Hamata im Süden Ägyptens: unberührte Fury Shoals, Delfine in Sataya und Steilwände für Profis. Alles zu Anreise, Ausrüstung und bester Reisezeit.
Auf einen Blick
- Lage: 180 km südlich von Marsa Alam (ca. 2,5 Std. Transfer ab Flughafen RMF)
- Highlight: Fury Shoals – Tunnelriffe, Steilwände, weltberühmte Delfin-Lagune Sataya
- Wassertemperatur: 24–28 °C (ganzjährig, südlichster Teil wärmer als Hurghada)
- Beste Reisezeit: Oktober–April (ruhiger, etwas kühler, optimale Sichten)
- Niveau: Einsteiger (Claudia Reef, Sataya) bis Fortgeschrittene (Sha'ab Maksour)
- Anreise-Kosten Transfer: ca. 40–60 € pro Person ab Marsa Alam Airport (RMF)
Hamata ist das Ende der Welt – im besten Sinne. Wer hierher kommt, will tauchen. Sonst nichts. Es gibt keine Promenade, keine Souvenirshops, nur Wüste, ein paar Hotels und das Meer. Dafür wirst du mit den vielleicht gesündesten Hartkorallengärten Ägyptens belohnt. Da Hamata so weit südlich liegt, sind die Wassertemperaturen auch im Winter oft 1–2 Grad wärmer als in Hurghada – und der Bootsbetrieb an den Riffen ist ein Bruchteil dessen, was du in Sharm oder Hurghada gewohnt bist. Wenn du Ägypten kennst und nach dem nächsten Level suchst: Hamata ist es.
Tauchen in Hamata: Was erwartet dich?
Hamata tauchen und die Fury Shoals erleben bedeutet: kaum Boote, intakte Hartkorallengärten bis in wenige Meter Tiefe und ein Riffsystem, das zu den artenreichsten des gesamten Roten Meeres zählt. Die Sichtweiten liegen ganzjährig bei 20–35 Metern. Du tauchst hier neben Schildkröten, Napoleon-Lippfischen und Grenzern der Tiefe – Graue Riffhaie, Weißspitzen-Riffhaie, gelegentlich Hammerhaie auf dem Durchzug. Das Einstiegsniveau beginnt beim Open Water; erfahrene Taucher bekommen mit den Außenriffs und Steilwänden echten Herzschlag.
Die Fury Shoals: Das beste Riffsystem Ägyptens
Das Tauchgebiet vor Hamata nennt sich Fury Shoals. Es erstreckt sich über ein weitläufiges Gebiet mit dutzenden einzelnen Riffen, Atollen und Untiefen – ein Labyrinth aus Korallen, das kein einziger Tauchausflug vollständig erschließt. Wegen seiner Abgelegenheit und des geringen Bootsverkehrs gelten die Fury Shoals als eines der am wenigsten gestörten Riffsysteme in ganz Ägypten.
Claudia Reef: Sonnenstrahlen und Tunnelmagie
Claudia Reef ist der Klassiker für jeden Hamata-Trip und auch für Einsteiger mit Open-Water-Patent geeignet. Das Riff ist ein System aus Tunneln und Höhlen, deren Decken durchlöchert oder nach oben hin offen sind. Mittags – zwischen 11 und 13 Uhr – fallen die Sonnenstrahlen wie Laserstrahlen durch die Öffnungen und tanzen auf dem weißen Sandboden. Der Anblick ist surreal: Schwärme aus Glassfish verdichten sich in den Tunneln, während das Licht durch sie hindurchbricht. Maximale Tiefe 15–20 Meter, Strömung meist gering. Einer der fotografisch attraktivsten Spots in ganz Ägypten.
Sha'ab Maksour: Steilwand für Erfahrene
Sha'ab Maksour ist der anspruchsvolle Gegenentwurf zu Claudia Reef. Ein langes, schmales Riff mit Steilwänden, die senkrecht in die Tiefe fallen. Hier patrouillieren Graue Riffhaie in Gruppen von drei bis zehn Tieren auf der strömungszugewandten Seite, Thunfische durchqueren das offene Wasser im Schnelldurchlauf. Die Strömung kann stark sein – AOWD und Drifterfahrung sind Pflicht. Wer die Haie mag, wird Sha'ab Maksour lieben. Der Spot erinnert an das Elphinstone Riff in Marsa Alam, ist aber noch weniger frequentiert.
