Rocky Island & Zabargad tauchen: Hammerhai-Schulen im tiefsten Süden Ägyptens. Strömung, Pinnacles und Marcs Liveaboard-Tipps.
Auf einen Blick
- Ort: Tiefster Süden Ägyptens, Grenzgebiet zum Sudan, ca. 220 km südlich von Marsa Alam
- Tiefe: 5–40+ m, Pinnacles und Steilwände meist ab 12 m
- Beste Reisezeit: Mai bis Oktober, Hammerhai-Hauptsaison Juni bis Oktober
Rocky Island und Zabargad tauchen: die Kurzantwort
Rocky Island und Zabargad liegen im äußersten Süden Ägyptens, nahe der sudanesischen Grenze, und sind ausschließlich per Liveaboard auf einer Deep-South-Route ab Marsa Alam oder Port Ghalib erreichbar. Beide Spots verlangen echte Taucherfahrung, mindestens AOWD, besser deutlich mehr Logbucheinträge, weil starke Strömung und offenes Wasser hier Alltag sind. Die Belohnung ist die realistischste Chance im ganzen Roten Meer, Schulen von Bogenstirn-Hammerhaien zu sehen, vor allem zwischen Juni und Oktober.
Ich war das erste Mal vor über zehn Jahren auf einer Deep-South-Tour hier unten, und ehrlich gesagt hat mich damals die Strömung am Rocky Island fast überrascht. Seitdem gehört dieser Spot für mich zu den intensivsten Tauchgängen im ganzen Land. Ich überlege am Boot vorher genau, wer mit ins Wasser darf.
Wo liegen Rocky Island und Zabargad?
Beide Inseln gehören zu den südlichsten Tauchgebieten Ägyptens überhaupt. Rocky Island ist ein winziger Granitfelsen, der kaum aus dem Wasser ragt, rund 220 Kilometer südlich von Marsa Alam und nur wenige Seemeilen von der Grenze zum Sudan entfernt. Zabargad (auch als St. John's oder Zabargad-Insel bekannt, nicht zu verwechseln mit dem nördlicher liegenden St. John's Reef) liegt noch etwas weiter südlich und ist deutlich größer, mit einer markanten Bucht und dem berühmten Tauchplatz "The Pinnacle" direkt vor der Küste.
Beide Inseln liegen innerhalb des Elba-Schutzgebiets, einem der strengsten Marine-Nationalparks Ägyptens. Es gelten dieselben Marine-Park-Gebühren wie in anderen südlichen Schutzgebieten, die auf den meisten Liveaboard-Routen bereits im Reisepreis eingerechnet sind. Frag beim Booking aber trotzdem konkret nach, einige Anbieter kassieren sie separat vor Ort in bar.
Anreise nur per Liveaboard-Langstrecke
Es gibt keine Tagesausfahrten zu Rocky Island oder Zabargad. Die Entfernung macht das schlicht unmöglich. Du erreichst beide Spots nur im Rahmen einer mehrtägigen "Deep South"-Liveaboard-Route, die meist in Port Ghalib oder Marsa Alam startet und oft weiter bis Fury Shoals oder sogar in den Grenzbereich zum Sudan führt. Die reine Fahrzeit vom Hafen bis Rocky Island beträgt je nach Route und Wetter zwischen zwölf und zwanzig Stunden, meist über Nacht. Wenn du noch unsicher bist, welche Route zu dir passt, findest du einen detaillierten Überblick in unserem Vergleich der Liveaboard-Routen im Roten Meer.
Die Tauchplätze im Detail
Rocky Island selbst ist ein einzelner Tauchplatz, der die Insel komplett umschließt: ein Rundkurs aus Granit-Pinnacles, die wie Türme vom Boden aufsteigen, umgeben von Steilwänden, die ohne Unterbrechung auf 40 Meter und tiefer abfallen. Die Nordseite ist meist die strömungsstärkere, dort bilden sich an guten Tagen regelrechte "Hammerhai-Highways" im Blauwasser. Die Südseite ist ruhiger und eignet sich besser für den Einstieg oder einen entspannteren zweiten Tauchgang am selben Tag.
