafen in Hurghada mit. Auf hoher See gibt es keinen Geldautomaten. Die Bordkasse wechselt zudem selten zu fairen Kursen.
Euro und US-Dollar werden auf jedem Boot anstandslos angenommen, ägyptische Pfund (EGP) sind für die Crew ebenfalls willkommen, weil sie das Geld ohnehin vor Ort ausgeben. Vermeide große Scheine mit Beschädigungen oder Stempeln. Ägyptische Wechselstuben und teils auch Crews nehmen solche Scheine nur ungern an. Für die Reise selbst organisiere ich mein Bargeld für Trinkgeld, Visagebühr und kleine Extras in einem Set aus Packing Cubes im 8er-Set. Ein kleines Fach bleibt dabei ausschließlich für den Trinkgeld-Umschlag reserviert, getrennt von der übrigen Reisekasse, damit am letzten Abend nichts durcheinandergerät.
Mehr zur Organisation einer ganzen Woche an Bord, von der Tauchplanung bis zur Wäsche, findest du in meinem Beitrag zu Liveaboard-Tipps fürs Rote Meer.
Praktische Knigge-Regeln: wann, wie und in welcher Währung du übergibst
Ein paar Regeln, die sich bei mir über Jahre bewährt haben: Übergib das Trinkgeld immer am letzten Abend, nie schon zu Beginn der Woche. Sonst fehlt der Anreiz für guten Service bis zum Schluss, auch wenn ich bisher keine Crew erlebt habe, die deshalb schlechter gearbeitet hätte. Runde innerhalb der Gruppe ab, damit der Sammelumschlag eine runde Summe ergibt, das erleichtert die Aufteilung durch den Kapitän. Sprich als Gruppe kurz ab, wer den Umschlag organisiert und übergibt, damit es nicht zu doppelten oder fehlenden Beiträgen kommt.
Gib das Geld direkt an den Kapitän oder Cruise Director, nicht einzeln an jedes Crewmitglied verteilt. So stellst du sicher, dass auch die Küche und das Reinigungspersonal, die du als Gast kaum zu Gesicht bekommst, ihren Anteil erhalten. Ein kurzes persönliches Dankeschön an deinen Guide, mit dem du die Woche über getaucht bist, kommt immer gut an und kostet nichts außer zwei Minuten Zeit.
Häufige Fehler vermeiden
Am häufigsten sehe ich schlicht zu wenig Trinkgeld, oft weil Gäste Richtwerte aus Kaltwasser-Destinationen übertragen, wo Trinkgeld gar nicht zum Lohnmodell gehört. Genauso ärgerlich ist die falsche Währung: Ägyptische Pfund in sehr kleiner Stückelung sind für die Crew mühsam zu wechseln, stark zerknitterte oder beschriebene Scheine ebenso. Und dann ist da noch der Zeitpunkt: Wer das Trinkgeld schon zu Beginn der Woche übergibt, verschenkt seine Verhandlungsposition unnötig, so läuft es in der Praxis einfach nicht.
Und ein Fehler, der mir selbst in den ersten Jahren passiert ist: Ich habe das Trinkgeld lose im Rucksack transportiert und musste am letzten Abend erst mühsam zusammensuchen, was ich eigentlich für wen eingeplant hatte. Seitdem lege ich den Betrag schon am ersten Tag in einem eigenen Fach beiseite. Klingt banal, hilft aber. Das spart Stress genau an dem Abend, an dem du dich eigentlich entspannt von der Crew verabschieden willst.
Profi-Tipp von Marc
"Ich habe über 2.000 Tauchgänge im Roten Meer gemacht, viele davon auf Safarischiffen zu den Brothers und nach Daedalus. Am meisten beeindruckt haben mich nicht die Crews mit dem größten Boot, sondern die mit mäßigem Grundgehalt, die trotz allem jeden Tag mit vollem Einsatz dabei waren. Ein fair kalkuliertes Trinkgeld ist für mich inzwischen so selbstverständlich wie der Tauchcomputer am Handgelenk."
Häufige Fragen
Muss ich auf ägyptischen Tauchbooten überhaupt Trinkgeld geben?+
Ja, Trinkgeld gilt in Ägypten als fester, erwarteter Bestandteil des Gesamtpreises, nicht als freiwillige Zugabe. Das Grundgehalt der Crews ist bewusst niedrig kalkuliert, weil Trinkgeld einen wesentlichen Teil des Einkommens ausmacht. Richtwerte: 5–10 € pro Tag auf dem Tagesboot, 60–100 € pro Woche auf der Liveaboard-Safari.
In welcher Währung sollte ich Trinkgeld geben: Euro, Dollar oder ägyptisches Pfund?+
Euro und US-Dollar werden von jeder Crew problemlos angenommen, da sie einen stabilen Wert behalten. Ägyptische Pfund sind ebenfalls willkommen, weil die Crew das Geld direkt vor Ort ausgibt. Wichtig ist nur: saubere, unbeschädigte Scheine ohne Stempel, keine stark zerknitterten Banknoten.
Wie viel Trinkgeld für eine 7-tägige Liveaboard-Safari ist angemessen?+
Für eine klassische 7-Tage-Safari zu Spots wie den Brother Islands oder Daedalus sind 60 bis 100 Euro pro Gast üblich, gesammelt im letzten Umschlag am Abschlussabend. Bei außergewöhnlichem Service, etwa bei anspruchsvollen Strömungstauchgängen, darf es auch darüber liegen.
Gebe ich dem Guide und der Crew getrenntes Trinkgeld?+
Die übliche und empfohlene Praxis ist ein gemeinsamer Sammelumschlag für die gesamte Crew, den der Kapitän oder Cruise Director intern aufteilt. Nur wenn ein einzelner Guide dich besonders gut betreut hat, kannst du ihm zusätzlich persönlich etwas zustecken, als Ergänzung und nicht als Ersatz für den Gruppenumschlag.
Ist Trinkgeld im Safaripreis schon enthalten?+
Nein, in nahezu allen Fällen ist Trinkgeld nicht im gebuchten Safaripreis enthalten und wird separat vor Ort in bar übergeben. Frage im Zweifel direkt bei der Buchung oder beim Briefing an Bord nach, ob eine Ausnahme gilt. Das ist bei seriösen Anbietern selten, aber möglich.