Sataya Reef: Die berühmte Delfin-Lagune
Sataya ist für viele Besucher Hamatas eigentlicher Grund, den weiten Weg in den Süden zu machen. Das riesige, halbmondförmige Riff beherbergt in seiner Lagune eine der größten residenten Spinnerdelfin-Schulen des Roten Meeres – 50 bis über 100 Tiere sind keine Ausnahme. Hier wird in der Regel geschnorchelt, nicht getaucht: Die Interaktion mit den Tieren an der Oberfläche ist oft intensiver als beim Abtauchen. Die Delfine kommen morgens zum Ausruhen in die ruhige Lagune und sind bis etwa 11 Uhr zuverlässig anzutreffen. Mehr zur richtigen Vorbereitung für Delfin-Begegnungen liest du in meinem ausführlichen Delfin-Guide für Ägypten.
Weitere Spots: Sha'ab Marsa Alam und Sha'ab Erg
Wer mehrtägig in der Region taucht, entdeckt weitere Riffe in der Fury-Shoals-Kette: Sha'ab Marsa Alam mit flachen Patch-Riffen und vielen Schildkröten, Sha'ab Erg mit einem langen Unterwasserrücken und Adlerrochen-Sichtungen. Jeder Spot hat seinen eigenen Charakter – und weil kaum Boote die Riffe befüllen, taucht man an jedem einzelnen davon oft als einziges Boot der Welt.
Anreise und Liveaboard: So planst du den Trip
Hamata erreicht man nicht mal eben. Die Abgelegenheit ist Teil des Konzepts – und wer bereit ist, den Mehraufwand zu akzeptieren, wird mit einer Reinheit belohnt, die in anderen Teilen Ägyptens kaum noch zu finden ist.
Flug nach Marsa Alam (RMF): Die schnellste Verbindung. Direktflüge aus Deutschland und Österreich gibt es von Oktober bis April von diversen Flughäfen (z.B. München, Frankfurt, Wien). Im Sommer sind die Direktflüge selten; dann entweder via Kairo oder Umstieg Sharm/Hurghada. Der Transfer von RMF nach Hamata dauert ca. 2–2,5 Stunden und kostet pro Person etwa 40–60 € im Shuttle.
Flug nach Hurghada (HRG) als Alternative: Hurghada hat mehr Direktverbindungen, aber der Transfer nach Hamata ist mit 4–5 Stunden deutlich länger und teurer. Nur sinnvoll, wenn kein direkter RMF-Flug verfügbar ist oder du sowieso Hurghada mit Hamata kombinieren willst.
Liveaboard: Viele Taucher entscheiden sich für ein Liveaboard aus dem Hafen von Hamata oder Marsa Alam, das 5–7 Tage durch die Fury Shoals navigiert. Das ist die effizienteste Art, möglichst viele Spots zu sehen – Frühstück auf dem Riff, drei bis vier Tauchgänge pro Tag inklusive Nachttauchgänge. Für das Gepäck auf dem Liveaboard empfehle ich die Mares Cruise Mesh Deluxe 123L – sie passt unter das Bett in der Kabine, hält die Ausrüstung getrennt vom Rest und lässt sich auf engem Raum gut verstauen. Kein Rollkoffer auf einem Liveaboard.
Ausrüstung für Hamata
Hamata liegt im südlichsten Teil des ägyptischen Roten Meeres – und das spürt man an der Wassertemperatur. Selbst im Winter sinkt sie kaum unter 24 °C, im Sommer erreicht sie 28–29 °C. Das bedeutet: Ein 3-mm-Neoprenanzug reicht das gesamte Jahr über.
Ich empfehle den Cressi Morea 3mm Ganzkörper-Neopren – er sitzt eng genug für Wärmerückhalt, ist aber beweglich genug für die engen Tunnel in Claudia Reef und den langen Drift an Sha'ab Maksour. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist ausgezeichnet, und die Passform von Cressi bewährt sich seit Jahren im Roten Meer.
Für Frauen, die beim Schnorcheln in der Sataya-Lagune keinen vollen Neopren möchten, aber dennoch Schutz vor Sonnenbrand und Quallenkontakt wünschen: Der Cressi Damen Rash Guard Langarm UPF 50+ ist die ideale Lösung. Leicht, schnelltrocknend und mit UV-Schutz – perfekt für mehrere Stunden in der offenen Lagune.
Für das Gepäck auf dem Transfer und beim Tagesausflug: Ein Dry Bag Rucksack ist in Hamata sinnvoller als eine klassische Sporttasche – das Bootsspritzwasser macht auf dem Weg zu den Riffen alles nass, was nicht wasserabweisend verpackt ist.