Zabargad ist topografisch vielfältiger. "The Pinnacle" ist der bekannteste Platz: ein einzelner Felsturm im offenen Wasser, der aus 30 Metern Tiefe aufsteigt und von Schwärmen Doktorfischen, Füsilieren und, mit etwas Glück, vorbeiziehenden Hammerhaien umkreist wird. In der großen Bucht von Zabargad findest du dagegen ruhigere, flachere Riffe mit guter Sicht auf Weichkorallen, ideal, um nach einem anstrengenden Blauwasser-Tauchgang wieder runterzukommen. Die Sichtweiten liegen an beiden Spots meist zwischen 25 und 40 Metern. Das ist klassisches Rotes-Meer-Niveau, oft sogar noch klarer als weiter nördlich, weil hier schlicht weniger Tauchboote unterwegs sind.
Tierwelt: warum Hammerhai-Taucher hierher kommen
Der Hauptgrund, warum erfahrene Taucher den langen Weg in den tiefsten Süden Ägyptens auf sich nehmen, sind die Bogenstirn-Hammerhaie. Zwischen Juni und Oktober ziehen hier regelmäßig Schulen von zehn, zwanzig, manchmal deutlich mehr Tieren im offenen Wasser entlang der Riffkanten vorbei, meist in den frühen Morgenstunden, wenn das Wasser noch kühler und die Sicht am klarsten ist. Eine Garantie gibt es nie, das ist Tierbeobachtung im offenen Meer. Aber die Wahrscheinlichkeit ist an keinem anderen Spot in Ägypten höher.
Neben den Hammerhaien triffst du an beiden Inseln regelmäßig graue Riffhaie, meist in kleinen Gruppen an den tieferen Kanten. Napoleon-Lippfische sind an Rocky Island fast schon Stammgäste. Mantas ziehen gelegentlich durchs Blauwasser, unregelmäßig, aber eben möglich. Dazu kommt das übliche Rotes-Meer-Inventar: große Thunfischschwärme, Füsiliere in dichten Wolken und an den flacheren Bereichen von Zabargad auch Schildkröten. Für mich persönlich bleibt aber die Hammerhai-Chance der Grund, warum ich diese Route jedem erfahrenen Taucher ans Herz lege, der im Roten Meer schon alles "Übliche" gesehen hat.
Bedingungen für erfahrene Taucher
Ich will hier nicht drum herumreden: Rocky Island und Zabargad sind keine Einsteiger-Spots. Die Strömung kann an beiden Inseln binnen Minuten von moderat auf richtig kräftig wechseln, du tauchst oft im offenen Wasser ohne direkten Riffkontakt, und die See ist in diesem Teil des Roten Meeres grundsätzlich rauer als weiter im Norden. Die meisten Liveaboard-Anbieter verlangen deshalb mindestens den Advanced Open Water Diver, viele Guides schauen zusätzlich auf die Anzahl der Tauchgänge im Logbuch und fragen gezielt nach Erfahrung mit Strömungstauchgängen und Blauwasser-Auftauchen.
Genau wegen dieser Bedingungen gehört eine Signalboje zur Pflichtausrüstung an Bord. Kein Guide lässt dich hier ohne ins Wasser. Treibst du bei starker Strömung vom Riff ab, ist die SMB das einzige Mittel, mit dem dich das Boot im offenen Wasser überhaupt findet. Ich tauche hier seit Jahren mit einer Signalboje mit Abrollspule, weil ich die Leine beim Aufstieg kontrolliert ablassen kann, ohne mich in Schlaufen zu verwickeln, was gerade bei Strömung ein echter Unterschied zur einfachen Boje ohne Spule ist. Preislich bewegst du dich da bei etwa 20 bis 35 Euro, achte beim Kauf auf ein helles Orange oder Gelb und mindestens 1,20 Meter Länge, damit du auch bei Welle vom Boot aus gut erkennbar bist.
Neben der SMB solltest du einen funktionierenden Tauchcomputer, eine Rettungsweste mit ausreichend Auftrieb und idealerweise eine Pfeife oder einen akustischen Signalgeber am Jacket haben. Die meisten Deep-South-Boote briefen jeden Tauchgang ausführlich und setzen einen Sicherheitsstopp mit Begleitboot, das ist kein Luxus, sondern hier schlicht Standard, weil die Guides die Risiken kennen.
