Jackson Reef tauchen in der Straße von Tiran: Strömung, Tiefe, Hammerhai-Chancen und Sicherheitstipps für deinen Drift-Tauchgang.
Auf einen Blick
- Ort: Nördlichstes der vier Tiran-Riffe, Straße von Tiran, Sinai (60–90 Min. Boot ab Sharm el-Sheikh)
- Tiefe: Riffdach 5–10 m, Hauptwand 10–30 m, darunter weiter ins Blaue
- Beste Reisezeit: ganzjährig, Hammerhai-Chancen am höchsten April bis Juni
Jackson Reef in 3 Sätzen
Jackson Reef ist das nördlichste der vier Tiran-Riffe und gilt als einer der anspruchsvollsten, aber auch spektakulärsten Tauchplätze im Roten Meer. Eine fast senkrechte Korallenwand fällt vom Riffdach auf über 60 Meter ab, dazu kommt oft kräftige, wechselhafte Strömung durch die Gezeiten in der Meerenge zwischen Sinai und Saudi-Arabien. Belohnt wirst du mit dichtem Weichkorallenbewuchs und Barrakuda-Schwärmen. Vor allem im Frühjahr kommt noch die Chance auf Hammerhai-Schulen an der Nordspitze dazu.
Ich tauche die Tiran-Riffe seit Jahren regelmäßig, und Jackson Reef ist für mich der Spot, an dem ich nie auf Autopilot schalte. Das Riff verlangt Respekt. Wer vorbereitet einsteigt, bekommt aber einen der dichtesten Tauchgänge, die das Rote Meer zu bieten hat.
Lage, Anreise und die Lara/Lorna am Riffdach
Jackson Reef liegt am nördlichen Ende der Straße von Tiran, zusammen mit Woodhouse, Thomas und Gordon Reef eines der vier namensgebenden Riffe dieser engen Passage zwischen Sinai-Halbinsel und saudi-arabischer Küste. Von Sharm el-Sheikh aus dauert die Bootsfahrt je nach Basis und Seebedingungen 60 bis 90 Minuten. Die anderen drei Tiran-Riffe lassen sich an einem Tagesausflug gut kombinieren, wenn die Tauchbasis das anbietet.
Schon von Weitem erkennst du Jackson Reef an einem auffälligen Wrackrest auf dem Riffdach: der Lara (häufig auch als Lorna bezeichnet), die 1981 bei schlechter Navigation auf das Riff auflief. Der stark korallenüberwachsene Rumpf liegt in wenigen Metern Tiefe und ist ein guter Orientierungspunkt beim Briefing. Zugleich ist er eine Mahnung, wie tückisch die Strömungen und die schlecht markierten Riffkanten in dieser Meerenge sein können.
Die Korallenwand: Topographie und Tauchprofil
Das Riffdach liegt bei 5 bis 10 Metern und ist von dichten Hart- und Weichkorallen bedeckt. Von dort kippt die Wand nahezu senkrecht ab und fällt auf über 60 Meter. Das ist ein echter Drop-off, wie man ihn sonst selten so kompromisslos im Roten Meer findet. Für Sportgewässertaucher ist der Bereich zwischen 10 und 30 Metern das Hauptrevier: Hier ziehst du entlang der Wand, vorbei an Gorgonienfächern, Schwarzkorallen-Bäumen und Überhängen, in denen sich Napoleon-Lippfische gerne aufhalten.
Die strömungsexponierteste Stelle ist die Nordspitze des Riffs. Dort trifft die Wand am direktesten auf die durch die Meerenge gepresste Gezeitenströmung, und genau dort ist auch die Wahrscheinlichkeit für Hammerhai-Sichtungen am höchsten. Weiter südlich, Richtung Innenseite der Tiran-Passage, wird das Profil ruhiger und du kannst die letzten Minuten des Tauchgangs entspannter ausklingen lassen.