Beim Tauchcomputer setze ich in Hamata auf die Cressi Leonardo – gut ablesbar, Nitrox-fähig und zuverlässig für die längeren Drifts und Mehrfachtauchgänge täglich. Für Einsteiger der ideale Einstieg in die eigene Tauchcomputer-Welt.
Beste Reisezeit und Unterkunft
Hamata ist ganzjährig besucht, aber Oktober bis April ist die beste Zeit: Die Wassertemperatur liegt bei 24–26 °C, die Sichten sind mit 25–35 Metern am schärfsten, und die Luft hat angenehme 25–30 °C. Weniger Hitze bedeutet komfortablere Trips zwischen den Tauchgängen. Im Sommer (Juni–September) ist es heiß (35+ °C an Land), das Wasser wärmer (27–29 °C), und die Delfin-Sichtungsquote in der Sataya-Lagune ist am höchsten.
Bei den Unterkünften ist Hamata ehrlich – es gibt keinen Luxusresort-Strip. Die Taucher-Lodge Moana Hotel direkt am Hafen ist der Klassiker: rustikal, tauchernah, mit eigenem Boot. Wer mehr Komfort möchte, übernachtet in Port Ghalib (ca. 45 Minuten nördlich) – einem modernen Ferienort mit mehreren Hotelkategorien und eigenem Hafen, von dem aus Tagesausflüge zu den Fury Shoals starten. Port Ghalib kombiniert Comfort mit Zugang zu Hamatas Riffen.
Profi-Tipp: Hamata + St. John's Riffe kombinieren
"Wer schon in Hamata ist, sollte eine Mini-Safari (2–3 Tage) zu den St. John's Riffen anfügen. Die Boote starten direkt vom Hafen in Hamata und fahren noch weiter südlich, fast bis zur sudanesischen Grenze. Die St. John's Riffe sind noch abgelegener als Hamata und zählen zu den unberührtesten Riffen weltweit – ein Erlebnis, das kaum ein anderer Reisender gemacht hat."
Wenn du Südägypten als Region erkunden möchtest, findest du alle Details zu den Offshore-Spots im großen Fury Shoals Tauchguide. Für die nördlich gelegenen Highlights – Ozeanische Weißspitzen-Haie und die Steilwände – empfehle ich meinen Elphinstone Riff Guide. Beide Spots lassen sich mit einem Südägypten-Trip wunderbar verbinden.
Häufige Fragen
Wie komme ich nach Hamata?+
Der schnellste Weg ist ein Flug nach Marsa Alam (RMF), dann ca. 2–2,5 Stunden Transfer südwärts (ca. 40–60 € per Shuttle). Direktflüge aus Deutschland gibt es hauptsächlich von Oktober bis April. Alternativ Flug nach Hurghada, aber der Transfer dauert dann 4–5 Stunden.
Was sind die Fury Shoals und warum sind sie so besonders?+
Die Fury Shoals sind ein weitläufiges Riffsystem vor Hamata mit Tunneln, Höhlen, Canyons und Steilwänden. Wegen der Abgelegenheit und des geringen Bootsbetriebs sind die Korallen hier weitgehend unberührt – einer der gesündesten Riffbereiche in ganz Ägypten mit Sichtweiten von 20–35 Metern.
Kann ich in Hamata Delfine sehen?+
Ja. Das Sataya Reef liegt direkt vor Hamata und beherbergt eine der größten Spinnerdelfin-Schulen des Roten Meeres (50–100+ Tiere). Morgens zwischen 6 und 11 Uhr sind die Sichtungsquoten am höchsten. Die Begegnung findet beim Schnorcheln in der Lagune statt.
Welchen Neoprenanzug brauche ich in Hamata?+
Ein 3-mm-Ganzkörper-Neopren reicht das gesamte Jahr. Hamata liegt im Süden, wo die Wassertemperatur auch im Winter kaum unter 24 °C fällt. Im Sommer erreicht sie 28–29 °C. Kein 5-mm-Anzug notwendig.
Ist Hamata für Anfänger geeignet?+
Ja, teilweise. Das Claudia Reef (max. 15–20 m, geringe Strömung) und das Sataya Reef eignen sich auch für Einsteiger mit Open Water. Sha'ab Maksour mit Steilwänden und Strömung ist Fortgeschrittenen mit AOWD vorbehalten. Die Abgelegenheit erfordert etwas Eigenorganisation.