Profi-Tipp von Marc
"Geh am Rocky Island nie als Erster ins Blauwasser, wenn die Strömung frisch gedreht hat. Ich warte immer, bis der Guide unten ist und das Tempo einschätzen kann. Lieber zwei Minuten später einsteigen als zwei Kilometer abtreiben."
Beste Reisezeit und Liveaboard-Planung
Das Saisonfenster für den tiefsten Süden Ägyptens ist enger als für die klassischen Routen um Hurghada oder Sharm el-Sheikh. Von Mai bis Oktober ist die See meist ruhig genug für die lange Anfahrt, und genau in diesem Zeitraum, mit Schwerpunkt Juni bis Oktober, sind die Hammerhai-Sichtungen am wahrscheinlichsten. Die Wassertemperatur liegt in diesen Monaten bei angenehmen 27 bis 29 °C, ein 3 mm Neoprenanzug reicht völlig aus. Bei mehreren Tauchgängen täglich würde ich persönlich zu einem Shorty oder einer dünnen Weste darunter greifen, mehr braucht es im Hochsommer aber nicht.
Für die Tiefenprofile an Pinnacles wie "The Pinnacle" bei Zabargad lohnt sich ein verlässlicher Tauchcomputer, der dir Strömungstauchgänge mit wechselnden Tiefen zuverlässig trackt. Ich nutze an Bord gerne einen Aqualung i330R mit Farbdisplay und Bluetooth-Logbuch-Sync, was gerade bei mehreren Tagen am Stück ohne Internetzugang praktisch ist, um abends am Tablet die Profile durchzugehen und mit dem Guide zu besprechen. Buche die Deep-South-Route frühzeitig. Die Plätze auf den wenigen spezialisierten Booten sind in der Hauptsaison oft schon Monate vorher ausgebucht, und viele Anbieter verlangen bei der Buchung bereits den Nachweis deiner Tauchzertifizierung und Erfahrung.
Häufige Fragen
Wann ist die beste Reisezeit für Rocky Island und Zabargad?+
Die beste Reisezeit ist Mai bis Oktober, wenn die See für die lange Anfahrt ruhig genug ist. Die höchste Wahrscheinlichkeit für Hammerhai-Schulen liegt zwischen Juni und Oktober, bei Wassertemperaturen von 27 bis 29 °C und sehr guter Sicht von meist 25 bis 40 Metern.
Wie erfahren muss ich als Taucher für Rocky Island sein?+
Die meisten Liveaboard-Anbieter setzen mindestens den Advanced Open Water Diver voraus, dazu Erfahrung mit Strömungstauchgängen und Blauwasser-Auftauchen. Wegen starker Strömung und offenem Wasser ohne Riffkontakt ist Rocky Island kein Spot für Einsteiger oder Taucher mit wenig Logbucheinträgen.
Welche Liveaboard-Route führt zu Rocky Island und Zabargad?+
Beide Spots liegen auf sogenannten Deep-South-Routen, die meist in Port Ghalib oder Marsa Alam starten und über Fury Shoals bis in den südlichsten Teil Ägyptens führen. Tagesausfahrten gibt es nicht, nur mehrtägige Liveaboard-Touren mit langer Nachtfahrt.
Welche Haie sieht man bei Rocky Island und Zabargad?+
Der Hauptgrund für den Besuch sind Schulen von Bogenstirn-Hammerhaien, die vor allem von Juni bis Oktober im offenen Wasser an den Riffkanten vorbeiziehen. Zusätzlich sind graue Riffhaie an beiden Inseln regelmäßig zu sehen, gelegentlich auch Mantas im Blauwasser.
Wie weit ist die Anfahrt von Marsa Alam / Port Ghalib?+
Rocky Island liegt rund 220 Kilometer südlich von Marsa Alam, Zabargad noch etwas weiter. Die reine Fahrzeit mit dem Liveaboard beträgt je nach Wetter zwischen zwölf und zwanzig Stunden und wird meist über Nacht zurückgelegt.