Strömung und Drifttauchen: Sicherheitsregeln
Jackson Reef ist ein klassischer Drift-Tauchgang: Du springst mit der Strömung ins Wasser, lässt dich entlang der Wand treiben und wirst am Ende vom Boot wieder aufgenommen. Ein Fixpunkt-Tauchgang mit Rückkehr zum Ankerplatz ist hier die Ausnahme, nicht die Regel. Die Gezeitenströmung durch die Straße von Tiran kann innerhalb von Minuten drehen oder deutlich zulegen, deshalb bespricht jede gute Tauchbasis Einstiegspunkt, Ausstiegsrichtung und Notfallprozedur vor jedem Tauchgang neu. Wer noch unsicher im Umgang mit Strömung ist, sollte vorher unbedingt unseren Grundlagen-Guide zum Strömungstauchen im Roten Meer lesen.
Eine funktionierende Signalboje ist an Jackson Reef keine Option, sondern Pflicht. Wenn dich die Strömung vom Boot wegtreibt, ist die SMB oft der einzige Weg, wie die Crew dich an der Oberfläche findet. Ich benutze seit Jahren eine 210D-Nylon-Signalboje mit Abrollspule, komplett mit Fingerspule und Doppelhaken. Preislich bewegt sich so ein Set meist zwischen 15 und 25 Euro, wichtig ist nur: lieber eine kräftige Signalfarbe (orange oder gelb) und eine Spule mit mindestens 20 Metern Leine, damit du sie auch aus 15–20 Metern Tiefe sauber aufschießen lassen kannst, ohne dass das Boot sie übersieht.
Zusätzlich gilt an Jackson Reef: immer in der Gruppe bleiben, den Guide nicht aus den Augen lassen und auf keinen Fall versuchen, gegen die Strömung zur Wand zurückzuschwimmen, weil das nur unnötig Luft kostet und dich aus dem Zeitplan bringt. Wer sich auf engem Raum von der Gruppe trennt, etwa um ein Foto an der Wand zu machen, sollte die Gruppe vorher kurz informieren oder besser gleich einen Buddy mitnehmen.
Profi-Tipp von Marc
"An der Nordspitze schwimme ich bewusst nie zu nah an die Kante – die Strömung kann dich dort in Sekunden aus dem Sichtbereich der Gruppe ziehen. Lieber zwei, drei Meter Abstand halten und die Tiefe im Auge behalten, dann hast du trotzdem die besten Chancen auf die Hammerhaie."
Tierwelt: Hammerhaie, Graue Riffhaie & Co.
Graue Riffhaie patrouillieren an Jackson Reef fast ganzjährig entlang der Wand, meist in 15 bis 30 Metern Tiefe. Gelegentlich zeigen sich auch ozeanische Weißspitzenhaie im offenen Wasser vor der Wand. Das große Highlight sind aber die Hammerhai-Schulen, die vor allem zwischen April und Juni an der Nordspitze in tieferem Wasser auftauchen, oft nur als Schattenformation unterhalb der Sportgrenze erkennbar. Weniger beeindruckend macht das den Moment nicht.
Dazu kommen dichte Barrakuda-Schwärme, die sich in der Strömung wie ein silbriger Vorhang formieren, Napoleon-Lippfische an den Überhängen und ein Weichkorallen- und Gorgonienbewuchs, der zu den dichtesten im gesamten nördlichen Roten Meer zählt. Für Fotos und Videos lohnt sich die Wand allein wegen der Farben. Ich habe hier mit meiner Olympus (OM System) Tough TG-7 einige meiner besten Weitwinkelaufnahmen gemacht. Die Kamera ist bis 15 Meter auch ohne Gehäuse wasserdicht, für die Wandtiefen an Jackson Reef würde ich aber zum passenden UW-Gehäuse greifen, dann bist du bis 45 Meter abgesichert.
Beste Reisezeit und Tauchbasis-Wahl
Jackson Reef ist grundsätzlich ganzjährig tauchbar, die Wassertemperatur liegt je nach Saison zwischen 22 °C im Winter und bis zu 28 °C im Sommer. Ein 3-mm-Neoprenanzug reicht fast das ganze Jahr, im Winter (Dezember bis Februar) würde ich eher zu 5 mm oder einem Shorty darunter raten. Die höchsten Hammerhai-Chancen hast du von April bis Juni, wenn die Schulen regelmäßig an der Nordspitze gesichtet werden. In den Wintermonaten kann zusätzlich der Wind die Bootsanfahrt erschweren oder Ausfahrten ganz verhindern. Frag deine Basis vorher nach den aktuellen Seebedingungen.
Wichtig bei der Wahl der Tauchbasis: Jackson Reef ist kein Einsteigerspot. Du solltest mindestens Advanced Open Water Diver sein, Erfahrung im Drifttauchen mitbringen und sicher mit der SMB umgehen können. Gute Basen fragen genau das vor der Buchung ab und teilen die Gruppen entsprechend dem Erfahrungslevel ein. Wenn eine Basis das nicht tut, würde ich vorsichtig werden. Ein zuverlässiger Tauchcomputer mit digitaler Kompassanzeige wie der Shearwater Tern hilft zusätzlich bei der Orientierung an der Wand, wenn die Sicht durch Partikel in der Strömung mal eingeschränkt ist.
FAQ zu Jackson Reef
Für wen ist Jackson Reef geeignet?
Jackson Reef richtet sich an erfahrene Taucher mit mindestens Advanced-Open-Water-Zertifizierung, sicherer Drifttauchen-Erfahrung und routiniertem Umgang mit der Signalboje. Einsteiger sollten den Spot meiden, da die Strömung schnell und unvorhersehbar wechseln kann.
Welche Zertifizierung brauche ich für Jackson Reef?
Die meisten Tauchbasen verlangen mindestens den PADI Advanced Open Water Diver oder ein vergleichbares Brevet, oft zusätzlich eine Spezialausbildung oder nachweisbare Erfahrung im Drift- und Strömungstauchen. Ohne diese Voraussetzungen wirst du in der Regel nicht mitgenommen.
Wann sind die Chancen auf Hammerhaie am höchsten?
Die besten Chancen auf Hammerhai-Schulen bestehen zwischen April und Juni, wenn sie bevorzugt an der tieferen Nordspitze des Riffs auftauchen. Außerhalb dieser Monate sind Sichtungen möglich, aber deutlich seltener.
Wie gut ist die Sicht an Jackson Reef?
Die Sichtweite liegt meist zwischen 20 und 40 Metern, wie an den meisten Tiran-Riffen typisch für das nördliche Rote Meer. An strömungsstarken Tagen kann aufgewirbeltes Sediment die Sicht an der Wand vorübergehend etwas reduzieren.
Kann ich Jackson Reef mit den anderen Tiran-Riffen kombinieren?
Ja, viele Tagesausfahrten von Sharm el-Sheikh kombinieren Jackson Reef mit Woodhouse, Thomas oder Gordon Reef zu zwei Tauchgängen an einem Tag. Das lohnt sich besonders, weil die vier Riffe unterschiedliche Strömungs- und Tiefenprofile bieten.
Häufige Fragen
Für wen ist Jackson Reef geeignet?+
Jackson Reef richtet sich an erfahrene Taucher mit mindestens Advanced-Open-Water-Zertifizierung, sicherer Drifttauchen-Erfahrung und routiniertem Umgang mit der Signalboje. Einsteiger sollten den Spot meiden, da die Strömung schnell und unvorhersehbar wechseln kann.
Welche Zertifizierung brauche ich für Jackson Reef?+
Die meisten Tauchbasen verlangen mindestens den PADI Advanced Open Water Diver oder ein vergleichbares Brevet, oft zusätzlich Erfahrung im Drift- und Strömungstauchen. Ohne diese Voraussetzungen wirst du in der Regel nicht mitgenommen.
Wann sind die Chancen auf Hammerhaie am höchsten?+
Die besten Chancen auf Hammerhai-Schulen bestehen zwischen April und Juni, wenn sie bevorzugt an der tieferen Nordspitze des Riffs auftauchen. Außerhalb dieser Monate sind Sichtungen möglich, aber deutlich seltener.
Wie gut ist die Sicht an Jackson Reef?+
Die Sichtweite liegt meist zwischen 20 und 40 Metern, wie an den meisten Tiran-Riffen typisch für das nördliche Rote Meer. An strömungsstarken Tagen kann aufgewirbeltes Sediment die Sicht an der Wand vorübergehend etwas reduzieren.
Kann ich Jackson Reef mit den anderen Tiran-Riffen kombinieren?+
Ja, viele Tagesausfahrten von Sharm el-Sheikh kombinieren Jackson Reef mit Woodhouse, Thomas oder Gordon Reef zu zwei Tauchgängen an einem Tag. Das lohnt sich besonders, weil die vier Riffe unterschiedliche Strömungs- und Tiefenprofile bieten.
